Tatort Kommisare
So viele Tatort-Kommissare auf einem Bild! | Foto: ARD/Kerstin Schomburg
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03. Aug 2017

David Streit

Filme

Film-News: Wo bleibt nach über tausend Mal "Tatort" die Innovation?

FILMICUM in der KW 31/32 im Überblick:

Neu im Kino

"Das Gesetz der Familie" (Start: 03. August 2017)
"Helle Nächte" (Start: 10. August 2017)

Thema der Woche

Schweizer Echtzeit-Tatort macht auf "Victoria"

Streaming-Perle

"Becks letzter Sommer" (Neu auf Netflix)

Rekordverdächtig

Das Nutzerwachstum von Netflix

Darauf freuen wir uns

"The Problem With Apu" (bisher ohne Starttermin)


Neu im Kino

"Das Gesetz der Familie" (Start: 03. August 2017) – Sie nehmen von den Reichen und geben es… sich selbst. Colby Cutler (Brendan Gleeson) hält wenig von Autoritäten und hat deshalb auch seinen Sohn Chad (Michael Fassbender) als Freigeist erzogen. Beide leben in ständiger Flucht vor der Polizei und können sich nie ganz sicher fühlen. Aber das ist ein kleiner Preis für die Freiheiten, die sie so haben. Da Chad nun selbst Vater ist, mehren sich in ihm jedoch Zweifel an diesem Lebensmodell. Er möchte seinem Sohn Tyson (Georgie Smith) gerne ermöglichen, zur Schule zu gehen. Doch sobald Colby das mitbekommt, denkt er sich einen besonders riskanten Plan aus, um die beiden in neue kriminelle Aktivitäten und somit wieder mehr in sein Leben einzubeziehen.

Das Familiendrama zeigt einen Alltag jenseits des Gesetzes. Brendan Gleeson und Michael Fassbender brillieren dabei als ungleiches Vater-Sohn-Gespann, das sich nur zu gerne in die Haare bekommt. Besonders in den Actionszenen zeigt "Das Gesetz der Familie" seine Stärken. Denn Verfolgungsjagden durch Wohnsiedlungen und kurze Tankstellen-Stopps sind einfach perfekt inszeniert. Da sieht man einmal mehr, dass ein geringes Budget kein Ausschlusskriterium für soliden Nervenkitzel darstellen muss.


"Helle Nächte" (Start: 10. August 2017) – Luis (Tristan Göbel) und sein Vater Michael (Georg Friedrich) hatten in der letzten Zeit nur wenig Kontakt zueinander. Doch nachdem Michael nun wieder Single ist und den Tod seines Vaters verarbeiten will, nimmt er sich vor, daran etwas zu ändern. Nun machen sich die beiden mit dem Auto auf den Weg nach Norwegen zur Beerdigung vom Opa. Michael hofft dort die Kraft für einen gemeinsamen Neubeginn zu sammeln. Und bei Luis kommt nach und nach so etwas wie ein Gefühl von Zusammenhalt auf.

Der Berlinale-Film "Helle Nächte" überzeugt als stilles Roadmovie. Die zwei Protagonisten tragen so viele unausgesprochene Konflikte mit sich, dass die Aufarbeitung so einige Autofahrstunden und anschließende Camping-Nächte bedarf. Begleitet wird diese Reise durch die eine oder andere Erkenntnis über das Leben. Zum Beispiel, dass man erst ein wenig von sich preisgeben muss, bevor sich der andere auch öffnen kann. Und dass es am Ende die gemeinsamen Erfahrungen sind, die das Leben wirklich ausmachen.


Thema der Woche

Echte Innovationen sucht man im Krimi-Genre oft vergebens. Und so muss sich nun der "Tatort" aus seiner Komfortzone herausbewegen, um zu schauen, welche Erzählstrukturen woanders gut funktioniert haben. Eigentlich keine schlechte Idee! Getreu dem Motto: Von den Besten lernen. Vor zwei Jahren sorgte zum Beispiel der Echtzeit-Thriller "Victoria" von Sebastian Schipper für Aufsehen – und wurde für seinen neuartigen Ansatz mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.


