Mutterschutzgesetz 2018
Bald gilt der Mutterschutz auch für Studentinnen | Foto: halfpoint/Thinkstock
Autorenbild

17. Nov 2017

Janna Degener-Storr

News

Mutterschutzgesetz 2018: Heute Kreißsaal, morgen Hörsaal?

Kaum Erfahrungen mit schwangeren Studentinnen

Johanna Weiser (26) erinnert sich noch gut daran, wie sie mit kugelrundem Bauch in der Sprechstunde ihrer Professorin saß. Sie stand kurz vor dem Abschluss in Germanistik, hatte alle Prüfungen hinter sich und hätte die Masterarbeit noch vor der Geburt ihres Kindes schreiben können. Aber was, wenn sie noch während der Schwangerschaft ins Krankenhaus gemusst hätte? Oder wenn das Kind früher gekommen wäre? "Meine Betreuerin hatte keine Erfahrung mit schwangeren Studentinnen und wusste nicht, ob sich der Abgabetermin aus solchen Gründen verschieben lassen würde. Sie wirkte sehr unsicher, was das Thema angeht", erinnert sich Johanna. Erleichtert nahm die Studentin also den Vorschlag ihrer Professorin an, schon einmal mit der Recherche loszulegen, die Abschlussarbeit aber vorsichtshalber erst nach der Geburt anzumelden.

Johanna Weiser Studentin mit KindPrüfungen ablegen – wenige Tage nach einer Geburt?

Studentinnen, die sich kurz vor oder nach der Geburt nicht in der Lage sehen, an einer Prüfung teilzunehmen oder ein Seminar mit Anwesenheitspflicht zu besuchen, müssen wie Johanna auf eine hochschulinterne Regelung hoffen, ihren Ansprechpartner an der Hochschule um Nachsicht bitten, frühzeitig ein Urlaubssemester beantragen oder sich gar krankschreiben lassen. Denn es gibt bisher keine einheitlichen Regelungen zum Schutz von (werdenden) Müttern im Studium. Das derzeit geltende Mutterschutzgesetz stammt noch aus dem Jahr 1952 und richtet sich in erster Linie an Arbeitnehmerinnen. Für Studentinnen und Schülerinnen gilt es nur, wenn sie erwerbstätig sind oder sich in einem Praktikum befinden, das dem Wohl von Kind oder Mutter schadet.

Mutterschutz 2018: Schonzeit auch im Studium

Doch das wird sich bald ändern. Um Schülerinnen und Studentinnen wie Johanna mehr Sicherheit zu geben, hat das Familienministerium beschlossen, auch sie in den Mutterschutz einzubeziehen. Wie auch für Arbeitnehmerinnen gilt damit ab dem 1. Januar 2018 auch für Studentinnen und Schülerinnen sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt eine Schonzeit. Bei Frühgeburten und Zwillingen verlängert sich die Zeit nach der Geburt auf zwölf Wochen und auch nach der Geburt eines behinderten Kindes kann der Mutterschutz verlängert werden. Studentinnen und Schülerinnen haben dann die freie Wahl, ob sie das Mutterschutzrecht  in Anspruch nehmen oder darauf verzichten möchten. Johanna wäre dankbar gewesen, wenn sie sich im schlimmsten Fall auf eine solche Regelung hätte berufen können. Doch zum Glück ging bei ihr auch so alles gut: Ihre Tochter kam gesund zur Welt und schlief in den ersten drei Monaten viel, so dass Johanna Zeit für ihre Masterarbeit hatte und ihr Studium erfolgreich abschließen konnte.


Mutterschutz im ...

  • Praktikum: Schwangere Studentinnen im Pflichtpraktikum müssen keinen anstrengenden Tätigkeiten nachgehen und können während der Mutterschutzfrist zuhause bleiben. Sie sollten sich aber darüber informieren, was passiert, wenn sie die vorgeschriebene Dauer nicht erreichen.
     
  • Job: Wer den Arbeitgeber rechtzeitig informiert, profitiert vom besonderen Kündigungsschutz. Vor einer Kündigung geschützt sind Frauen auch, wenn sie nach der zwölften Woche eine Fehlgeburt erlitten haben. Urlaubsansprüche darf der Arbeitgeber nicht um die Mutterschutzzeiten kürzen. Eventuell besteht auch Anspruch auf Mutterschaftsgeld.

     

Artikel-Bewertung:

3.11 von 5 Sternen bei 45 Bewertungen.

Deine Meinung: