Blair Witch Film
Ab dem 09. Februar auf DVD, Blu-ray und Digital: Blair Witch | Foto: STUDIOCANAL
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06. Feb 2017

Stefan Schröter

Filme

Blair Witch

Das Sequel zu "The Blair Witch Project"

Alleine im Wald

Das Positive vorweg: "Blair Witch" hat nichts mit der grauenvollen Fortsetzung von 2000 zu tun, die mehr Teenie-Slasher als Horrorfilm war. Stattdessen setzt der Film den ersten Teil fort und begleitet James, dessen Schwester vor 15 Jahren im Black Hills Forest auf der Suche nach der Blair Witch verschwand. Ihr Verschwinden wird im Original "Blair Witch Project" von 1999 dokumentiert. James stößt online auf neues Bildmaterial, das anscheinend seine verschwundene Schwester in einem verlassenen Haus zeigt. In der Hoffnung Heather lebend wiederzufinden, macht er sich mit der Filmstudentin Lisa, die auf neues Filmmaterial für ihre Abschlussarbeit hofft, seinem Freund Peter und dessen Freundin Ashley auf den Weg in die Wälder von Maryland.

In Burkittsville angekommen, schließen sich James und seiner Gruppe noch Lane und Talia an. Beide sind in der Nähe der Wälder großgeworden, dementsprechend Fans des Mysteriums um die Blair Witch und Entdecker des Bildmaterials, auf dem Heather zu sehen sein soll. Wer jetzt hofft, dass die Legende um die Hexe des Black Hills Forest mit ein bisschen mehr Unterbau versorgt wird, wird enttäuscht. Mit modernster Ausrüstung, wie GPS-Geräten, Headcams und einer Drone macht sich die Gruppe auf den Weg in den Wald um das mysteriöse Haus und James Schwester Heather zu finden.

Alles so wie früher?

Blair Witch Project ist 1999 etwas gelungen, was viele Filme heute gerne hätten: Das virale Marketing um den Film hat die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verwischt und viele Zuschauer haben sich gefragt, ob die Ereignisse im Black Hills Forest wirklich passiert sind. Das lag unter anderem an der damals noch neuen Erzählweise über (vermeintlich) echte "Found Footage"-Aufnahmen. Ein Trend, den nicht nur "Paranormal Activity", "REC" und Konsorten mittlerweile bis zur Erschöpfung ausgenutzt haben.

Auch der neue Blair Witch versucht sich daran – leider mit mäßigem Erfolg. Einerseits hat Regisseur Adam Wingard durch moderne Technik wie Drohnen und Headcams mehr Möglichkeiten mit dem Material der Gruppe zu arbeiten (keine wackeligen Camcorder-Aufnahmen mehr!). Allerdings sind dadurch die Übergänge zwischen einzelnen Szenen so sauber, dass die Illusion eines Amateurfilms schnell verfliegt. Doch im Grunde genommen möchte Blair Witch auch nicht den langsamen Spannungsbogen des Vorgängers übernehmen – die Illusion hat mir leider schon der Trailer genommen –, sondern versucht den Zuschauer durch immer gleiche Jump Scares aus dem Kinosessel zu reißen.

Der Trip in die Wildnis wird durch moderne Technik wie GPS-Geräte interessanter. Dadurch ist die Gruppe um James und Lisa weit weniger anfällig dafür, sich im Wald zu verlaufen. Hatten Heather und Co. im ersten Teil möglicherweise einfach schlechte Orientierungsskills, muss sich die Blair Witch hier deutlich mehr einfallen lassen, um die Gruppe in die Irre zu führen. Leider führen die neuen Kräfte den gesamten Film noch weiter ad absurdum, denn abgesehen von Monstern, holzigen Infektionen und leeren Batterien werfen die Screenwriter noch Zeitmanipulation in den Mix. Heraus kommt nicht nur eine Katz-und-Maus-Jagd ohne klare Regeln zwischen der Gruppe und der Blair Witch, sondern auch eine der größten Schwächen des Streifens.

Gefühlte 90 Prozent des Films bestehen aus wackeligen Nachtaufnahmen, in denen James oder Lisa im Licht einer Taschenlampe durch den dunklen Wald rennen. Schlecht für Menschen mit Motion Sickness, schlecht auch für Zuschauer, die einen guten Horrorfilm suchen, Stimmung kommt dabei nicht wirklich auf. Hinzu kommt leider noch die klischeebeladene Truppe um James, die ziemlich unausstehlich ist. Zwar ist James einigermaßen sympathisch, seine Freunde Peter und Ashley bleiben allerdings flaches Beiwerk. Da Lane und Talia für einen guten Teil des Films mit Abwesenheit glänzen, ist es an James und Lisa die Geschichte zu tragen. Das gelingt eher schlecht als recht, vor allem, da die Charakterisierung der Figuren damit endet, dass sie sich auf den Weg in den Wald machen um Heather zu suchen.

Immerhin gelingt es dem Film sich im letzten Drittel noch ein wenig zu fangen und seine Werkzeuge, wie zum Beispiel die portablen Headcams, für einige bedrückende Szenen zu nutzen. Zwar wird die Geschichte zunehmend chaotisch, Regisseur Adam Wingard schafft es im Finale jedoch, einige beklemmende Situation einzubringen, die den Spannungsbogen gut anziehen lassen. Leider macht der Weg dahin wenig Spaß und glänzt weder mit guten Schockmomenten, noch mit einer guten Geschichte.

Blair Witch Fortsetzung

Fazit zu Blair Witch

"Blair Witch" ist das perfekte Beispiel, warum es keine gute Idee ist, mit Gewalt eine Fortsetzung an einen erfolgreichen Film zu tackern. Es ist zwar löblich, dass man sich von der Fortsetzung von 2000 verabschiedet hat und stattdessen versucht, zu alten Tugenden zurückzukehren, allerdings legen sich die Macher dabei selbst Steine in den Weg – zum Beispiel die moderne Technik.

"Blair Witch Project" glänzte vor allem dadurch, dass der Zuschauer sich nie sicher sein konnte, ob in den Wäldern um Burkittsville wirklich etwas Böses auf die Gruppe um Heather lauert oder ob die drei Studenten einfach die Orientierung verloren haben und die Technik Probleme macht. So baut sich der Film selbst eine Falle, aus der er nur mit absurden Erzählsträngen wieder herauskommt, die das mysteriöse Böse zu einer fast allmächtigen, aber gleichzeitig nicht fassbaren Bedrohung werden lassen.

Dazu kommt in diesem Fall tatsächlich ein unsympathischer Cast, langweilige Jump Scares und zu hohe Sorgfalt bei der Produktion, wodurch der Film nicht mehr annähernd wie Found Footage wirkt. Übrig bleibt ein typischer Kinoschocker, der leider nur noch wenig mit dem Original "Blair Witch Project" zu tun hat und hoffentlich keine weiteren Fortsetzungen nach sich zieht.


UNICUM DVD-Tipp

Blair Witch DVDBlair Witch

Horror, USA 2016

Regie: Adam Wingard

Darsteller u. a.:  James Allen McCune, Brandon Scott, Callie Hernandez, Valorie Curry

Verleih:  STUDIOCANAL

VÖ:  9. Februar 2017

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