Das erste Mal kommt für viele immer früher. Aber fast unbemerkt gibt es eine große Gruppe junger Erwachsener ohne jegliche Sexerfahrung – die Absoluten Beginner. Besonders betroffen sind Studenten.
Manchmal, wenn ihre Freunde sich zu Pärchenabenden zurückziehen, fühlt Petra* sich furchtbar einsam. Vielen Singles geht es so. Dennoch ist es bei Petra anders als bei denen, die nur vorübergehend keine Beziehung haben. Denn Petra hatte noch nie einen Freund. „Und außer einem kurzen Kuss ist es noch nie zu körperlichen Kontakten mit Männern gekommen.“ Sie ist 24, studiert Heilpädagogik in Köln. Immer wieder grübelt sie darüber, ob es nicht an ihr liegt. Zurückhaltend war sie schon immer, eine Außenseiterin, Freundschaften hielten nicht lange. Sie hat an sich gearbeitet, wurde während ihres Studiums offener und selbstbewusster – aber die Schwierigkeiten, sich zu öffnen blieben. Es ist die Angst, verletzt zu werden. Selbst ihren besten Freunden gegenüber fällt es ihr schwer, sich zu öffnen. „Manchmal möchte ich mir am liebsten alles von der Seele reden.“ Wenn sie jemand direkt auf das Thema anspricht, schweigt sie nicht, sagt ehrlich, dass sie noch nie eine Beziehung hatte – und auch keinen Sex. Die Reaktion auf ihr Geständnis ist immer die gleiche: großes Erstaunen.
Dabei ist sie nicht allein. Eine Studie der Sexualforscher Gunter Schmidt und Konrad Weller ergab, dass 13 Prozent der Studenten noch keine partnerschaftlichen sexuellen Erfahrungen gesammelt haben. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung meldet, dass ein Drittel aller 18-Jährigen Jungfrau ist. Laut Forschungsinstitut Infratest Dimap hatten zehn Prozent aller 30-jährigen Männer noch nie Sex. „Es sind mehr als man denkt“, bestätigt Sexualforscher Weller von der Hochschule Merseburg. Es betreffe vor allem männliche Akademiker. „Je höher die Bildung, desto später die ersten sexuellen Erfahrungen.“