Filmicum Serien Hype
Serien wie "Orange is the New Black" bringen Streaminganbietern ständige Klicks. | Foto: Netflix
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16. Aug 2018

Hella Wittenberg

Filme

Film-News: Warum wir so gerne Serien gucken

Neu im Kino: "So was von da" und "The Equalizer 2"

"So was von da" (Kinostart: 16. August 2018) – Silvester steht an. Während andere Leute feiern, heißt es für Oskar (Niklas Bruhn) Abschied nehmen. Es wird die letzte Nacht sein, in der sein Hamburger Club die Pforten für Partywütige öffnet. Als wäre das nicht schlimm genug, muss er sich noch Gedanken machen, wie er seine immensen Schulden begleicht, was mit seiner sonst so fröhlichen Freundin Nina (Martina Schöne-Radunski) los ist, warum der Vater seines besten Kumpels plötzlich auf der Matte steht – und vor allem, was seine Ex auf der Tanzfläche zu suchen hat?

Wann ist zu viel eigentlich zu viel? Die Romanverfilmung nach Tino Hanekamp ist genauso atemlos inszeniert wie das Buch selbst. "Love Steaks"-Regisseur Jakob Lass lässt hier ein Chaos das nächste jagen. In einem Moment liegt man sich glücklich in den Armen, im nächsten prügelt man sich wütend in der überlaufenden Herrentoilette. Die Farben sind grell, die Musik durchdringend. Das ist wirklich ein Film, wie eine Silvesterparty – nur ohne den fiesen Kater danach.

"The Equalizer 2" (Kinostart: 16. August 2018) – Für seine Freunde ist der ehemalige Elitesoldat Robert McCall (Denzel Washington) längst tot, denn nur so kann er ein halbwegs normales Leben führen. Aber statt streng geheime Aufträge für die Regierung auszuführen, sitzt er nun hinter dem Steuer seines Taxis. Trotzdem kann er die Gespräche und Probleme auf seiner Rückbank nicht ganz ausblenden. Wer seine Hilfe benötigt, für den hängt McCall schon mal eine Sonderschicht dran. Kleinkriminelle ziehen dann in der Regel den Kürzeren. Als plötzlich eine gute Freundin aus seinem früheren Leben unter unerklärlichen Umständen stirbt, kann er nicht anders, als wieder für Gerechtigkeit zu sorgen.

Kaum zu glauben, dass es sich bei "The Equalizer 2" um die erste (!) Fortsetzung in der langen Karriere von Denzel Washington handelt. Aber die Zusammenarbeit mit Lieblingsregisseur Antoine Fuqua ("The Equalizer", "Training Day") scheint es ihm angetan zu haben. Das Dream-Team setzt wieder auf die bewährte Mischung aus cleverer Action und ruhiger Kriminal-Recherche. Nur dass dieses Mal weit weniger Körpereinsatz gefragt ist. Denzel Washington (63) wird schließlich auch nicht jünger! Stattdessen bekommen wir ein großes Rätsel serviert, in dem McCalls Vergangenheit ihn ausgerechnet jetzt wieder einholt, wo er eigentlich so schön mit sich im Reinen war.


Thema der Woche: Warum wir weiterhin Serien gucken werden

Wann ward ihr das letzte Mal im Kino? Na, schon eine Weile her? Und wann habt ihr die letzte Serie fertig geschaut? Erst vor Kurzem, oder? Während die Zahl der Kinogänger weiter abnimmt, läuft es für Streamingdienste wie Netflix und Amazon Prime ganz wunderbar. Und das liegt vor allem an ihrem riesigen Serienangebot. Wir können einfach nicht genug von Serien bekommen! Es ist das beste Thema für einen Small Talk, wir lieben es uns mit Seriencharakteren zu vergleichen und wenn es eine neue Staffel der Lieblingsserie gibt, nehmen wir uns gleich das ganze Wochenende nur dafür Zeit. Woher kommt es, dass der Hype um Serien im Gegensatz zu Kinofilmen so groß ist? Wir sind dem Phänomen einmal auf den Grund gegangen. 

