Leben ohne Smartphone
Erinnerungen: Mach ein Foto, sonst ist es nie passiert | Foto: Unsplash/Duri from Mocup

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21. Jun 2016

UNICUM Onlineredaktion

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Leben ohne Smartphone - geht das überhaupt noch?

Die UNICUM Onlineredaktion hat Studenten der Uni Bochum befragt und den Selbsttest gewagt

Sind wir alle abhängig?

Ein Leben ohne Handy – geht das überhaupt noch? An der U-Bahn-Haltestelle, im Zug oder in der Stadt, überall haben die Leute ein Smartphone in der Hand. Vor allem diejenigen, die allein unterwegs sind. Wer einfach nur in der Gegend herumschaut oder ein Buch liest, ist fast schon eine Ausnahmeerscheinung. In Cafés sieht es ähnlich aus. Es gibt immer wieder Gruppen, die sich nicht einfach nur unterhalten, sondern andauernd auf ihre Handys starren. Die Kommunikation per Smartphone scheint oft wichtiger zu sein, als die reale Unterhaltung mit den Personen am Tisch. Aber sind all diese Leute schon abhängig und können nicht mehr ohne iPhone und Co. leben?

Gerade im Sommer sollte eine handyfreie Zeit doch kein Problem sein. Abschalten und den Kopf freikriegen ist im Urlaub angesagt. In der Sonne ist es teilweise sowieso schwierig, auf dem Display alles zu erkennen. Am Strand ist außerdem die Gefahr groß, dass Sand oder Wasser ins Handy kommen und einige Funktionen zerstören. Wieso also nicht gleich das Smartphone abschalten und einfach mal die Sonne und die freie Zeit genießen?

Die UNICUM Onlineredaktion hat den Selbsttest gewagt. Drei Tage lang haben wir komplett auf unsere Handys verzichtet. Damit auch wirklich keiner mogelt, wurden alle Smartphones eingesammelt und eingeschlossen.

UNICUM Online-Volontärin Heike (29):

"Ich lese während der Bahnfahrt. Ob meine Bahn Verspätung hat, erfahre ich meist erst am Bahngleis. Ich höre Nachrichten und vor allem den Wetterbericht im Radio. Meine E-Mails checke ich abends vorm heimischen Laptop. Auf eine Antwort muss man bei mir deshalb schon mal warten.

Man könnte mich also durchaus old-fashioned nennen. Ich finde es herrlich. Damit gehöre ich sicherlich zu einer kleinen Randgruppe der Verweigerer. Denn ich besitze zwar ein Smartphone, habe aber kein Internet. Keine Apps, kein Netz, gar nichts.

Die drei Tage ohne Handy waren für mich entspannt. Ich habe das Piepen und Vibrieren in meiner Handtasche nicht vermisst.

Nur einmal ist es mir übel aufgestoßen: Ich sollte einen Kostenvoranschlag für die Reparatur an meinem Auto erhalten. Der Werkstattleiter wollte sich dazu meine Handynummer aufschreiben. "Ich habe kein Handy." Schweigen in der Leitung. "Aber nur für die nächsten drei Tage." Wieder Schweigen. Also erklärte ich ihm unser Projekt, woraufhin er uns allen viel Glück wünschte. Er würde mir auf den AB sprechen. "Geht doch.", dachte ich, doch der Mechaniker hat nicht angerufen. Jetzt telefoniere ich ihm hinterher und warte auf Antwort."

UNICUM Online-Praktikantin Svenja (22):

"Momentan fahre ich täglich knapp drei Stunden mit der Bahn. Während der Fahrt höre ich mit meinem Handy Musik, schreibe via WhatsApp und vor allem kontrolliere ich in regelmäßigen Abständen die Zugfahrzeiten. Hat der Zug Verspätung, brauche ich mein Telefon, um irgendwen mit meinem vermeidlichen Problem zu belästigen. Aber auch, wenn er mal pünktlich kommt, ist es eine Nachricht wert.

In den drei Tagen ohne Handy hatte ich – zugegebenermaßen aus reiner Faulheit – keine Musik, die ich hören konnte. Und den Frust über die Bahn musste ich mir bis zu Hause aufsparen.

Woran ich allerdings bereits an Tag eins gescheitert bin und tatsächlich während meiner Wartezeit am Bahnhof ein Münztelefon betätigt habe. Übrigens: Keine leichte Aufgabe – bis mal das Geld im Schlitz war. Letztendlich wurden meine Nerven auch nicht befriedigt. Man muss in kurzer Zeit möglichst schnell sprechen und wird gleichzeitig vom hektisch blinkenden Sekundencountdown auf dem Display abgelenkt. Der fordert quasi zum Mitzählen auf, was höchstwahrscheinlich den Gesprächspartner auf der anderen Seite der Leitung nervt. In der letzten Sekunde kann man dann nur noch schnell ein "Tschö" in den Hörer rufen und das Gespräch ist beendet. Fazit: Eine Telefonzelle wird mein Smartphone niemals ersetzen!"

UNICUM Online-Volontärin Janina (25):

"Egal, wem ich vor dem Experiment davon erzählte, keiner konnte es so richtig glauben und nicht verstehen, wie ich drei Tage auf mein Smartphone verzichten kann. Schließlich habe ich mein Handy immer dabei und mache es nie aus! Wer mich nachts anruft und nicht nach einem Klingeln aufgibt, wird eine Antwort bekommen. Jeden Tag weckt es mich, dann gucke ich, ob über Nacht etwas Interessantes passiert ist, tausche mich per WhatsApp über wichtige oder auch weniger wichtige News aus, schaue, ob die Bahn zur Arbeit pünktlich kommt und wie das Wetter wird. Erstaunlicherweise ist die Bahn in den drei Tagen aber auch ohne vorherige Kontrolle immer gefahren.

