tote mädchen lügen nicht zweite staffel
"Tote Mädchen Lügen nicht" behandelt ungeschönt kontroverse Themen. | Foto: Netflix
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24. Mai 2018

Hella Wittenberg

Filme

Film-News: Darum ist die Serie "Tote Mädchen lügen nicht" so wichtig

Neu im Kino: "Solo: A Star Wars Story" und "Zwei im falschen Film" 

"Solo: A Star Wars Story" (Start: 24. Mai 2018)Han Solo (Alden Ehrenreich) fängt bei der imperialen Flugakademie an, um so zurück zu seiner Freundin Qi’Ra (Emilia Clarke) zu kommen, von der er getrennt wurde. Dort lernt er Tobias (Woody Harrelson) kennen, der schnell zu seinem Mentor wird. Doch das bringt Han Solo auf die schiefe Bahn. Denn Tobias dreht krumme Dinger und mit der Aussicht auf einen guten Batzen Geld macht Han schließlich mit, was ihm schon sehr bald jede Menge Ärger und Kummer einbringen wird.

Na das ist doch mal was Neues: In diesem "Star Wars"-Abenteuer, was rund zehn Jahr vor "Star Wars: Episode IV" angelegt ist, steht mal nicht gleich die ganze Galaxie auf dem Spiel. Das Spannende an dem Sci-Fi-Film ist, dass eine relativ kleine Geschichte mit frischen Gesichtern erzählt wird. Hier geht es um einen Raubüberfall, der von Han Solo und seinem Team genauestens geplant und durchgeführt werden will. Das bringt viel Situationskomik und schweißtreibende Momente mit sich, wenn zum Beispiel die Trojanisches-Pferd-Nummer durchgezogen wird.

"Zwei im falschen Film" (Start: 31. Mai 2018) – Wer die große Liebe findet, der führt ein Leben wie jeden Tag Geburtstag und Weihnachten zusammen, oder? Heinz (Laura Tonke) und Hans (Marc Hosemann) sind sauglücklich miteinander. Sie spielen abends Videospiele, finden die gleichen Filme doof und das gleiche Essen lecker. Doch irgendwie hat sich im Laufe ihrer Beziehung ein bisschen zu viel Gewohnheit und Routine eingeschlichen. So richtig prickelt es nicht mehr. Das ist kein doppelter Feiertag, sondern eher ein gemütlicher Sonntagnachmittag. Da könnte mehr gehen – und das versuchen die beiden mit einigen, ziemlich anstrengenden Aktionen nun hervorzukitzeln.

Regisseurin und Drehbuchautorin Laura Lackmann schafft es auch in ihrem zweiten Film (nach "Mängelexemplar") das Traurig-Tragische mit dem Urkomischen zu verbinden. Ihre Charaktere sind gerne laut, schrill und überzeichnet – zeigen damit aber nur umso besser, welche Macken die Realität so haben kann. Da ist eben nicht alles heile Welt, da gibt es komplizierte und nicht immer nachvollziehbare Wendungen – so wie eben auch in der Beziehung von Hans und Heinz. Das ist die Antiromanze des Jahres, erzählt mit großer Wärme und gut sitzenden Pointen.


Thema der Woche: Darum ist die Netflix-Serie "Tote Mädchen lügen nicht" so wichtig

Mobbing, Vergewaltigung, Suizid: Die Netflix-Serie "Töte Mädchen lügen nicht" brachte all diese Themen aufs Tablett. Ohne jegliche Umschweife und kein bisschen schonend. Nachdem die erste Staffel im März 2017 veröffentlicht wurde, brachen unglaubliche Debatten rund um die Drama-Serie los. Sollte der Selbstmord eines Mädchens so explizit gezeigt werden? Darf man die Schule in solch einem Detailreichtum als Hölle voller Mobber, Stalker und Vergewaltiger darstellen? Und was hält man eigentlich davon, dass die Protagonistin Hannah Baker (gespielt von Katherine Langford) 13 Kassetten hinterlässt, auf der sie genau 13 Personen eine Mitschuld an ihrer Verzweiflung und schließlich ihrem Suizid gibt?

Trotz der immensen Kritik insbesondere auch von Gesundheitsorganisationen, die Sorge hatten, dass es nun viele Nachahmer geben würde, ist seit Mitte Mai 2018 nun die zweite Staffel online. Wieder gibt es 13 Episoden. Dieser Mal verstärkt im Fokus: die Hinterbliebenen und ihre Suche nach Gerechtigkeit. Es geht darum zu zeigen, dass keiner unberührt von Hannahs Tod bleibt. Und es wird klar, dass sie nicht die Einzige an der Schule war, der nicht ausreichend zugehört wurde, die gemobbt, eingeschüchtert, verletzt und sogar missbraucht wurde. Somit sollte jeder wissen: Auch diese Weiterführung der Serie geht dahin, wo es wehtut. Gesundheitsorganisationen bitten daher, die Folgen mit Freunden und Familie zu schauen – lieber nicht allein. Wer labil ist, sollte sich erst recht jemanden anvertrauen. Hinzu kommt, dass auch Netflix Vorkehrungen getroffen hat: In jeder der rund eine Stunde langen Episoden gibt es den Hinweis, wo man sich bei psychischen Problemen Hilfe holen kann. Und auf Spotify wurde eigens ein Podcast zur zweiten Staffel veröffentlicht, der das Gesehene noch einmal bespricht.