1. Jeder mag Snackable Content

Eine Serie ist nur 30 bis 50 Minuten lang. Damit braucht man nicht annähernd so viel Ausdauer wie für einen Film. Unsere Aufmerksamkeit ist eh mächtig zurückgegangen und in der Regel schauen wir nur länger als anderthalb Stunden nicht auf’s Smartphone, wenn der Akku runter ist. Eine Serienfolge schafft aber jeder. Selbst nach einem langen, stressigen und arbeitsreichen Tag kriegt man noch eine Episode unter. Für einen ganzen Film würde es wohl nicht mehr reichen, aber bei der Lieblingsserie muss man sich nicht erst in eine neue Welt eindenken. Die Figuren sind bekannt, die Folgen folgen meist einem ähnlichen Schema – der snackable Content überstrapaziert uns nicht.

2. Streaminganbieter setzen auf Serien, da die für beständige Klicks sorgen

Netflix und Amazon kaufen und produzieren immer mehr Serien – das Filmangebot der beiden Dienste kann sich dahinter echt verstecken. Der Grund dafür sind nicht nur die Preise, die mit Serien wie "Orange Is The New Black", "This Is Us" oder "Stranger Things" gesammelt werden können, sondern vor allem generieren Serien immer wieder sichere Klicks und Neuabonnenten.

3. Gemeinsamer Gesprächsstoff

Es ist schon verrückt, aber trotz des wahnsinnig großen Serienangebots, können wir im Freundeskreis doch meist über genau die gleichen Serien sprechen. Als beispielsweise "Töte Mädchen lügen nicht" herauskam, war die Dramaserie von Netflix in aller Munde. Wirklich jeder hatte was zu dem Thema zu sagen und selbst jetzt, zur zweiten Staffel, ebbt das Interesse nicht ab. Die Möglichkeit Inhalte komplett wegzubingen, macht uns regelrecht süchtig. Cliffhänger am Ende einer Folge lassen uns die Stopptaste unserer Fernbedienung völlig ignorieren. Und wenn wir am nächsten Tag mit unseren Freunden darüber sprechen wollen, wo sie gerade in der Staffel hängengeblieben sind, ist das oft nicht weit von uns entfernt. Also so sehr wir durch’s Bingen auch unsere Freunde vernachlässigen – wir können später genauso gut ewig und drei Tage mit ihnen über das Geschaute reden, diskutieren und in Erinnerungen schwelgen. Serien bringen uns irgendwie wieder enger zusammen.

4. Serien sind günstiger als Filme

Momentan muss es wirklich schwer sein einen Film zu pitchen. Was wird er wohl einbringen? Zu welcher Jahreszeit werden die Leute am ehesten Lust darauf haben? Serien sind da viel einfacher in der Handhabe. Ist die erste Staffel gut gelaufen, kann auf eine bestehende Audience gesetzt werden. Vermutlich kommen sogar noch mehr Zuschauer dazu, weil eben alle wieder anfangen über dieses Thema zu sprechen. Und wie lange kann man schon die Neugier unterdrücken? Schließlich will man ja mitreden können! Genau diese Mundpropaganda ermöglicht auch geringe Marketingkosten. Inzwischen läuft schon die sechste Staffel von "Orange Is The New Black" und die Show benötigt sicher keinen großen Marketingbuzz. Sie wird sowieso geguckt, weil die Leute, die schon vorher reingeschaut haben, es mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder tun werden. So easy.


