RioMaNiacs Nik Marcel
Marcel (li.) und Nik berichten ab September live aus Rio | Foto: Aktion Mensch
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25. Jul 2016

Gastbeitrag

News

Paralympics 2016: Zwei Kölner Sportstudenten auf dem Weg nach Rio

-ARCHIV-

Interview mit den RioMaNiacs Nik und Marcel

Von der Domstadt in die brasilianische Metropole

UNICUM: Zuerst einmal, Glückwunsch! Ihr seid bei den Paralympischen Spielen in Rio live dabei. Wie wird man als Student Reporter für so ein wichtiges internationales Sportereignis?
Nik: Wenn ich ehrlich bin, war das Ganze ein sehr glücklicher Zufall. Ich habe zu der Zeit ein Praktikum gemacht und hätte gar nichts von der Ausschreibung an der Sporthochschule mitbekommen – wäre da nicht meine Mitbewohnerin gewesen. Für die Bewerbung erstellte ich in Windeseile einen Filmbeitrag über die Para-Cyclerin Denise Schindler. Danach ging alles ziemlich flott.

Marcel: Bei mir war die Situation ähnlich. Ich habe damals ein Praktikum in München gemacht. Für das Bewerbungsgespräch bin ich dann extra aus München angereist und erst mitten in der Nacht in Köln angekommen. Aber der Aufwand hat sich ja zum Glück gelohnt!

Warum habt ihr euch beworben?
Nik: Ich muss zugeben: Bis vor einigen Monaten konnte ich mit großen Namen der Szene, wie Markus Rehm oder Vanessa Low, wenig anfangen. Vielleicht war genau das der entscheidende Punkt. Die Chance, über etwas zu berichten, das in unserer Gesellschaft noch nicht die verdiente Aufmerksamkeit genießt, hat mich sofort gepackt. Dazu kommt meine Leidenschaft fürs Schreiben, die Liebe zum Sport und meine Reiselust.

Marcel: Ich musste da nicht lange überlegen. Der Behindertensport ist mir durch meine Erblindung im Laufe des Studiums sehr vertraut. Da sich Deutschland im Blindenfußball nicht qualifiziert hat, fiel diese Option für mich als Fußballer schon mal raus. Jetzt kann ich die Paralympics als Nachwuchsreporter erleben – und dann auch noch in Rio!


InfoBegleite die #RioMaNiacs im Netz!

Schon jetzt nehmen die Kölner Sportstudenten Nik und Marcel, die RioMaNiacs, dich mit auf ihrem Weg nach Rio. Auf der Social Wall unter www.riomaniacs.de kannst du Posts, Videos, Bilder und Blogbeiträge über paralympische Sportarten und Athleten verfolgen. Nik und Marcel berichten von Sportevents in ganz Deutschland – und natürlich ab September live aus Rio. Unterstützt werden die Studenten der Deutschen Sporthochschule Köln von der Aktion Mensch und der Deutschen Telekom.

Teile auch du deine Erlebnisse: Mit dem Hashtag #RioMaNiacs wird die Social Wall zur Plattform für alle Fan-Beiträge rund um die Paralympics 2016.


Einblicke ins spannende Sport-Studium

Marcel, du bist während des Sportstudiums erblindet. Wie war die Umstellung für dich, ist das Studium heute anders als zu der Zeit, als du noch sehen konntest?
Marcel: Natürlich ist das Studium nach wie vor dasselbe. Dennoch hat sich im Hinblick auf meine Arbeitsweise einiges geändert. Das fängt damit an, dass ich mit einer Sprachausgabe am Laptop arbeite und hört damit auf, dass Prüfungsformen angepasst werden müssen. Außerdem muss ich mich häufig mit den Dozenten absprechen, da ich die Unterrichtsmaterialien in barrierefreier Version benötige. Insgesamt muss ich meinen Studienalltag viel mehr organisieren als vorher. Aber an meiner Motivation hat sich rein gar nichts geändert.

Wie seht ihr das: Was sind die wichtigsten Voraussetzungen, um Sport zu studieren – muss man in allen Sportarten "spitze" sein? Sind die Voraussetzungen für Menschen mit und ohne Behinderung die gleichen?
Nik: Natürlich sollte man eine gewisse Grundfitness mitbringen. In meiner Schulzeit gehörte ich immer zu den Sportlichsten. Davon habe ich mich an der Sporthochschule schnell verabschiedet (lacht). Nachdem ich jedoch die ersten Leistungsturner im Schwimmbecken an ihrer Muskelmasse verzweifeln sah, wurde mir klar, dass man nicht in allem "spitze" sein kann und muss. Gefragt sind allein Einstellung, Training und eine gewisse Lockerheit, auch in Hinsicht auf Noten.

Marcel: Ich glaube, es ist hilfreicher, ein Allroundtalent zu sein, als ein Messi oder Ronaldo. Diese Aussage trifft natürlich ebenso auf Menschen mit Behinderung zu. Ein Studierender mit Behinderung muss genau wie alle anderen die vielfältigen Anforderungen des Sportstudiums meistern. Das will man natürlich auch.

