Blade Runner 2049 Pressekonferenz
Denis Villeneuve und der Cast stellen "Blade Runner 2049" in Berlin vor | Foto: David Streit
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05. Okt 2017

David Streit

Filme

Film-News: Wie bewirbt man einen Film, ohne über ihn zu reden?

FILMICUM in der KW 39/40 im Überblick:

Neu im Kino

"Es" (Start: 28. September 2017)
"Cars 3: Evolution" (Start: 28. September 2017)

Thema der Woche

Über den falschen Weg ein Sequel zum 35 Jahre alten "Blade Runner" zu bewerben

Streaming-Perle

"2 Tage Paris" (Dauerhaft verfügbar in der Watchbox-Mediathek)

Fan-Made

80er-Jahre-Trailer zu "Thor 3: Tag der Einscheidung" (Start: 31. Oktober 2017)

Darauf freuen wir uns

"The Disaster Artist" (Ohne Starttermin)


Neu im Kino

"Es" (Start: 28. September 2017) – Wir haben es immer gewusst: Mit Clowns stimmt etwas nicht. Und Stephen King hat es in seinem Roman "Es" wirklich auf den Punkt gebracht. Denn darin lässt der sadistische Clown Pennywise alle 27 Jahre Kinder aus einer amerikanischen Kleinstadt verschwinden. Er macht sich die schlimmsten Alpträume seiner jungen Opfer zu eigen, um sie buchstäblich zu Tode zu schocken. Doch eine Gruppe von sieben Kindern stellt sich ihm mutig entgegen.

Die Truppe bezeichnet sich selbst als "Club der Verlierer" (mit dabei: Finn Wolfhard aus "Stranger Things"). Dabei sind sie die Einzigen, die der Kreatur wirklich die Stirn bieten können. Neben den Horrorelementen besticht der Film vor allem dann, wenn er sich den ganz alltäglichen Problemen der jungen Protagonisten widmet. Denn das Erwachsenwerden ist auch ohne Mord und Totschlag schon anstrengend genug. "Es" ist eine genauso gruselige wie gefühlvolle Coming-of-Age-Geschichte, die einen garantiert nicht mehr gedankenlos an Kanalisationsluken vorbei laufen lässt.


"Cars 3: Evolution" (Start: 28. September 2017) – Wer hätte gedacht, dass uns Rennauto Lightning McQueen noch einmal überraschen kann? Nach einem skurrilen Around-the-World-Agentenausflug im zweiten Teil beweist die Cars-Reihe, dass sie doch noch etwas Gespür für das Zeitgeschehen übrig hat. Denn jetzt setzt man sich mit der Frage auseinander, wann die neuen Modelle die alten Klassiker ablösen. Ganz so, wie nach jeder neuen iPhone-Präsentation. Lightning muss sich dringend einer Auffrischungskur unterziehen, um jetzt noch im Rennzirkus mithalten zu können.

Das Training findet in Virtual-Reality-Simulatoren statt und die Asphaltstrecke weicht dem Laufband. Doch sieht so wirklich die Zukunft aus? "Cars 3" singt kein Loblied auf die neue Technologie, sondern kontert mit etwas, das man nicht durch Hightech aufwiegen kann: Talent. Und diese Moral lässt einen wirklich gut fühlen. Denn am Ende gewinnt so ein Rennen eben nicht immer der Schnellste, sondern oftmals einfach der beste Fahrer.


Thema der Woche

In der letzten Woche habe ich die Pressekonferenz zu "Blade Runner 2049" (Start: 05. Oktober 2017) in Berlin besucht. Dort saßen Regisseur Denis Villeneuve und Hauptdarsteller Ryan Gosling nur zwei Meter von mir entfernt. Beide sind großartige Filmschaffende und ich liebe ihre Werke! Doch inhaltlich hätte man sich diese Veranstaltung wirklich sparen können. Über den neuen Film wurde aus Gründen der Verschwiegenheit nichts erzählt. Und eine Vorabvorführung gab es auch nicht, da der Film "noch nicht fertig" sei. Beide Tatsachen sorgten im gesamten Saal für großen Unmut. Warum waren wir noch einmal hier?

