Blackout in der Stadt
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15. Aug 2016

Bücher

Blackout: Wissenschafts-Thriller im Wahrheits-Check

-ARCHIV-

So realistisch ist Marc Elsbergs Bestseller

Nach sieben Tagen droht der Zusammenbruch

Nicht auszudenken, welche Folgen ein kompletter Blackout hätte. Der Wiener Autor Marc Elsberg liefert dazu in seinem aktuellen Roman eine klare Antwort. In "Blackout" steht die Welt bereits nach sieben Tagen ohne Strom vor dem Zusammenbruch. Am Anfang sind die Folgen noch überschaubar. In Mailand fallen die Ampeln aus und sorgen für ein Verkehrschaos, in Paris stecken die Menschen in Fahrstühlen fest und in Deutschland brüllen die Kühe schmerzerfüllt, weil die Melkmaschinen die Milch nicht mehr abpumpen können.

Nach und nach wird die Situation immer dramatischer, in den Atomkraftwerken droht nach dem Ausfall der Kühlanlage der Super-Gau und Krankenhäuser müssen schließen. Am Ende wird die letzte Nahrung mit Waffengewalt verteidigt und in Spanien sogar die Regierung gestürzt. Schuld an dem Zusammenbruch der Netze in den USA und Europa sind in dem Roman eine Gruppe von Terroristen und ein Computer-Virus, der intelligente Stromzähler befällt. Die werden demnächst übrigens tatsächlich in unseren Haushalten benutzt, um den Energieverbrauch und die entsprechenden Kosten zeitnah darzustellen.

"Das europäische Stromnetz ist sehr stabil"

Detlef Schulz, Leiter des Fachgebiets Elektrische Energiesysteme an der Helmut Schmidt Universität der Bundeswehr hat das Buch "Blackout" gelesen und kennt seinen Wahrheitsgehalt. "Der Zusammenbruch des europäischen Stromnetzes ist sehr unwahrscheinlich, da unser System sehr stabil ist", erklärt er. Das Stromnetz ist nach dem N-1-Prinzip gesichert, das heißt, auch wenn eine wichtige Leitung oder ein ganzes Kraftwerk ausfällt, bleibt das Netz vollständig bestehen und die Versorgungssicherheit ist trotzdem gewährleistet.

"Blackouts sind außerdem eher lokale Probleme. Zum Beispiel fällt am einem Vormittag in München der Strom aus und nicht im gesamten Bundesgebiet", so Schulz weiter. In solchen Fällen gibt es schnelle Versorgung aus der Umgebung und größere Schäden für die Wirtschaft können vermieden werden.

Ein anderer Teil des Thrillers, der immerhin zum Wissensbuch des Jahres 2012 gekürt wurde, ist dagegen aus Sicht des Experten durchaus realistisch. "Die Auswirkungen, die ein solcher Blackout auf unser Leben hätte, sind treffend dargestellt. Durch die gezielte Manipulation von unsicheren Smart Metern ließe sich ein großer Schaden verursachen. Ohne Strom sind wir im Alltag hilflos."

Fiktion mit einem gewissen Grad Realismus

Selbst eine vom Bundestag in Auftrag gegebene Studie kommt zu dem Schluss, dass bei einem Blackout ein Kollaps der gesamten Gesellschaft kaum zu verhindern sei. Neben dieser Studie hat Autor Marc Elsberg für sein Buch mit zahlreichen Energie-Experten gesprochen. "Natürlich ist mein Roman in erster Linie Fiktion, aber während der Recherchen wurde mir immer wieder ein gewisser Grad an Realismus für das Szenario bestätigt", erklärt er.

So wundert es auch kaum, dass er inzwischen zu einem viel gebuchten Redner in der Energiebranche geworden ist. "Die Vernetzung der globalen Welt nimmt immer mehr zu und damit auch die Abhängigkeit von Technik. Diese Erkenntnis war für mich auch die Grundlage des Buches", so der Autor.

Genau diese Mischung aus einer leicht überdrehten Endzeitstimmung und einem großen Fünkchen Wahrheit macht "Blackout" zu einem packenden Science-Thriller, einem Genre, das eigentlich eher im angloamerikanischen Sprachraum zuhause ist.

Karriere unter Strom

Sonne, Wind, Biogas und vielleicht noch die Wärme aus den Tiefen der Erde - Sie sind die Energiequellen der Zukunft und sollen in einigen Jahrzehnten die Versorgungssicherheit und Stabilität der Netze garantieren. "Die Energiewende ist eine historische Chance. Deutschland ist das erste Land in Europa, das sie umsetzt und kann damit auch die Position als Technologieexporteur weiter ausbauen", sagt Martin Kaltschmitt, Leiter des Instituts für Umwelttechnik und Energiewirtschaft der Technischen Universität Hamburg-Harburg.

"Die Jobaussichten für junge Absolventen mit entsprechenden Studienschwerpunkten sind exzellent", weiß Kaltschmitt. Grund dafür sind auch die großen Herausforderungen der Energiewende. Besonders gefragt sind neben den klassischen Ingenieurberufen auch IT-Experten, gerade im Hinblick auf Smart Grids, also Netzen, die selber mitdenken.

Zum Buch

 

"BLACKOUT – Morgen ist es zu spät" von Marc Elsberg erschien 2012 bei Blanvalet. Mittlerweile ist das "Wissenschaftsbuch 2012" auch als Taschenbuch erhältlich.

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