Überforderung im Job
"Om" statt "OMG" lautet die Devise der Generation Y | Fotos: Thinkstock/fizkes
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11. Okt 2017

Sonja Dietz

Berufseinstieg

Überforderung im Job? Nicht mit uns!

Kampfansage der Generation Y

Karriere ist was für die Generation X

Teilzeit, Sabbatjahr, flexible Arbeitszeiten, Home-Office. Für junge Arbeitnehmer von Mitte 20 bis Anfang 30 rücken diese Angebote bei der Wahl des Arbeitgebers immer stärker ins Zentrum. Weniger wichtig ist dagegen die Karriere um jeden Preis. In diesem Punkt unterscheiden sich die Ypsiloner von der älteren Generation X und den Babyboomern.

Her mit der Flexibilität!

Die Studie "Recruiting Trends" der Universität Bamberg belegt das. Sie belegt auch, dass viele Unternehmen erkannt haben, neue Angebote schaffen zu müssen. Allerdings agieren einige an den Bedürfnissen ihrer Arbeitnehmer vorbei. Als besonders wichtig wird von jüngeren Arbeitnehmern etwa die Flexibilisierung von Arbeitsort und -zeit empfunden. Darauf haben die meisten Unternehmen auch bereits reagiert. Immerhin!

Wer braucht schon Sportangebote?

Auseinander gehen die Meinungen indes bei Sportangeboten, die von dem meisten Firmen propagiert werden, während nur die Hälfte der Arbeitnehmer Wert darauf legt. Außerdem bieten Unternehmen häufig Sabbaticals oder After-Work-Events an. Dabei wären in den Augen ihrer Angestellten Betriebskindergärten wichtiger.

Work-Life-Balance gleich Bequemlichkeit?

Das Thema Work-Life-Balance ist offenbar Neuland für Unternehmen. Vielen fällt es schwer, sich auf junge Mitarbeiter einzustellen. Möglicherweise auch deshalb, weil jüngeren Arbeitnehmern das Beharren auf eine ausgewogene Work-Life-Balance gerne als Bequemlichkeit ausgelegt wird. Das ist so aber nicht richtig. Die Fokussierung auf das Thema hat einen ernsten Hintergrund. Die Generation Y will dem entgegenwirken, was ihr ansonsten unvermeidlich ins Haus steht: Die totale Überforderung im Job.

Stress im Job: 60 Prozent der Berufseinsteiger leiden darunter

Tatsächlich fühlen sich viele Berufseinsteiger laut einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) kurz nach dem Jobeintritt überfordert. Der Grund: Das zunehmende Tempo in der Arbeitswelt. Der Treiber: Die Digitalisierung.

60 Prozent berichten von gestiegenem Zeitdruck und 69 Prozent von ständigen Unterbrechungen und Störungen. Fast jeder Zweite fühlt sich der digitalen Technik einfach nur noch ausgeliefert. Die Folge: Einschlafschwierigkeiten, Kopf- und Rückenschmerzen und ein Gefühl des Ausgebrannt-Seins.

Braucht es eine Anti-Stress-Verordnung?

"Durch die Digitalisierung können sich Risiken für psychische Erkrankungen weiter verstärken", konstatiert auch die Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Andrea Nahles. Annelie Buntenbach sieht das genauso: "In der digitalen Arbeitswelt verstärken sich Arbeitshetze und -intensität – in allen Branchen", sagt das Mitglied des geschäftsführenden Vorstands des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). "Wir halten deshalb eine Anti-Stress-Verordnung nach wie vor für notwendig."

Abschalten – aber richtig!

Ob diese je kommt? Auf jeden Fall sollten Berufseinsteiger bis dahin selbst ein Augenmerk darauf legen, nicht auszubrennen, bevor das Berufsleben losgegangen ist. Zum Beispiel, indem sie Pausen bewusst einlegen und sich dann nicht mit dem Smartphone beschäftigen und berufliche E-Mails lesen. Pause machen heißt: Abschalten. Ein anderer Tipp: Dank Smartphone sind viele Menschen auch nach der Arbeit erreichbar. Doch wer das Gerät mit ins Bett nimmt und Mails checkt, tut sich keinen Gefallen. Allein die Lektüre der Nachrichten wühlt den Stress des Tages wieder auf.

4 von 10 Bewerbern ziehen die Reißleine

Hilft das nicht, gibt es eine noch wirkungsvollere Methode abzuschalten: Reißleine ziehen. Das passiert immer häufiger. Laut dem Forscherteam aus Bamberg lehnen im Schnitt vier von zehn Kandidaten ein Job-Angebot schon mal ab, wenn sich die Bedingungen als anders herausstellen, als sie versprochen wurden. Leisten können sie sich das allemal. Sie haben schließlich die bessere Ausgangslage auf dem Arbeitsmarkt. Diesen Trumpf haben sie im Ärmel.

 

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