Was bei mir ohne Smartphone aber nicht mehr funktioniert, sind Überweisungen, Mitfahrgelegenheiten buchen und auch mein Mitspracherecht für die Wochenendplanung war stark eingeschränkt, weil alles über eine WhatsApp-Gruppe läuft.

Auch wenn mein Leben nicht vom Handy abhängt, möchte ich definitiv nicht mehr darauf verzichten.

Allein schon, weil ich nicht mitbekommen würde, wenn in der Familie oder bei Freunden etwas passiert und ich mich unwohl fühle, wenn ich abends allein nach Hause gehe oder mit der Bahn fahren muss."

UNICUM Online-Redakteurin Barbara (30):

"'Was – gerade DU gibst dein Handy ab?' – Ein wenig verwundert war ich schon von den Reaktionen meiner Freunde, schließlich habe ich mich nie als großen Smartphone-Süchtling empfunden. Doch unser kleines Experiment hat mich dann relativ schnell auf den Boden der Tatsachen gebracht.

In den ersten Stunden der selbstauferlegten Abstinenz hatte ich z.B. immer wieder das Bedürfnis, nach dem kleinen Gerät zu greifen. Auch sonst habe ich mein Handy einfach (zu) perfekt in den Alltag integriert: Wozu brauche ich einen Wecker, einen MP3-Player, ein Navi, die Wettervorhersage, ein Telefonbuch, einen Kalender, ein Promi-Magazin und eine Spielekonsole, wenn ich das alles gebündelt auf meinem Smartphone finde?

Nachdem ich am ersten Morgen von meinem "Old School"-Wecker, den ich aus der letzten Ecke gekramt hatte, geweckt wurde, waren die Entzugserscheinungen aber verschwunden.

In der Bahn wurde mal wieder ein Buch gelesen, die Uhrzeit lässt sich immer irgendwie ausfindig machen und mit Freunden kann ich auch über andere Wege kommunizieren. Wahrscheinlich habe ich noch nie so viele Nachrichten über Facebook verschickt wie in diesen drei Tagen. Schließlich macht nicht das Smartphone an sich uns süchtig und ständig erreichbar, sondern das Internet. Daher werde ich demnächst mal ein internetfreies Wochenende einlegen ... ganz bestimmt." 

Umfrage an der Ruhr-Uni Bochum

Um uns die handyfreie Zeit ein bisschen zu verkürzen, haben wir uns auf den Weg zur Ruhr-Uni Bochum gemacht und wollten von den Studenten wissen: Habt ihr ein Smartphone? Wenn ja, was ist daran das Wichtigste für euch und könntet ihr noch darauf verzichten?

  • Katharina (23), Management & Economics: "In der Klausurphase habe ich mein iPhone drei Tage am Stück ausgemacht und das war kein Problem. Das hat immer zu sehr abgelenkt, gerade, wenn man keine Motivation hat. Dann guckt man mal eben bei Facebook, mal eben nach Emails und so. Am meisten hat es mir da abends gefehlt, wenn man eh nicht mehr gelernt hat und ich nicht mit Freunden schreiben konnte. Länger als drei Tage würde aber auf jeden Fall schwer werden für mich."
  • Sabrina (24), Management & Economics: "Ich könnte auf mein Smartphone verzichten, weil es eh nicht wirklich funktioniert. Es hängt sich immer auf und trennt die Internetverbindung. Das ist aber schon blöd, weil ich auch zuhause gar kein Internet oder Telefon habe. Aber ich komme damit klar, auch wenn die Kommunikation mit Freunden über Handy schon sehr wichtig ist für mich."
  • Kirsten (24), Anglistik & Komparatistik: "Ich habe kein Smartphone. Manchmal hätte ich gerne eins, wenn ich unterwegs bin und was lesen will. Aber eigentlich reicht mir das Tastenhandy zum telefonieren und Nachrichten schreiben."
  • Steffi (22), Archäologie & Kunstgeschichte: "Nö! Ich brauche es in erster Linie, um mit Freunden Kontakt zu halten und zu telefonieren. Es geht bei mir nicht unbedingt darum, dass es ein Smartphone ist oder nicht, sondern dass ich auch unterwegs erreichbar bin. Ein normales Handy wäre für mich auch okay, aber das Internet ist schon praktisch. Emails checken unterwegs, Facebook und auch einfach zur Beschäftigung teilweise."
  • Minella (23), Bio & Englisch auf Lehramt: "Nein, weil es so praktisch ist. Zum Beispiel, dass ich ständig im Internet sein kann, dass ich immer erreichbar bin und Fotos machen kann. WhatsApp möchte ich nicht mehr missen."
  • Chan (25), Development Management: "Ich würde mein Smartphone vermissen, weil ich darüber meine Freunde erreiche. Das ist sehr bequem für mich. Aber ich könnte sie genauso gut über Email oder Facebook kontaktieren, also ist es nicht so ein großes Problem und ich könnte ohne Smartphone leben."

Was ist eure Meinung? Könnt ihr noch auf euer Smartphone verzichten? Habt ihr vielleicht schon mal ein ähnliches Experiment gemacht? Kommentiert den Artikel und schreibt uns eure Erfahrungen!

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