Arbeitslos trotz Studium
Die Angst vieler Studenten: Endstation Arbeitslosigkeit | Foto: Thinkstock/cmfotoworks

UNICUM Jobtest

04.02.2016

Jobtest

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09. Jul 2014

Dominik Lenze

Berufseinstieg

Arbeitslos nach dem Studium

Was tun, wenn der Job auf sich warten lässt?

Keine Chance auf eine Festanstellung?

Ulrich Schröder gehört zu der Gruppe der gut ausgebildeten, aber arbeitslosen Uni-Absolventen: Er trägt einen Doktortitel in Skandinavistik, hat nebenbei Germanistik, Kunstgeschichte und Politikwissenschaft studiert, spricht mehrere Sprachen und kann seinen Lebenslauf außerdem mit politischem Engagement und Auslandserfahrung schmücken.

Trotzdem: Das große Geld, geschweige denn auch nur eine angemessen bezahlte Beschäftigung, lassen auf sich warten. Und das seit mehr als zehn Jahren: "Eine Zeit lang hatte ich sieben verschiedenen Jobs auf Honorarbasis und trotzdem blieb ich unter der Steuergrenze für Ledige", sagt der inzwischen 45-jährige.

Konkret bedeutet das: Er lebte nur knapp über dem amtlich festgelegten Existenzminimum. In die Rentenkasse konnte er noch nie einzahlen, selbst mit der Krankenversicherung wird's knapp. Schröder meint: "Bis 65 mag das vielleicht so weitergehen können, aber dann ...".

Vom Studenten zum Taxifahrer

Arbeitslos trotz StudienabschlussNun gut, Ulrich Schröder ist nicht arbeitslos und muss auch nicht von Hartz IV leben. Glücklicherweise trifft dieses Schicksal nur die wenigstens Studienabsolventen: "Was wir sicher wissen: Ein Jahr nach dem Abschluss waren noch 4 Prozent der Absolventen mit einem Uni- oder FH-Abschluss arbeitslos", sagt Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk.

Er beruft sich dabei auf Studien des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung. Der Anteil arbeitsloser Akademiker sei also sehr gering. "Positiv formuliert: Ein Hochschulstudium ist die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit. Das Klischee vom taxifahrenden Geisteswissenschaftler ist eben ein Klischee und bildet nicht die Wirklichkeit ab", bekräftigt Grob. Allein: Ob die Beschäftigung nach der Uni auch adäquat zum Studium ist, darüber gibt es weniger verlässliche Daten.

Altersgrenzen und Budgetkürzungen

Es gibt wenige Daten zu Akademikern in sogenannter "prekärer Beschäftigung". Das bedeutet: Unangemessen niedrige Löhne, nur befristete Einstellung – Ulrich Schröder fällt gewiss in diese Kategorie, trotz hoher Qualifikation.

Jedoch trat Schröder erst relativ spät ins Arbeitsleben ein: "Und viele Arbeitgeber halten an unsinnigen Altersgrenzen fest", findet er. Unsinnig deshalb, weil die Entscheidung zu einer unter Umständen langwierigen Promotion so zu einem Minuspunkt bei der Jobsuche wird. "Aber eine Doktorarbeit darf doch kein Hindernis sein", sagt Schröder.

Dazu kommt: An der Uni, eigentlich das Arbeitsfeld schlechthin für viele Akademiker, wurde in den letzten Jahren massiv gekürzt. So wurde an der Ruhr-Universität Bochum auch die Skandinavisitik komplett geschlossen, was beileibe kein Einzelfall ist – ein Rückschlag für Schröders Berufsplanung. "Dabei dachte ich damals nach dem Zivi noch, mein Studiengang wäre zukunftsfähig", erinnert er sich.


Nicht den Kopf hängen lassen!

Melitta SauerMuss man solche Entwicklungen vorhersehen können? Am besten vor der Studienwahl erst eine Arbeitsmarktanalyse durchführen? Nein, meint Melitta Sauer vom Netzwerk erwerbssuchender Akademiker (*nea) aus München: "Die Wirtschaftslage lässt sich nicht vorhersagen. Studiert also, was euch interessiert", rät sie. Denn nur in Fächern, die einen selber begeistern, kann man es auch zu etwas bringen.

*nea bietet eine Plattform für Akademiker auf Jobsuche – laut Melitta Sauer tummeln sich dort, abgesehen von Medizinern, auch Absolventen aus allen möglichen Fachrichtungen. Betroffenen rät die studierte Psychologin, sich mit anderen zu vernetzen und, vor allen Dingen, nicht den Kopf hängen zu lassen: "Es ist nicht das eigene Versagen, das muss man sich vor Augen führen", sagt sie: Viel hänge von der Wirtschaft ab, auf die der Einzelne keinen Einfluss hat.

Vitamin B ist Gold wert

Ilona Mirtschin, Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit, sieht hingegen Schwerpunkte bei den "Problemkindern" auf dem Arbeitsmarkt: "Es sind eher die Geisteswissenschaften, und für Absolventen exotischer Studiengänge sind adäquate Jobs schwerer zu finden", sagt sie.

Sie rät: "Auch mal links und rechts vom eigenen Studienfach schauen." Und: "Lassen Sie sich von einem lokalen Hochschulteam der Arbeitsagentur beraten." Die Beamten seien zur Beratung verpflichtet, und man muss nicht arbeitslos sein, um diese Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auch Praktika seien hilfreich, auch um Kontakte zu knüpfen – Vitamin B ist nämlich Gold wert für Geisteswissenschaftler auf Jobsuche.

Durch das Raster gefallen?

Ulrich Schröder hat durchaus alles versucht – und ist trotzdem durch alle Raster gefallen. Inzwischen denkt er ans Auswandern, Spanien würde ihm gefallen: "Da spar ich mir im Winter das Heizen und bin nicht pflichtkrankenversichert", merkt er zynisch an.

Seine Studienwahl und auch seine Promotion bereut er aber bis heute nicht. Immerhin konnte er seinem Interesse für skandinavische Sprachen und Literatur nachgehen, sich wissenschaftlich damit auseinandersetzen und seinen kulturellen Horizont erweitern. Ob das die Wirtschaft interessiert, das steht leider auf einem anderen Blatt.

Hoffnungsvolle Zahlen für Akademiker

Doch auch wenn Einzelschicksale wie das von Ulrich Schröder nachdenklich stimmen: Von einem interessegeleiteten, unbeschwerten Studium sollte das niemanden abhalten. Laut Bundesagentur für Arbeit haben innerhalb von fünf Monaten zwei von drei jüngeren AkademikerInnen ihre Arbeitslosigkeit wieder beendet, und das durchschnittliche Einstiegsgehalt von Universitätsabsolventinnen lag bei den 2009er-Absolventen bei 36.750 Euro jährlich. Verhungern muss nach dem Studium niemand. Eine Komplettgarantie für ein sorgenfreies Leben kann der Arbeitsmarkt aber auch nicht versprechen.


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