Love 3D
Die Ménage-à-trois in "LOVE 3D" | Foto: ©Alamode Film
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26. Nov 2015

Sandra Ruppel

Filme

LOVE 3D

Nichts für Schüchterne

Sex in 3D

"Weißt du, was mein größter Traum ist? Einen Film machen, der wirklich zeigt, was empfindsame Sexualität ist. Warum haben wir das noch nie im Kino gesehen?" Diese Frage stellt Filmstudent Murphy (Karl Glusman) seiner Freundin Electra (Aomi Muyock) beim gemeinsamen Spaziergang im Park.

Ohne Zweifel hat sich auch Regisseur Gaspar Noé mit dieser Frage befasst – und versucht, genau das mit "LOVE 3D" umzusetzen: Liebe und Sexualität in all ihren Formen und Konstellationen im Kino zeigen. In 3D.

Seine Hauptzutaten dafür sind die beiden Hauptfiguren Murphy und Electra, ein junges, hippes, attraktives Pärchen, das es liebt, sich sexuell auszuprobieren. Mit sich selbst, mit dritten, mit Drogen, ohne Drogen, zu Hause, im dreckigen Discoflur oder auch im Swingerclub. Klar, dass es dabei auch zu Spannungen und Streit kommt – macht aber nix, nach dem Streit gibt's ja wieder Sex. Zumindest solange, bis Murphy seine Lust nicht mehr unter Kontrolle hat und etwas tut, was ihm Electra nicht verzeihen kann ...

Provokativ und ehrlich?

Sexualität auf der großen Leinwand zeigen, das schafft Noé mit "LOVE 3D" definitiv. Sexszene reiht sich an Sexszene, immer wird es sehr explizit, immer dauern die Sequenzen minutenlang an. Abgeblendet wird erst, wenn alle Beteiligten erschöpft aufeinander in einen seligen Schlummer fallen.

Dass man das noch nie im Kino gesehen hat, stimmt, so groß der Wunsch Noés da etwas echt Provokativ-Neues geschaffen zu haben, auch sein mag, allerdings nicht. Denn in "10.000km", "Nymphomaniac" oder "Shame" passiert genau das – nur ehrlicher, irgendwie.

Je mehr sich "LOVE 3D" bemüht, etwas Echtes zu zeigen, desto mehr gleitet der Film in kaum aushaltbare Plattitüden ab. So packt Murphy auf einer Party mit betrunkener Begeisterung die Weisheit aus, dass Sex mit Liebe der beste Sex sei. An anderer Stelle stellt er traurig vor sich hin sinnierend fest, dass Liebe schon etwas sehr Seltsames ist, und fragt: "Wie kann etwas so Wunderschönes nur so viel Schmerz bereiten?"

Electra enttäuscht ebenfalls nicht, wenn es darum geht, Klischees zu bedienen. Auf die Frage, was ihre ultimative Sexphantasie sei, antwortet sie, dass sie sich einen Dreier wünscht. Zusammen mit einer weiteren Frau. Ultimativ überraschend, dass ausgerechnet das ihr Wunsch ist. Besonders, wenn man bedenkt, dass er in einem Film geäußert wird, welcher der Feder eines heterosexuellen Mannes entsprungen ist.

Obwohl Noé speziell seine Dialoge immer wieder mit Allgemeinplätzen spickt, schafft "LOVE 3D" an einigen Stellen dann aber doch den Ausbruch und es entstehen echte, zarte, schöne Momente. Wenn sich Murphy und Electra nach einem heftigen Streit mit inniger Verzweiflung umarmen. Oder wenn sie sich gemeinsam daran erinnern, was sie an ihrer Beziehung mögen. Leider sind diese Momente eher selten gesät und werden von den teilweise recht beliebig eingebauten Sexsequenzen nicht nur überlagert, sondern letztendlich auch erstickt.

Fazit zu "Love 3D"

Mit "LOVE 3D" versucht Filmemacher Gaspar Noé eine Art provokante Ode an die Liebe und die Sexualität. Definitiv versteckt sich beim Sex hier keiner hinter irgendwelchen seidigen Laken und das beste Stück des Hauptdarstellers ist mindestens so oft zu betrachten, wie die Brüste der Protagonistin.

Obwohl das eine nette Abwechslung zu all den Hollywood-Liebesszenen ist, bei denen selbst in den heißesten Momenten noch der BH anbleibt, wirkt "LOVE 3D" durch seine Flut an expliziten Szenen in seiner Provokation dann aber doch zu gewollt.



Love DVD CoverUNICUM Filmtipp

Love 3D

Erotik/Drama, F 2015

Regisseur: Gaspar Noé

Darsteller u.a.: Karl Glusman, Aomi Muyock, Klara Kristin

Verleih: Alamode Filmverleih 

Ab 29. Januar 2016 auf 3D Blu-ray, Blu-ray und DVD

Online bestellen (Amazon):  Love

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