Die Mumie Remake
Die Mumie: Sofia Boutella spielt die Prinzessin Ahmanet | Foto: Universal Pictures
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08. Jun 2017

Hannah Essing

Filme

Die Mumie

Der Einstieg ins "Dark Universe"

"Das ist kein Grab, das ist ein Gefängnis"

Während Nick Morton (Tom Cruise) und sein Freund Chris Vail (Jake Johnson) vorgeben, zum Militär zu gehören, ist ihr eigentliches Ziel, im Irak nach altertümlichen Schätzen zu suchen und damit Geld zu machen – dafür riskiert Nick gerne auch sein Leben, nachdem nach einer Schießerei ein komplettes Dorf einstürzt und eine alte Grabkammer freigibt. Die Karte zu dem Dorf gehörte ehemals der Archäologin Jenny Halsey (Annabelle Wallis) und wurde ihr, wie der Zuschauer erfährt, nach einer leidenschaftlichen Nacht von Nick entwendet. 

Das Grabmal gehört der Prinzessin Ahmanet (Sofia Boutella), die einst Thronfolgerin war, dann jedoch ersetzt werden sollte, als ihrem Vater ein Sohn geboren wurde. Zerfressen von Enttäuschung, Wut und Ambitionen beschwört Ahmanet den Todesgott Set, was nicht nur dazu führt, dass ihr Körper um einiges CGI-lastiger wird, sondern auch dazu, dass sie ihren Vater und Bruder umbringt und weit weg von Ägypten lebendig begraben wird.

In der Gegenwart stört es Draufgänger Nick wenig, dass das Grab mit unzähligen Maßnahmen gesichert ist – Jenny stellt sogar fest: "Das ist kein Grab, das ist ein Gefängnis" – und befreit kurzerhand die Mumie. Was nicht gut für ihn ausgeht, da er nun Ahmanets "Auserwählter" ist, mit dem sie den Todesgott Set zurück in die Welt bringen möchte. Einen Flugzeugabsturz, viele Tote, schwimmende Zombies und eine Geheimorganisation später wird sogar Nick klar, dass das alles andere als eine gute Idee war.



Nicht die hellste Kerze auf der Torte

Denn Tom Cruises Rolle zeigt immer wieder, dass Intelligenz nicht zu seinen Stärken gehört. Auch wenn man dem Charakter abkaufen soll, ein skrupelloser Dieb mit einer Vorliebe für die junge Archäologin Jenny zu sein, bleibt sein Portrait doch eher flach. Und nach etlichen Jahren als Grabräuber sollte sogar Tom Cruise wissen, dass ein Sarkophag keine "Kiste" und Hieroglyphen nicht einfach nur "Zeichen" sind. Das sorgt nicht nur für ein Augenrollen bei Jenny, sondern auch beim Zuschauer. Generell ist "Die Mumie" bemüht, ihre "Der Exorzist"-ähnlichen Momente durch Humor aufzulockern, das gelingt aber nur bedingt. So wirkt Nicks bester Freund Chris eher so, als hätte niemand Jake Johnson gesagt, dass er nicht in einer Sonderfolge von "New Girl" ist, sondern in einem Actionfilm. Es ist nicht klar, wie seine Rolle als flapsiger Kommentator wirken soll, passend ist sie jedenfalls nicht.

Annabelle Wallis als junge, erfolgreiche Archäologin, die an eine Prinzessin glaubt, die aus den Geschichtsbüchern gestrichen wurde, überzeugt um einiges mehr. Zwar ist bis zum Ende des Films nicht klar, warum um alles in der Welt sie auch nur einen Hauch von Interesse an Nick haben sollte, aber ihr ausdrucksstarkes Gesicht überzeugt in den meisten Szenen. Selbst in denen, in denen sie ängstlich um Hilfe schreit. Diese Reaktion kann ihr anhand des Anblicks einer halb-verrotteten Mumie niemand verübeln. Auch wenn man sich als Zuschauer mehr Tiefe für die Rolle gewünscht hätte, oder zumindest mehr Chancen für die junge Archäologin, zu beweisen, wie kompetent sie ist. Und zwar nicht nur, indem sie eine Brille aufsetzt, wenn sie arbeitet. Die Konstellation der 32-jährigen Schauspielerin als Love Interest für den 54-jährigen Tom Cruise zeigt allerdings ein altbekanntes Problem in Hollywood auf – Frauen mittleren Alters werden selten als potentielle Liebhaber für gleichaltrige Männer gecastet. 