Die Hinweise sind wichtig und notwendig. Damit ist die Streaming-Plattform auf jeden Fall den richtigen Weg gegangen. Denn so macht sie die Serie noch relevanter. Die gesellschaftlichen wie persönlichen Problematiken werden in "Tote Mädchen lügen nicht" nicht nur angeprangert – sie werden direkt angepackt. Die Dialoge sind ebenfalls darauf ausgelegt, dass sie Hilfestellungen bieten. Was tun, wenn man sich wie Hannah Baker so hilflos und gar nicht mehr lebensfroh fühlt? Immer wieder wird unterstrichen: Man ist nie allein. Es gibt stets Menschen, denen man die Welt bedeutet und die immer für einen da sind. Es gibt Auswege. Therapien. Zweite Chancen.

 

Dennoch gibt es keine Romantisierung in der Serie. Das ist schmerzhaft, aber zeigt auch den Alltag, der speziell an US-Schulen herrscht. Da kommen die Jugendlichen schnell an Waffen, werden schon während ihrer Schulzeit sozial für ihr Leben lang abgestempelt. Und sie finden oft zu wenig Rückhalt in der Gesellschaft. Deshalb ist die Serie so wichtig. Sie ist ein Dokument unserer Zeit. Der Jugend. Aber dennoch ist sie nicht unbedingt für junge Menschen gemacht. Die Freigabe ist bei den neuen Folgen meist ab 16 Jahren gegeben. Gewalt wird drastisch gezeigt. In dieser Form gab es bis dato noch keine andere Serie. Und wieso sollte man etwas Filmisches verbieten, wie es sich so viele erboste Eltern beispielsweise wünschen, wenn die Wahrheit doch eigentlich lautet: Die Realität ist ganz ähnlich? Viel wichtiger ist es nun den Diskurs nicht abebben zu lassen. Diese Themen sind da, dass man sich dazu Gedanken und Meinungen macht und sie angeht. Ob es eine weitere Staffel geben wird, ist bisher noch nicht bekannt.

Rekordverdächtig: Die Obamas werden Netflix-Produzenten

Was kommt nach der Präsidentschaft? Genau: ein Millionen-Deal mit Netflix. Der ehemalige US-Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle haben sich mit dem Streamingdienst auf eine mehrere Jahre umfassende Zusammenarbeit einigen können. Während ihrer Zeit bei Netflix will das Paar vor allem als Produzentenduo auftreten. Ob dokumentarische oder fiktionale Inhalte – wichtig ist ihnen vor allem, dass sie nun verstärkt kreative Köpfe unterstützen können. Wie viel Geld tatsächlich für den Deal geflossen ist, weiß keiner. Rekordverdächtig ist er aber bestimmt. Und sicher ist auch: die zwei sorgen für Quality Content!

Streaming-Perle: "Bad Banks" (Staffel 1)

"Bad Banks" (Staffel 1) (Verfügbar in der ZDF-Mediathek bis zum 31. August 2018) – Als Investmentbankerin Jana (Paula Beer) gefeuert wird, vermittelt ihre Ex-Chefin (Désirée Nosbusch) ihr überraschend eine Stelle bei der Bank Deutsche Global Invest in Frankfurt. Der Druck nimmt mit dem neuen Job extrem zu. Eine Serie über die Finanzwelt, in der die wirtschaftlichen Interessen und der persönliche Ehrgeiz die Sicherheit eines ganzen Landes riskieren können.

Darauf freuen wir uns: "Never Goin’ Back"

"Never Goin’ Back" (Kinostart: unbekannt)Angela (Maia Mitchell) und Jessie (Camila Morrone) sind beste Freunde und machen einfach alles zusammen. Eigentlich ist für die zwei Schulabbrecher alles gerade richtig gut, denn sie haben sich vorgenommen, eine Woche am Strand ein bisschen von all dem Alltagsstress zu entspannen. Nur bleibt nicht alles so relaxt: Die zwei werden nämlich ausgeraubt, womit sie mit einem Mal pleite sind, die Miete wird trotzdem fällig und oben drauf verlieren sie auch noch ihre Jobs. Das klingt ganz klar nach einem zweiten "Spring Breakers"!

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