Netflix Sex Education
Serien wie "Sex Education" können viel zur Aufklärung Jugendlicher beitragen. | Foto: Netflix
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03. Mai 2019

David Streit

Filme

Netflix: Sex Education und Co. klären auf

FILMICUM Mai 2019

Thema der Woche: Ist Netflix mit "Sex Education" das neue Dr. Sommer?

Vor 50 Jahren ist in der Bravo eine Aufklärungskolumne namens "Dr. Sommer" gestartet. Damals beantwortete der Arzt Martin Goldstein Fragen zu Themen wie Pubertät, Liebe, Sex und dem eigenen Körper. Heute sind wir alle durch das Internet vermeintlich viel aufgeklärter – doch etwas Orientierungsarbeit muss noch immer geleistet werden. Und diese Aufgabe übernimmt nun der Streamingdienst Netflix. Durch seine Serienauswahl stellt er nämlich immer mehr unter Beweis, dass ihm kein Eisen zu heiß und kein Thema zu nischig ist. Wir stellen dir in dieser FILMICUM darum einmal die besten Inhalte für die verschiedensten Doktor-Sommer-Themen vor.

Beziehungen: "Sex Education" (eine Staffel)

Obwohl der Titel etwas anderes vermuten lässt, geht es in "Sex Education" vor allem darum seinen Partner kennen und verstehen zu lernen. Wenn die grundsätzliche Erwartungshaltung an eine Beziehung nämlich geklärt ist, wird das mit dem Sex auch viel einfacher. Protagonist Otis (Asa Butterfield) ist nun als Sohn einer Sex-Therapeutin wie dafür geschaffen sein Wissen an der Schule weiterzugeben – und nebenbei ein eigenes Beratungsbusiness aufzubauen.

Körper: "Big Mouth" (drei Staffeln)

Mit dem Erwachsenwerden schießen einem auch so manche neuen Hormone durch den Körper. Die Animationsserie "Big Mouth" veranschaulicht diese Tatsache mit sprichwörtlichen und dauergeilen Hormonmonstern. Diese stehen den jungen Protagonisten zur Seite und beeinflussen fast alle ihrer Entscheidungen. Die vielen Situationen aus dem Schulalltag sind scharf beobachtet, aber stark übertrieben – und dabei genauso lustig wie lehrreich.

Selbstachtung: "Sierra Burgess is a Loser"

Die Sache mit dem Selbstwertgefühl ist, dass man da oft ganz allein dran zu knabbern hat. Sierra (Shannon Purser) gerät zum Beispiel in eine Situation, in der sie sich nicht gut genug für ihren großen Schwarm Jamey (Noah Centineo) hält. Doch zumindest in ihre Stimme und Persönlichkeit kann er sich dank ausgedehnter Telefonate und Textnachrichten schon einmal verlieben. Doch die Überwindung ihrer Scham wird für Sierra mit jedem Tag nur noch schwieriger. Der Film ist ein Plädoyer dafür sich mehr mit Menschen zu beschäftigen, statt nur mit Äußerlichkeiten. Und wenn wir das schaffen, gibt es auch keinen Grund mehr sich zu verstecken.

Sexuelle Vorlieben: "Bonding" (eine Staffel)

Die einen stehen auf Rollenspiele, die anderen auf Lack und Leder. In "Bonding" lernen wir die Domina Mistress May (Zoe Levin) kennen, die ihre Klienten mal bis zum Höhepunkt erniedrigen und mal kitzeln muss. Die Serie feiert die sexuelle Selbstbestimmung und macht sich nur ein klein wenig über die obskuren Vorlieben mancher Menschen lustig. Bei so viel Offenheit ist das aber durchaus gestattet. Viel mehr nimmt man beim Zuschauen mit, dass man erst eine Menge Dinge ausprobieren muss, bevor man weiß was man will.



Leben mit Behinderung: "Ein besonderes Leben" (eine Staffel)

Ein richtig kurzweiliges Juwel ist die zweistündige Serie "Ein besonderes Leben" aus der Feder von Ryan O’Connell. Er ist mit einer Bewegungsstörung zur Welt gekommen und musste hart dafür kämpfen, nicht allein darauf reduziert zu werden. Inzwischen ist er gefeierter Autor und hat seine eigene Netflix-Serie, in der er sich selbst spielt! Durch einen ersten Job bei einem Online-Magazin wurde er erstmals nicht mehr nur auf seine Behinderung reduziert und konnte so richtig aufblühen.

Weitere Empfehlungen für Netflix

Bald im Kino: "Pokémon Meisterdetektiv Pikachu"

"Pokémon Meisterdetektiv Pikachu" (Kinostart: 09. Mai) – Pokémon in unserer Welt? Davon träumen Menschen seit der Veröffentlichung der ersten Videospiele im Jahr 1996. Und spätestens seit der App "Pokémon GO" (erschien 2016) mit Pokémon-Projektionen im Kamerabild auch eine ganz neue Generation Spieler. Nun gibt es endlich den ersten Live-Action-Film im Kino zu bestaunen. Darin sucht Tim Goodman (Justice Smith) seinen verschwundenen Vater und wird von dessen Pikachu bei der Detektivarbeit unterstützt. In der quietschbunten Welt von Ryme City ist aber nichts so, wie man es erwartet. Zum einen, weil Pikachu auf einmal spricht und mit einem bissig-trockenen Humor ausgestattet ist (im Original vertont von "Deadpool"-Star Ryan Reynolds). Zum anderen, weil es nicht um das Trainieren von Pokémon und die anschließenden Wettkämpfe geht, wie noch in der zuvor erschienenen Anime-Serie und den Anime-Filmen. Der Film ist als Neustart einer ganz neuen Erzählweise zu verstehen – und die ersten Reaktionen machen klar, dass es sich um ein richtig spaßiges Abenteuer handelt.



Streamingperle: "Blockbustaz" (zwei Staffeln)

"Blockbustaz" (Verfügbar in der ZDF-Mediathek) – Das gefällt ihm gar nicht: An seinem 30. Geburtstag wird Sol (Eko Fresh) aus seinem Kinderzimmer geworfen. Zum Glück bekommt er noch im gleichen Plattenbau eine Wohnung. Da zieht er mit Freundin Jessica (Joyce Ilg) ein und erschummelt sich erst mal Berufsunfähigkeitsgeld – und auch sonst schafft er es immer besser sich durch den Alltag zu mogeln. Stets an seiner Seite: Kumpel Hardy (Ferris MC).



Trailer der Woche: "Anna"

"Anna " (Kinostart: 18. Juli) – Starke Frauen kann Luc Besson. Nach "Lucy" (2014) mit Scarlett Johansson folgt nun "Anna" mit Supermodel Sasha Luss. Der französische Regisseur und Drehbuchautor erzählt darin die Geschichte eines Models in Paris, das in Wirklichkeit als russische Agentin und Auftragskillerin arbeitet. Klingt abgedreht – aber der Thriller vermittelt einen tollen ersten Eindruck. An Luss’ Seite zu sehen sind Helen Mirren, Cillian Murphy und Luke Evans.

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