Annabelle Wallis in Die Mumie


Dazu kommt, dass Tom Cruise als verwegener Dieb durchgehen soll, aber dabei viel von seiner Sympathie einbüßt. Dabei ist es nicht unmöglich, auch Kriminelle als Sympathieträger in Filmen auftreten zu lassen, wie ganze Franchises wie "Ocean's 11" eindeutig bewiesen haben. Vielleicht fehlt auch Tom Cruise die schauspielerische Bandbreite – sein bewegungsloses Gesicht kann vielleicht sympathisch sein, wenn er einen Geheimagenten spielt, wenn er allerdings sein Love Interest alleine mit Zombie-Mumien zurücklassen will, hält sich die Sympathie in Grenzen. Da fehlt ihm eindeutig der Charme seines Vorhängers Brendan Fraser, der 1999 augenzwinkernd Mumien bekämpft hat und auch noch das Mädchen bekommen hat – was man dem liebenswerten Protagonisten gegönnt hat. Natürlich steckt auch in Nick etwas Gutes, betont Jenny zumindest wiederholt, und er darf eine Charakterentwicklung mitmachen. Eine kleine.

Der Film punktet mit spannenden Actionszenen und auch visuell ist der starke Kontrast zwischen den bunten Rückblenden ins alte Ägypten und dem grauen London der Gegenwart beachtlich. Den Film in 3D zu sehen ist deshalb zwar reizvoll, aber die Effekte, die darauf ausgelegt sind, halten sich in Grenzen. Zwar gibt es einige Jump Scares, aber zu viele Schock- oder Überraschungsmomente hält der Film nicht bereit. Der Plot erinnert vage an "Das Vermächtnis der Tempelritter", wenn auch mit deutlich mehr Special Effects.

Fazit zu "Die Mumie"

"Die Mumie" ist der erste Teil der Dark-Universe-Reihe von Universal, in der die Geheimorganisation "Progidium" das Böse in der Welt im Zaum halten will. Nicht nur die Mumie, sondern auch andere berühmte Monster wie Frankensteins Monster, das Phantom der Oper, The Invisible Man und der Wolfsmensch sollen ihre eigenen Filme bekommen. Der gemeinsame Nenner ist Progidium und dessen Leiter Dr. Jekyll (Russel Crowe), der auch in "Die Mumie" schon eine wichtige Rolle spielt. "Willkommen in einer neuen Welt der Götter und Monster," meint Dr. Jekyll und macht damit sehr deutlich, dass wir es mit einer neuen Filmreihe zu tun haben.

Der philosophische Standpunkt, den der Film berührt – der Tod ist nur eine Schwelle zu dem, was danach folgt – ist mehr ein Aufhänger für Todesgötter, Wiederbelebungen und Mumien-Zombies, doch das Ende des Films lässt darauf schließen, dass in weiteren Installationen der Dark-Universe-Reihe mehr darauf eingegangen werden kann. Alles in allem ist "Die Mumie" ein actiongeladener, unterhaltsamer Film, der gut daran getan hätte, einigen seiner Charaktere mehr Screentime zu verschaffen – vor allem Annabelle Wallis als Jenny –, mit dem Remake von 1999 allerdings nichts zu tun hat. Was schade ist, weil eine Portion Charme dem Film alles andere als geschadet hätte. Weshalb der Film letzendlich nur "ganz gut" ist und für einen Kinoabend mit Popcorn unterhaltsames Programm liefert. Aber leider nicht mehr.


UNICUM Film-Tipp:

Die Mumie FilmplakatDie Mumie

Fantasy/Action, USA 2017

Regie: Alex Kurtzman

Darsteller u.a.: Tom Cruise, Annabelle Wallis, Sofia Boutella, Jake Johnson, Russell Crowe

Verleih: Universal Pictures International Germany

Kinostart: 08. Juni 2017

Mehr Infos unter www.facebook.com/Die.Mumie.DE oder unter www.diemumie-film.de

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