Netflix Comedians
Auf Netflix gibt's auch Standup-Comedy! Unser Tipp: "James Acaster: Repertoire" | Foto: Netflix
Autorenbild

09. Mai 2018

Hella Wittenberg

Filme

Film-News: So witzig und divers ist Comedy auf Netflix

Neu im Kino: "Isle of Dogs" und "I feel pretty"

"Isle of Dogs – Ataris Reise" (Start: 10. Mai 2018) – In Japan ist eine schlimme Hundegrippe ausgebrochen. Die Regierung sieht nur eine einzige Möglichkeit, um die Menschen davor zu schützen: Sie schickt alle Hunde auf eine abgelegene Insel namens Trash Island. Dort gibt es für die unzähligen Tiere nicht viel zu tun. Umso mehr Aufsehen erregt der zwölfjährige Atari, der sich mit einem gekaperten Flugzeug auf der Müllinsel auf die Suche nach seinem geliebten Haustier Spots macht. Die Alpha-Hunde Boss, Chief, Rex, Duke und King helfen ihm schließlich bei seiner schwierigen Mission.

Wes Anderson ist zurück! Der nerdige US-Regisseur ("Grand Budapest Hotel") hat sich dieses Mal an einen Stop-Motion-Film gewagt, indem vor allem kauzige Hunde die Hauptrolle spielen. Wer Anderson kennt, weiß, dass es sich hierbei kaum um einen harmlosen Kinder-Animationsspaß handelt. Vielmehr gibt es 101 Minuten dystopische Zukunftsszenarien und schwarzhumorige Dialogmomente zu sehen. Sein neuestes Werk ist düsterer und schwerer zu verdauen als vorherige Filme von ihm – was sicherlich auch daran liegt, dass komplett auf einen sonst so oft genutzten fröhlich-flötenden Soundtrack verzichtet wurde. Dafür wird getrommelt, was das Zeug hält. Und die Moral ist eine, über die man sich einmal länger einen Kopf machen sollte.

"I Feel Pretty" (Start: 10. Mai 2018) Renee (Amy Schumer) wünscht sich nichts sehnlicher, als ein bisschen schlanker, ein bisschen hübscher und insgesamt einfach ein bisschen toller als der Durchschnitt zu sein. Tatsächlich soll ihr Traum wahr werden – gleich nachdem sie im Fitnessstudio schwer gestürzt ist. Danach sieht sie im Spiegel nicht mehr dieselbe Renee. Sie fühlt sich auch plötzlich ganz anders. Mit ihrem neuen Look und dem frisch erwachten Ego traut sie sich gleich viel größere Karriereschritte zu. Ob jetzt aber wirklich alles super ist, bleibt fraglich.

Was wäre, wenn sich alles ändert, ohne das man was tun muss? Sicherlich wäre das ziemlich genial. Aber wem geht das schon so? Die Komödie nutzt den fantastischen Gedanken, um all den an sich selbst Zweifelnden da draußen eine Message zu schicken: Ihr seid super, genau so wie ihr seid. Ihr braucht keine Modelmaße, um einen Partner zu finden oder die Karriereleiter weiter hochzukommen. Ulknudel Amy Schumer würzt das Ganze noch mit ihrem speziellen Humor, was das seichte Popcornkino ganz sicher noch einmal mehr aufpeppt.


Thema der Woche: Netflix kann auch Comedy

Immer nur Serie schauen, kann auf Dauer ganz schön ermüdend sein. Und welchen Film gibt es eigentlich zu streamen, den man noch nicht geschaut hat? Das Schöne bei Netflix ist ja, dass es auch für Standup-Comedy eine große Plattform ist. Hier tummeln sich Berühmte, Berüchtigte, aber auch zig bisher noch Unbekannte. Grund genug, um mal einen Blick darauf zu werfen!

Habt ihr auch das Foto von diesem Briten bei euch beständig in der Vorschau gehabt, bei dem man sich sofort fragt, ob er nach Sherlock womöglich ein neuer Krimi-Kommissar oder so ist? Ja, das ist James Acaster, der nun auch bei Netflix gelistet ist. Der legt sofort mit vier Specials mit einem Mal vor. Dabei wird aber auch gleich klar, dass Comedy mehr als Mario Barth ist. Acaster macht schlaue Witze, zieht aktuelles Weltgeschehen und nerdige Fakten mit ein. Bloß gut, dass ihm Netflix den Platz eingeräumt hat. Danach ist man wirklich schlauer!

