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Wie finanziere ich die Uni? Eine wichtige Frage für viele Studierende | Foto: Thinkstock/teksomolika

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10.11.2015

Typischer Student

Studierende in Deutschland sind …

Die wichtigsten Ergebnisse des...

Über 6.000 Studierende aller Fachrichtungen haben zwischen April und August 2015 an der von UNICUM präsentierten Umfrage teilgenommen und Fragen zu allen Themen rund um d ... mehr »

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24. Nov 2015

Sandra Ruppel

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Ohne Mama geht es nicht: So finanzieren sich Studierende in Deutschland

-ARCHIV-

Die Ergebnisse der Umfrage "Campusbarometer 2015"

Die Quellen des Geldes

Nach wie vor sind die eigenen Eltern eine der wichtigsten Geldquellen für Studierende, 67 Prozent bekommen finanzielle Unterstützung von Zuhause.

Bei vielen reicht das aber nicht, um über die Runden zu kommen, denn mit 56 Prozent geht mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer auch einem Nebenjob neben dem Studium nach. 81 Prozent der arbeitenden Studierenden gaben an, auf das Gehalt unbedingt angewiesen zu sein. Dabei haben 45 Prozent ihren Job allein wegen des Verdienstes ausgewählt, nicht etwa, weil der Job auch in Bezug zum Studium steht, oder sie Berufserfahrung sammeln möchten.

Der geringste Anteil der insgesamt über 6.000 befragten Studierenden erhält ein Stipendium, nur sieben Prozent nutzen diese Art der Studienfinanzierung. Etwas mehr, nämlich 27 Prozent, beziehen BAföG und 33 Prozent der befragten Studierenden haben Ersparnisse, die sie nutzen, um ihre Ausbildung an der Uni zu zahlen.


Das Budget liegt unter dem Bedarf

Im Schnitt verdienen die arbeitenden Studierenden 380 Euro pro Monat, pro Woche müssen sie etwa elf Stunden für den Nebenjob einplanen. 26 Prozent der befragten Studierenden fühlen sich durch die Arbeit neben dem Studium stark vom Lernen abgehalten. 20 Prozent gaben sogar an, dass ihre Leistungen unter der Zusatzbelastung durch den Job leiden. Kein Wunder also, dass etwa 22 Prozent der Befragten wegen ihres Nebenjobs länger studieren, als geplant.

Die Studierenden, die an der Umfrage teilgenommen haben, haben durchschnittlich 601 Euro monatlich zur Verfügung. Ihr Budget liegt damit um 199 Euro unter dem tatsächlichen Bedarf, welcher vom Studentenwerk ermittelt und auf 800 Euro festgesetzt wurde. Könnten die Studierenden einen Wunschbetrag wählen, der ihnen monatlich zur Verfügung stünde, dann läge der bei 832 Euro.

Wie viel Budget Studierende monatlich bräuchten, hängt auch stark von der Stadt ab, in der sie studieren. Besonders teuer ist nach der Aussage 73 Prozent der Umfrageteilnehmer das Studentenleben in Hamburg, Bayern und Hessen.

  • Mehr zu Lebenshaltungskosten in deutschen Uni-Städten findest du auch in unserem UNICUM Abi Mietpreis-Vergleich.

Mehr Geld für ...

Mit einem Plus an Geld würden Studierende mehr sparen, dafür weniger jobben und die gewonnene Zeit zum Lernen oder für Erholung nutzen. Auch würden sich viele Studierende gerne finanziell unabhängiger von ihren Eltern machen oder während des Studiums Erfahrungen im Ausland sammeln.

Gerade der Wunsch, ein Auslandssemester zu machen, ist eng mit der finanziellen Abhängigkeit von den Eltern verknüpft: 69 Prozent der Studierenden gaben an, dass für sie ein Auslandsaufenthalt nur durch die Hilfe von zu Hause möglich wird.


Weitere Finanzierungsmöglichkeiten

Nur ein kleiner Bruchteil der Umfrageteilnehmer, nämlich zehn Prozent, hat sich entschieden, eine Studienförderung oder einen Studienkredit aufzunehmen. Ein Studienkredit muss, anders als BAföG, in vollem Umfang und samt Zinsen zurückgezahlt werden, sobald erstes eigenes Einkommen vorhanden ist.

Zwar wissen viele der Studierenden um die Möglichkeit, einen Kredit aufnehmen zu können. Doch die Mehrheit, nämlich 72 Prozent, stehen der Idee skeptisch gegenüber. 69 Prozent aller Befragten wünschen sich vielmehr, dass der Staat Studierende finanziell noch besser unterstützt. 67 Prozent hoffen auf eine solche Hilfe von der Wirtschaft.


Wenig Geld, wenig Chancen

Betrachtet man die Zahlen und die verschiedenen Geldquellen der befragten Studierenden, lässt sich vor allem eines festhalten: Die soziale Herkunft beeinflusst die Bildungschancen immer noch sehr stark. Wer wenig Geld zur Verfügung hat, wird sich zwei Mal überlegen, ob er ein Studium beginnt – und selbst wenn die Entscheidung dann dafür fällt, bleibt die Sorge um die Finanzierung der Ausbildung bei vielen weiterhin bestehen.

Wer neben der Uni zusätzlich arbeiten muss, dem fehlt schneller die Zeit zum Lernen und der braucht so wahrscheinlich länger fürs Studium. Auch welche Zusatzqualifikationen die Studierenden sich aneignen, hängt mit ihrem Elternhaus zusammen. Besonders trifft dies auf Auslandsaufenthalte zu, die für viele nur dann möglich werden, wenn die Eltern einspringen. Denn selbst wenn man eine Förderung, wie etwa Erasmus+ erhält, der Aufenthalt im Ausland ist nicht billig.

Es kann also kaum überraschen, dass sich so viele Studierende dafür aussprechen, dass sich Staat und Wirtschaft stärker in die Studienfinanzierung einbringen sollten. Vielleicht lässt sich so ja eine Chancengleichheit herstellen, die bisher leider nicht existiert.


InfoStudienfinanzierung: Die Ergebnisse im Schnell-Check

  • 67 Prozent werden von ihren Eltern finanziell unterstützt
  • 56 Prozent haben einen Nebenjob parallel zum Studium, davon sind 81 Prozent auf ihren Verdienst ernsthaft angewiesen
  • 27 Prozent erhalten BAföG
  • 601 Euro haben die Studierenden im Schnitt jeden Monat zur Verfügung, ca. 800 Euro bräuchten sie laut Studentenwerk

Durchgeführt wurde die Umfrage, deren Ergebnisse im CampusBaromter 2015 zusammengefasst sind, von der Deutschen Bildung. Befragt wurden zwischen April und August 2015 über 6.000 Studierende aller Fachrichtungen. Mehr Infos unter: www.deutsche-bildung.de

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