Die 100 geladenen Journalisten haben demzufolge nicht sonderlich viel zur Veranstaltung beizutragen gehabt. Mit Fragen nach den Sets, Requisiten und gewissen Nostalgie-Gefühlen verging die halbe Stunde trotzdem wie im Fluge. Nur eines weiß ich noch immer nicht: Warum sollte ich den Film sehen? Villeneuve stellte klar, dass man im Marketing darauf achte dem Kinobesucher keine Überraschrungen vorweg zu nehmen. Den Ansatz finde ich gut und unterstützenswert. Doch führt das auf einer Pressekonferenz dann dazu, dass man sich vor allem in Floskeln verständigt.


Harrison Ford fand es toll nach 35 Jahren wieder in die Welt von "Blade Runner" zurückzukehren. Und Neuzugang Ana de Armas konnte es gar nicht fassen mit so vielen ihrer Idole zusammenarbeiten zu können. Das sind nun wirklich keine News! Auf den Circus-HalliGalli-Doppelgänger-Coup angesprochen, konnte Ryan Gosling nur müde mit den Schultern zucken: Davon habe er nichts mitbekommen. Gähn!

Dabei bieten Science-Fiction-Filme doch nun wirklich die beste Ausgangssituationen, um zum Träumen und Reflektieren einer (wünschenswerten)  Zukunft anzuregen. Sie erlauben uns Welten und Gesellschaften zu erkunden, die noch weit in der Zukunft liegen. Mal haben dort die Roboter die Herrschaft übernommen, mal wagen sich Menschen in andere Galaxien vor. Doch immer betrachten wir die Geschichten aus unserer heutigen Perspektive: Welche Bestandteile des Fortschritts halten wir für erstrebenswert und wann ist es Zeit bestimmte Entwicklungen kritischer zu hinterfragen? Das macht Spaß und das wird bestimmt auch dem neuen "Blade Runner 2049" gut gelingen. Aber um das zu beurteilen, müssen wir es auf das Wagnis eines Kinobesuches ankommen lassen.


Streaming-Perle

"2 Tage Paris" (Dauerhaft verfügbar in der Watchbox-Mediathek) – So ein Trip nach Paris gehört zu den Dingen, die jedes Paar einmal im Leben machen sollte. Für Marion (Julie Delpy) und Jack (Adam Goldberg) ist der Halt in der französischen Hauptstadt das Ende eines langen, glücklichen Europaurlaubs. Jetzt heißt es: Nur noch kurz bei Marions Familie vorbeischauen. Doch die gibt sich alle Mühe Jack den Einstand möglichst schwer zu machen. Der versteht kein Wort Französisch und muss allerhand Provokationen ertragen. Ob ihre junge Liebe das unbeschadet überstehen kann?


Fan-Made

Natürlich sind Marvel-Produktionen mit den modernsten Computereffekten ausgestattet. Aber im Falle von "Thor 3: Tag der Entscheidung" (Kinostart: 31. Oktober 2017) könnte das völlig unnötig gewesen sein. Denn Fans haben den Trailer zum neuesten Abenteuer von Donnergott Thor einmal so aufbereitet, als wäre der Film 1987 ins Kino gekommen. Und damals sahen Effekte noch ein bisschen anders aus.

Der Trailer gefiel Regisseur Taika Waititi und Filmstudio Marvel aber gut, dass sie ihn sogleich selbst geteilt haben. Vielleicht eine Trendwende in den Effektschlachten moderner Blockbuster?


Darauf freuen wir uns

"The Disaster Artist" (Ohne Starttermin) – Bei einer Karriere in der Film-Branche kann einiges schief gehen. Manch einem fehlt das Talent, andere werden einfach nicht gebucht oder sehen schlicht nicht nach Hollywood aus. Im Falle von Greg Sestero (James Franco) trifft das alles zu. Für das Projekt "The Room" tut er sich aber mit dem ebenso unerfahrenen wie talentfreien Filmemacher Tommy Wuseaus (Dave Franco) zusammen. Das Endergebnis ist entsprechend… speziell.

Das Beste: Der Film existiert tatsächlich und "The Disaster Artist" erzählt die Geschichte dahinter.


Die nächste Ausgabe FILMICUM erscheint am 12. Oktober 2017

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