Die Eignungsprüfung für das Studium an der DSHS ist gefürchtet. Habt ihr Tipps, wie man garantiert besteht? Gelten für Studieninteressierte mit Behinderung die gleichen Prüfungsbedingungen?
Marcel: Der Schlüssel zum Erfolg ist ganz einfach: Fleiß. Nur wer den Eignungstest ernst nimmt, hat eine Chance. Ich denke es hilft, wenn man schon vorher alle Disziplinen in einer Drucksituation simuliert. Das gibt einem Sicherheit, wenn es drauf ankommt. Ich höre immer wieder, dass extrem gute Leistungssportler am Eignungstest scheitern, weil sie die anderen Sportarten nicht ausreichend geübt haben. Natürlich sind die grundsätzlichen Anforderungen für Menschen mit Behinderungen die gleichen. Wenn ein Bewerber mit einer Behinderung eine Disziplin nicht besteht, wird geschaut, ob das an seiner Behinderung liegt oder am fehlenden Training. Ist es das Training, fällt man durch – selbst schuld. Liegt es an der Behinderung, wird eine alternative Lösung gefunden.

Nik: Ich kann mich noch an meinen Eignungstest 2013 erinnern. Als ich an der gefürchteten Turnhalle ankam, fragte mich ein Teilnehmer: "Sag mal, wie war nochmal die Reihenfolge der Bodenturnkür?" Ab diesem Moment wusste ich, dass ich es packen werde. Viele Sportler/innen denken, dass sie den Eignungstest mit links bestehen, weil sie eine Sportart perfekt beherrschen – Pustekuchen!

Marcel, welche Hilfsmittel sind für dich besonders wichtig, um Sport zu studieren?
Marcel: An technischen Hilfsmitteln habe ich meinen sprechenden Laptop und mein sprechendes Smartphone, wie ich sie immer gerne nenne. Beide Geräte sind mit einer Sprachausgabe ausgestattet. So kann ich sie fast uneingeschränkt nutzen, wie jeder andere auch. Außerdem bin ich auf personelle Hilfe in Form einer Studienassistenz angewiesen, die mir beim Suchen von Literatur hilft. Damit ich diese dann später lesen kann, muss sie vorher noch eingescannt werden.



Zwischen Uni-Stress und RioMaNiacs

Seit Mai seid ihr die RioMaNiacs – wie läuft das so bei euch im Team?
Nik: Bei unserem ersten Treffen war ich echt nervös. Marcel war der erste blinde Mensch, den ich je kennengelernt habe. Nach zwei Minuten war das jedoch wie weggeblasen. Inzwischen hat sich alles eingespielt. Bei Selfies sage ich Marcel an, wo sich die Linse befindet. Er führt die Interviews, ich filme. Er schreibt, ich schneide. Wir ergänzen uns, wo wir nur können. Natürlich ist es in unserer Zwei-Mann-Redaktion neben dem Studium auch stressig. Bisher schaukeln wir das jedoch mit der nötigen Gelassenheit und voller Energie und Spaß. Schon jetzt weiß ich, dass mich Marcels positiver Umgang mit seiner Behinderung für mein Leben prägen wird!

Marcel: Ich muss natürlich noch ergänzen, dass Nik mein Auge ist. Er navigiert uns zu den Events, manövriert uns durch die Menschenmassen, beschreibt mir die Wettkämpfe. Natürlich gehört da auch das Aussehen der ein oder anderen hübschen Athletin dazu.

Ihr seid mit eurer Website www.riomaniacs.de schon seit Mai online – worüber habt ihr seither berichtet?
Nik: Der richtige Startschuss für uns war die Einkleidung der olympischen und paralympischen Mannschaft in Düsseldorf. Es war unglaublich, wie viel Begeisterung die Athleten und Athletinnen dabei versprühten. Die Sportler/innen mit und ohne Behinderung gemeinsam Arm in Arm auf der Bühne zu erleben, war ein toller Moment.

Marcel: Seither besuchten wir außerdem viele internationale Meisterschaften verschiedenster Sportarten, waren beim Goalball-Team der Herren zu Besuch, durften viele Sportler/innen persönlich kennenlernen und trafen die Kids der DBSJ, mit denen wir im Rahmen des Paralympischen Jugendlagers nach Rio reisen werden.

Ihr seid beide begeisterte Fußballer – wart ihr schon zusammen auf dem Platz?
Nik: Leider hat es sich bisher noch nicht ergeben, ist aber fest eingeplant. Auch mit Dunkelbrille sollte es für einen wahren Borussen aus Mönchengladbach für einen Dortmunder reichen. (lacht)

Marcel: Nein, aber das müssen wir unbedingt nachholen. Erst Recht, da Nik eine so große Klappe hat. (lacht) Wenn er erstmal die Brille aufsetzt und nur noch Dunkelheit wahrnimmt, wird Nik schon noch merken, was es heißt, blind zu kicken.

Und zum Abschluss: Im September geht's auf zu den Paralympics nach Rio – worauf freut ihr euch am meisten?
Marcel: Ich glaube, es ist das Gesamtpaket. Bei so einer Großveranstaltung herrscht immer eine ganz besondere Atmosphäre, dieser Spirit, den wir jetzt selbst einmal miterleben dürfen. Außerdem haben wir als Reporter die einmalige Gelegenheit, ganz nah am Geschehen zu sein. Gleichzeitig schlägt in uns das Herz des Sportfans. Dazu findet das Ganze noch in Brasilien statt, ein Land, das mit Lebensfreude nur so um sich schmeißt. Ich denke, das ist, was diese Reise ausmachen und uns ein Leben lang in Erinnerung bleiben wird.

Nik: Ich freue mich auf die spannenden Wettkämpfe. Dadurch, dass wir viele Sportler/innen näher kennenlernen durften, haben wir eine besonders enge Beziehung zu dem Ganzen. Dementsprechend drücken wir natürlich besonders fest die Daumen. Auch als Reporter-Duo unterwegs zu sein, wird bestimmt toll. Ich hoffe, dass wir es schaffen werden, die Paralympics samt Emotionen so einfangen zu können, dass alle Spaß daran haben.


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