Plagiatsfälle Uni Münster
VroniPlag hat es auf die medizinische Fakultät der WWU Münster abgesehen | Fotos: Frank Biermann

News

24.03.2017

Schloss Uni Münster

Universität Münster entzieht weitere Doktortitel

Der aktuelle Stand der Plagiatsaffäre

Die Universität Münster hat jetzt erneut Konsequenzen aus der Plagiatsaffäre ziehen müssen und weiteren Doktoren den Titel entzogen. Nun sind es drei Promovenden aus der ... mehr »

Autorenbild

07. Mär 2017

Frank Biermann

News

Plagiate an der Uni Münster: 8 Mediziner verlieren ihren Doktortitel

VroniPlag deckt 23 Plagiatsfälle in Münster auf

Karl-Theodor Guttenberg, Silvana Koch-Mehrin, Bildungsministerin Annette Schavan – die Fälle der prominenten Plagiatssünder, denen der Doktortitel aberkannt wurde, sind uns alle noch im Gedächtnis. Nun wurde der nächste Plagiatsskandal bekannt.

Zwar ohne Promi-Bezug, aber dafür in einer ganz anderen Größenordnung: Die Westfälische Wilhelms-Universität Münster musste sich mit einer so massenhaften Häufung von Plagiatsverdachten in der Medizinischen Fakultät auseinandersetzen, dass dafür sogar eine eigene Untersuchungskommission eingesetzt wurde, in die auch auswärtige Experten einbezogen wurden.

Achtmal Doktortitel-Entzug und 14 Rügen

Insgesamt 23 Fälle hatten die ehrenamtlichen und meist anonym tätigen Plagiatsforscher von VroniPlag festgestellt. Die Untersuchungskommission hat dazu in jedem Fall dem Fachbereichsrat der Fakultät Vorschläge gemacht, erklärt Uni-Pressesprecher Norbert Robers. Als mögliche Reaktionen seien dabei eine Rüge, gar keine Reaktion oder Doktortitel entziehen vorgesehen gewesen.

Im Fachbereichsrat sind die Dekane und Professoren vertreten, genauso wie wissenschaftliche Mitarbeiter und Studenten. Die Beratungen in dem Gremium haben im Ergebnis dazu geführt, dass acht Medizinern mit der laut Robers "denkbar härtesten Konsequenz" ihre Doktortitel wieder abererkannt wurden. In diesen Fällen so Robers, habe ein schweres wissenschaftliches Fehlverhalten vorgelegen, es sei "massiv abgeschrieben" worden.  In 14 Fällen wurden Rügen ausgesprochen.

Konsequenzen für die Profs

Klare Signale wurden auch in Richtung der Professorenschaft gesendet. Einem Professor (Namen nennt die Universität anders als vroni.plag nicht), bei dem gleich zwei Plagiatsfälle festgestellt wurden, ist die Stelle bis auf die gesetzlich vorgeschriebene Grundausstattung zusammengestrichen worden. Er darf nie wieder Doktoranden betreuen. Ein Vorgang, der, so Robers, in der bundesdeutschen Universitätslandschaft wohl einmalig ist.

Die der Uni Münster sichtlich unangenehme Plagiatsaffäre wird auch noch ein gerichtliches Nachspiel haben. Fünf der acht Mediziner, die vom Titelentzug betroffen sind, haben dagegen vor dem Verwaltungsgericht Münster eine Klage eingereicht. Erst nach den Verhandlungen, so die Auskunft des Gerichts,  die noch nicht terminiert sind und die auch ohne mündliche Verhandlung entschieden werden können, wird sich zeigen, ob das universitäre Handeln auch gerichtsfest ist.


Medizinische Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität

Kritik der WWU Münster an VroniPlag

Es sei keineswegs so, dass die Universität Münster – laut Westfälischen Nachrichten "eine der am häufigsten unter Verdacht geratenen Universitäten bundesweit" –, bei dem Thema Plagiate "zum Jagen getragen werden" müsste, sagt Pressesprecher Norbert Robers.  Alle medizinischen Doktorarbeiten müssten inzwischen in elektronischer Form digital eingereicht werden und würden mit einer unieigenen Software geprüft. Und für verunsicherte Promotionskandidaten gebe es, ähnlich wie zum Beispiel an der Ruhr-Uni  Bochum auch, einen Ombudsman.