5. Hoher Promi-Faktor in Serien

"True Detective" machte es vor: Mit Matthew McConaughey und Woody Harrelson konnte die Crime-Serie mit gleich zwei sehr bekannten Namen, die sonst eher im Kino zu sehen waren, für sich werben. Mittlerweile sind A-Promis in so gut wie jeder Serie zu finden. Da muss man also nicht mehr viel Geld an der Kinokasse abdrücken, um seinen Lieblingsstar bewundern zu können. Das Streamingabo ist eh günstiger und oftmals dürfen die Schauspieler sogar mal mehr als nur stereotype Rollen spielen. Bestes Beispiel: Ewan McGregor in seiner verrückt-genialen Doppelrolle in Staffel 3 von "Fargo"!

6. Filme orientieren sich an Serien

Inzwischen kopieren Filme auch das Serien-Schema: Wenn ein Werk im Kino gut funktioniert hat, kann man sich ziemlich sicher sein, dass es eine Fortsetzung geben wird. Im Idealfall geht es dann immer so weiter – eine Fortsetzung kommt nach der anderen. Danach folgt ein Reboot, ein Sequel, und so weiter.

Daran könnt ihr also ganz gut sehen: Serien machen vieles richtig. Und deshalb wird der Serienhype auch nicht aufhören. Wir sind nun schon richtig auf das Seriengucken trainiert, schaffen Staffeln in kürzester Zeit und sind es gewohnt jede Woche etwas Neues auf den Streamingplattformen angeboten zu bekommen. Die Qualität ist dabei stets hoch, die Starquote genauso und die Enttäuschungsquote dagegen niedrig.

Rekordverdächtig: Henry Cavills Schnauzer hätte fast drei Millionen Dollar gekostet

Zurzeit macht Henry Cavill in "Mission: Impossible 6 – Fallout" die Leinwände unsicher. In dem Actioner trägt er einen mächtig imposanten Schnauzer, der natürlich seinem schlagfertigen Agenten-Image sehr zuträglich ist. Tatsächlich war es aber gar nicht mal so sicher, dass er diesen Schnauzer auch den gesamten Dreh über dran behält. Denn zur gleichen Zeit standen plötzlich Nachdrehs zu "Justice League" an, in dem Cavill als glattrasierter Superman zu sehen ist. Das Filmstudio Paramount hätte nun angeboten, seine Dreharbeiten an "M:I 6" für drei Millionen Dollar zu pausieren, um den Bart abzurasieren und nachwachsen zu lassen. Ein wirklich rekordverdächtiger Betrag! Für Warner Bros. war das jedoch keine Option und so hat man lieber die günstigeren Special-Effects-Leute daran gesetzt. Damit haben sie sich jedoch keinen Gefallen getan, da sich das Netz monatelang über das sogenannte #Mustachegate in "Justice League" lustig machte.

Streaming-Perle: "Tabula Rasa" (Verfügbar bis 05. Januar 2019 in der ZDF-Mediathek)

Seit einem Autounfall leidet Mie (Veerle Baetens) unter Amnesie und ist ohne ihr Notizbuch verloren. Doch nun muss sie sich um jeden Preis erinnern. Denn ein Mann ist verschwunden, und Inspektor Wolkers (Gene Bervoets) ist überzeugt: Mie ist die letzte, die ihn lebend gesehen hat.

Darauf freuen wir uns: "Glass" (Kinostart: 17. Januar 2019)

Als 2016 "Split" herauskam, war das nach Ewigkeiten mal wieder ein richtiger Erfolg für Regisseur und Drehbuchautor M. Night Shyamalan. Schon lange hatte man von ihm nicht mehr so spannenden Horror gesehen. Als am Ende auch noch herauskam, dass die Story um den Typen mit den 24 Persönlichkeiten (gespielt von James McAvoy) mit dem 2000er Werk "Unbreakable" zu tun hat, war die Überraschung perfekt. Nun gibt es endlich einen Trailer zum Nachfolger "Glass", in dem Bruce Willis, Samuel L. Jackson und eben auch James McAvoy zusammenkommen. Die ersten Teaser-Minuten machen bereits das Gefühl, dass man im Kino lieber das Licht anbehalten wollen würde!

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