Der Film mit Laia Costa und Frederick Lau kam ohne einen einzigen Schnitt aus. Somit mussten alle Ereignisse so perfekt choreographiert werden, dass jeder genau wusste wann er wo zu stehen hatte und welchen Inhalt der nächste Dialog haben musste. Eine planerische Meisterleistung, bei den ganzen Ortswechseln und vielen Komparsen! Von diesem Erzählkonzept hat nun auch Regisseur Dani Levy ("Alles auf Zucker!") den öffentlich-rechtlichen Rundfunk überzeugt.

Erst vor wenigen Tagen wurde in Luzern der 90-minütige Tatort "Alte Männer sterben nicht" abgedreht. Darin spielt sich die gesamte Handlung vor, während und nach einem Benefizkonzert zum Gedenken der Holocaustopfer ab. Das Ermittlerduo Delia Mayer und Stefan Gubser muss nun herausfinden, welcher der schwerreichen Gäste die High Society nur als Tarnung nutzt. So ganz ohne Schnitt klingt diese Schnitzeljagd tatsächlich mal wieder so richtig spannend. Leider müssen wir uns noch bis 2018 gedulden, bevor der Film im TV läuft.


Streaming-Perle

"Becks letzter Sommer" (dauerhaft verfügbar) – Musik macht glücklich. Sie hilft dabei, sich für einen kurzen Moment von äußeren Einflüssen und Zwängen freizumachen und die eigene Stimme in den Vordergrund zu bringen. "Becks letzter Sommer" erzählt die Geschichte zweier Menschen, die mithilfe der Musik versuchen ihren Alltag zu etwas Außergewöhnlichem zu machen.

Robert Beck (Christian Ulmen) hat versucht, als Musiker erfolgreich zu werden – der Durchbruch ist ihm aber vergönnt geblieben. Als frustrierter Lehrer trifft er schließlich auf den begabten Schüler Rauli Kantas (Nahuel Pérez Biscayart), der in ihm sofort die Leidenschaft vergangener Tage weckt. Das junge Musikgenie singt und spielt E-Gitarre wie ein Gott! Robert fasst den Entschluss ihn groß rauszubringen und fängt sogleich an, Songs für seinen neuen Schützling zu schreiben. Allerdings kaum aus reiner Nächstenliebe: Er sieht in Rauli vor allem seine letzte Chance sich selbst den Traum von der Karriere im Musikbusiness zu erfüllen.


Rekordverdächtig

Netflix hat allen Grund zu Freude. Denn immer mehr Menschen überall auf der Welt entscheiden sich für ein Abo bei dem Streaming-Anbieter. Inzwischen zählt man ganze 104 Millionen Nutzer! Und jeden Monat kommt etwas mehr als eine neue Million hinzu. Diese Zahlen belegen den unaufhaltsamen Siegeszug vom Wann-ich-will-Streaming.

Das Nachsehen hat ganz klar das lineare Fernsehen. Laut einer neuen Nielsen-Erhebung schauen junge Erwachsene in den USA bereits nur noch halb so viel TV wie noch vor sechs Jahren (von 26,5h auf 14,3h in der Woche).
 


Darauf freuen wir uns

"The Problem With Apu" (ohne Start) – Seit der ersten Staffel von "Die Simpsons" im Jahr 1989 begleitet uns die klischeehafte Darstellung des indischen Kiosk-Besitzers Apu durchs Leben. Der Comedian Hari Kondabolu findet das aber ganz und gar nicht gut. Denn, mal abgesehen von Apu, sieht er die indische Kultur einfach viel zu wenig in der Popkultur repräsentiert. Und seit fast 30 Jahren wächst jeder Teenager mit einem Bild von Indern auf, das größtenteils einfach nur lächerlich ist.

Also hat er sich ein Doku-Projekt überlegt, bei dem es allein darum gehen soll, diese Klischees zu entzaubern. "The Problem With Apu" ist zudem ein Plädoyer für mehr (ehrliche) Vielfalt im Fernsehen.


Die nächste Ausgabe FILMICUM erscheint am 17. August 2017

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