An der Arbeitsweise der Internetplattform VroniPlag stört die Uni Münster, dass schon bei einem bloßen (natürlich begründeten) Verdacht, der ja nicht immer direkt zum Entzug des Titel führe, die Verdächtigen gleich namentlich genannt würden, und mit wirtschaftlichen Konsequenzen zu rechnen hätten. Die unrühmliche Spitzenstellung der medizinischen Fakultät der Universität Münster führt Robers darauf zurück, dass sich VroniPlag vier Wochen intensiv und ausschließlich eben um die Uni Münster gekümmert habe.

Danach sei die "Karawane" zur Berliner Charité weitergezogen, die dann vermehrt in den Verdacht geraten sei, Plagiate angenommen zu haben. Unterm Strich ließen sich bei 800 Promotionen im Jahr Plagiatsfälle nie grundsätzlich ausschließen. 99 Prozent der Doktoranden hätten in ihre Arbeit so Robers "viel Gehirnschmalz" gesteckt und ihre Titel ehrlich erworben. Es sei bedauerlich, dass diese jetzt unter der Plagiatsaffäre zu leiden hätten. Die Universität Münster werde zukünftig alles dafür tun, dass der Wert des Doktortitels als solcher nicht in Zweifel gezogen werde.

Artikel-Bewertung:

3.25 von 5 Sternen bei 153 Bewertungen.

Deine Meinung:

Veröffentlicht am 07. Mär 2017 um 23:23 Uhr von ´Gerhard Dannemann
Nein, VroniPlag Wiki nennt nicht Autorennamen "bei einem bloßen (natürlich begründeten) Verdacht", sondern nur in qualitätsgesicherten Dokumentationen von ganz erheblichem wissenschaftlichen Fehlverhalten, wie in den 23 Fällen an der Medizinischen Fakultät in Münster. Und die Universität Münster hat durchgehend bestätigt, dass in diesen Fällen auch nach ihren Maßstäben wissenschaftliches Fehlverhalten vorliegt: 8 Doktograde wurden entzogeon, 14 Autor(inn)en gerügt. Der 23. war offenbar verstorben, und der Fall wurde deswegen nicht weiter geprüft. Es wäre schön, wenn die Universität Münster auch die zehn weiteren Fälle an der Medizinischen Fakultät untersucht hätte, die ebenfalls von VroniPlag Wiki dokumentiert, aber nicht mit Namen der Autoren veröffentlich wurden - zum Beispiel weil den Texten nicht entnommen werden kann, wer von wem abgeschrieben hat. Auch diese Fälle hatte ich der Universität zusammen mit den 23 anderen gemeldet. Hier könnte die Universität Münster zeigen, dass sie wissenschaftliches Fehlverhalten auch dann ernst nimmt, wenn VroniPlag Wiki nicht die Autoren mit Namen benennt.
Autorenbild
Veröffentlicht am 14. Mär 2017 um 12:34 Uhr von Frank Biermann
nach Auskunft des Pressesprechers des Verwaltungsgericht Münster Michael Labrenz ist inzwischen in erster Instanz ohne mündliche Verhandlung über die Klage eines Mediziners entschieden worden, der sich sich gegen den Titelentzug juristisch wehren wollte. Die Klage wurde abgewiesen, das Gericht ist also der Auffassung der Universität Münster gefolgt. Eine Berufung wurde nicht zugelassen. Gegen die Nichtzulassung der Berufung will der Kläger oder die Klägerin in die Revision gehen. Es könnte also noch zu einem längeren juristischen Nachspiel in dieser Angelegenheit kommen, wenn diese auch noch vor dem Oberverwaltungsgericht NRW in Münster weiterverhandelt wird!