Dann ist da noch Ali Wong. Diese Komikerin kommt gleich mal schwanger auf die Bühne. Und das ist dann auch ihr Thema. Frau sein. Mutter werden. Geschlechterrollen und Feminismus. Zu allem hat sie eine steile These und einen noch bissigeren Humor.

Apropos schwanger: Natasha Leggero nimmt ihren großen Bauch auch gleich mal als Gesprächsthema in "The Honeymoon Stand Up Special" auf. Aber sie tritt nicht alleine auf, sondern mit ihrem Ehemann Moshe Kasher. Beide warten mit sehr unterschiedlichen Gags auf, bringen dadurch aber auch wirklich jedes Beziehungsdrama facettenreich auf den Tisch.

So viel von den Newcomern auf Netflix. Zu denen, die schon ewig dabei sind, gehört Jim Gaffigan. Von ihm gibt es beim Streamingdienst Programm ohne Ende. Ein besonders lachintensives Programm heißt "Obsessed" und darin zieht er u.a. über komisches Essverhalten und Sport her. So wie er die Dinge sieht, ist es einzigartig.

Fazit: Netflix bietet dem Standup eine Bühne, wie sonst keiner. Speziell in Deutschland würden wir sonst so tolle Formate und Comedians gar nicht zu Gesicht bekommen. Zum Beispiel gibt es hier ja nicht einmal einen vernünftigen Zugang zu Saturday Night Live. Wie sollte man also Comedy für sich entdecken? Netflix kann jede Nische bedienen – und dabei muss man sich auch keine grottenschlechte Synchronisation antun. Alles ist im Original mit Untertiteln verfügbar.


Rekordverdächtig: Marvel macht fetten Umsatz

Marvel hat was zu feiern: "Avengers 3: Infinity War" konnte am Startwochenende 1,1 Millionen Besucher ins Kino locken. Das sorgte für satte 12,5 Millionen Umsatz. Damit hat das Superheldenspektakel den besten Kinostart in Deutschland in diesem Jahr hingelegt. Zuletzt hat es nur "Guardians of the Galaxy 2" geschafft, ähnlich viele Leute (750.000 Kinowütige gleich zu Beginn) an die Kinokassen zu bringen. Da lassen wir doch gerne die Korken knallen!


Streaming-Perle: "Short Term 12 – Stille Helden"

"Short Term 12 – Stille Helden" (Dauerhaft verfügbar bei Watchbox) Grace (Brie Larson) arbeitet als Betreuerin in einer Einrichtung für Jugendliche mit sozialen und psychischen Problemen. Auch ihr Freund Mason (John Gallagher Jr.) jobbt dort. Ihre Beziehung wird auf die Probe gestellt, als ein Mädchen mit einer Aggressionsstörung (Kaitlyn Dever) in die Gruppe kommt. Nur Grace findet einen Zugang zu ihr. Doch sie muss sich dabei auch ihrer eigenen, lange verdrängten Vergangenheit stellen – was dazu führt, dass sie sich Mason immer mehr verschließt.


Darauf freuen wir uns:"Social Animals"

"Social Animals" (Kinostart: unbekannt) – Ein bisschen verpeilt, ein bisschen wenig Geld und überhaupt keinen Plan, wie man so eine richtige Beziehung angehen sollte: das ist Zoe. Gespielt wird die Mitzwanzigerin von der sympathischen Noël Wells, die man bereits aus "Master of None" oder auch "Mr. Roosevelt" kennen könnte. Der Trailer verspricht ein angenehm lustiges Kuddelmuddel, bei dem viele bekannte Gesichter vorbeischauen werden. Zum Beispiel Josh Radnor, Carly Chaikin und Samira Wiley.


Die nächste Ausgabe der Filmicum erscheint am 24.05.2018.

Artikel-Bewertung:

3.08 von 5 Sternen bei 84 Bewertungen.

Deine Meinung: