I am Bolt DVD
Usain Bolt: der Mann mit dem dreifachen Olympischen Triple | Foto: Universal
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24. Nov 2016

Ann-Christin Kieter

Filme

I Am Bolt

Doku über den schnellsten Mann der Welt

Sympathie-Träger oder abgehobener Superstar?

Muhammad Ali, Pele, Michael Jordan: Wer neun olympische Goldmedaillen gewonnen hat und als Einziger die 100 Meter in unter 10 Sekunden läuft, darf ruhig in einem Atemzug mit diesen Sportler-Größen genannt werden. Über die Leistungen von Usain Bolt (30) lässt sich auch gar nicht streiten. Wohl aber über sein öffentliches Auftreten.

Während die einen das jamaikanische Ausnahme-Talent als Vorbild einer Nation sehen und seinen berühmten Bolt-Blitz als sympathische Geste empfinden, sind andere einfach nur genervt von der überheblichen Leichtigkeit, mit der er durchs Ziel stolziert. Mit der Dokumentation "I am Bolt" bekommt der Weltrekord-Halter nun die Gelegenheit, seinen Kritikern zu zeigen, dass er eigentlich ein ganz netter Kerl ist. Er nutzt die Chance so halb.


Usain Bolt

Shake ya Booty und ab ins Eiswasser

Ein Weltstar beim Bügeln: Gleich am Anfang des Films können wir Usain Bolt dabei zusehen, wie er vor einem Wettkampf im Hotelzimmer sein T-Shirt bügelt und stolz in die Kamera hält. Und ein paar Minuten später leiden wir mit ihm mit, als er zur Regeneration in einer Wanne voll Eiswasser hockt. Solche Momente, die der 30-Jährige mit seinem Smartphone selbst festgehalten hat, machen neben professionellen Aufnahmen und Wettkampf-Szenen ungefähr die Hälfte der gesamten Laufzeit des Films aus. Durch diesen Blick von innen unterscheidet sich die Doku auch stark von anderen, die die Sportler auf dem Weg zur Weltspitze nur von außen porträtieren.

Eigentlich könnten genau diese Eindrücke einen Star sympathisch und nahbar machen. Funktioniert bei Usain Bolt an der Stelle noch nicht so ganz. Die Party-Szenen, in denen Girls ihre Hintern schwingen und in die Kamera halten, erinnern irgendwie an einschlägig bekannte US-Rapper. Wobei die angeblichen Skandale – Bolt soll es hin und wieder ordentlich krachen lassen und seine Freundin Kasi Bennett mit anderen Frauen betrügen – hier natürlich nicht vorkommen.


Usain Bolt mit Glen Mills


Abrackern auf dem Acker

Doch es gibt einen Moment im Film, in dem plötzlich alle Star-Allüren verschwinden. Nämlich dann, wenn wir Usain Bolt zum ersten Mal beim Training zusehen können. Man könnte meinen, so ein Ausnahme-Athlet trainiert irgendwo auf einem Hightech-Sportplatz mit den allerneuesten Geräten und sein Trainer ist selbst ein drahtiger Spitzensportler, der versucht, seinen Schützling mit aller Gewalt zum Erfolg zu prügeln.

Doch stattdessen steht Bolt mit einem pummligen älteren Herrn, der eine angenehme Leichtigkeit ausstrahlt und für ihn wie ein zweiter Vater ist, auf einer Art Acker irgendwo in Kingston. Und das Trainingsgerät, das der Profi-Sportler umgeschnallt bekommt, sieht auch so aus, als solle er damit ein Feld pflügen. Sein trockener Kommentar, als er sich damit verletzt: "Wenn ich mich nicht schneide, werde ich nicht schneller."

Unser Müller-Wohlfahrt muss helfen

Sicher musste Bolt im Laufe seiner Karriere schon schlimmere Verletzungen als eine Schnittwunde wegstecken. Vor den Olympischen Spielen in London und in Rio war er jeweils beim Mannschaftsarzt unserer Nationalmannschaft, Dr. Müller-Wohlfahrt, in Behandlung. Während er bei ihm auf der Liege liegt und sein Bein gründlich untersucht wird, erleben wir Bolt zur Abwechslung mal in einem seiner schwachen Momente. Dann, wenn er sich fragt, ob er nochmal zurückkommen kann und noch schnell genug ist. 2012 und 2016 lautete die Antwort eindeutig: ja! Weitere Olympische Spiele mit Bolt-Beteiligung werden wir aber vermutlich nicht erleben. Der Jamaikaner will sich nach den Weltmeisterschaften 2017 aus dem Profi-Sport zurückziehen.



Fazit zu "I am Bolt": Gerne anschauen!

Egal, was man über die Person Usain Bolt denkt, die Doku über ihn, "I am Bolt", ist toll gemacht und wird über die 103 Minuten nie langweilig. Ein Muss für Bolt-Fans, Sport-Enthusiasten und alle, die mit einer gewissen Portion Jamaika-Feeling ihren Winterblues bekämpfen wollen. 


I am Bolt auf DVD

UNICUM Filmtipp

I am Bolt

Dokumentation, 2016

Laufzeit: 103 Minuten

Produzenten: Benjamin and Gabe Turner

Verleih: Univesal Pictures

VÖ: 28. November 2016 (gleichzeitig Kino-Start) 

Online bestellen (Amazon): I am Bolt

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