"Red Sparrow" Filmkritik Review
"Red Sparrow": Auf wessen Seite stehst du? | Foto: ©Twentieth Century Fox
Autorenbild

05. Mär 2018

Lisa Krick

Filme

"Red Sparrow": Skrupellos. Manipulativ. Sexy.

Tribute von Panem-Star Jennifer Lawrence überzeugt als "Spatz"

Spionin wider Willen

Durch einen Unfall dazu gezwungen ihre Tanzkarriere zu beenden, wird Dominika dazu verleitet, in die zwielichtige Welt des russischen Geheimdienstes einzutauchen, um ihre kranke Mutter versorgt zu wissen und ihre eigene Existenz zu sichern. Nachdem die junge Frau ihrem Onkel Vanja (Mathias Schoenaerts) bei einem Auftrag für den SWR (russischer Geheimdienst) behilflich ist, wobei sie unfreiwillig Zeugin einer Ermordung wird, findet sie sich kurz darauf im Sparrow Programm der russischen Regierung wieder. Sparrows, das sind junge Männer und Frauen, die die Funktion von "Waffen in einem globalen Wettstreit um Macht" erfüllen. Ihre Ausbildung beinhaltet, neben militärischen Grundlagen und dem Einmaleins von Spionagetechniken, vor allem ein Training in psychischer Manipulation. Um ihren Zielpersonen bereitwillig Informationen zu entlocken, werden sie dazu geschult Verführungstechniken einzusetzen und zu erkennen, was ihr Gegenüber braucht und begehrt. Den Rekruten wird klar gemacht: "Dein Körper gehört dem Staat. Du musst Opfer bringen, für ein höheres Ziel." Blinder Gehorsam und persönliche Selbstaufgabe werden verlangt.

Eine Frage des Vertrauens

Dominika findet sich in ihrem neuen Leben und den hierarchischen Strukturen des SWR schnell gut zurecht, obwohl sie durch Ungehorsam auch negativ auffällt. Doch ihre Vorgehensweisen funktionieren und das ist die Hauptsache. So gelingt es ihr mit scheinbarer Leichtigkeit, das Vertrauen des CIA Agenten Nate Nash (Joel Edgerton) für sich zu gewinnen. Ab hier entfaltet sich ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem nicht immer klar ist, wer wen für seine Zwecke missbraucht und was für Absichten die Protagonisten wirklich haben. Dominikas Aufgabe, die Identität eines Maulwurfs innerhalb der russischen Regierung aufzudecken, gerät bisweilen in den Hintergrund. Auf welcher Seite steht Dominika eigentlich und wem kann sie vertrauen? Von ihrer eigenen Regierung wegen des Verdachts auf Verrat gefoltert, von der CIA als mögliche Verbündete betrachtet, von der man aber nicht weiß, ob ihr zu trauen ist, verfolgt Dominika ihre eigenen Absichten, die auch dem Zuschauer nicht immer klar sind. Für welche Seite sie sich entscheiden wird und ob es gelingt, den Maulwurf zu enttarnen, kannst du jetzt selbst im Kino herausfinden.


  • Ab 1. März im Kino


Fazit zu "Red Sparrow"

Viele Kritiker loben "Red Sparrow" dafür, dass der Film dem oft eingefahren anmutenden Genre des Spionagefilms einen ganz neuen, oder zumindest eigenen Charakter verleiht. Wer Fan von gewohnten James Bond Storylines und einem klaren Gut-vs.-Böse Schemas ist, der wird an "Red Sparrow" weniger Freude finden. Regisseur Frances Lawrence hat bei der Buchadaption von "Operation Red Sparrow" des amerikanischen Autors und ehemaligen CIA Agenten Jason Mathews gewiss einiges richtig gemacht und einen spannenden Spionagethriller für die große Leinwand realisiert. Nun wird dem interessierten potentiellen Zuschauer im Vorfeld durch Trailer und Pressekritiken nicht unbedingt klar, dass einen, durch den vermehrten Einsatz von teilweise schonungslos offen gezeigten Akten der Gewalt, ein Film erwartet, der an genau diesen Stellen mit Slasher-Streifen wie "Saw" oder "Hostel" verglichen werden kann. Das ist nicht jedermanns Sache und eine FSK Altersfreigabe ab 16 Jahren scheint zu niedrig angesetzt. Den bösen Russen und dem SWR auf der einen Seite, stehen teilnahmslos wirkende Amerikaner der CIA auf der anderen Seite gegenüber. Dass eine klare Glorifizierung der USA in einer Samariterfunktion ausbleibt, ist überraschend und angenehm. Dass die russische Regierung jedoch klar als Feind markiert ist, der durch fragwürdige, unmoralische Methoden versucht, einen angeblich nie beendeten Kalten Krieg doch noch für sich zu entscheiden, wird hingegen mehr als deutlich und man denkt sich nur: "Ja, wir haben es jetzt verstanden. Russen sind immer die Bösen – zumindest in Hollywood, wenn es nicht die Deutschen oder Koreaner sind.

Der Film lebt ganz klar durch die gekonnt in Szene gesetzten Schauplätze sowie vor allem durch seine Hauptdarstellerin. Jennifer Lawrence arbeitete bei "Red Sparrow" bereits zum vierten Mal mit Regisseur Fances Lawrence – nein, es besteht kein Verwandtschaftsverhältnis – zusammen. Die Rolle der Dominika Egorova ist ihr fast auf den Leib geschrieben. Ihre Präsenz auf der Leinwand ist nicht zu leugnen und sie versteht es, die Zuschauer nicht hinter ihre (Dominikas) Fassade blicken zu lassen und ihre psychischen Spielchen auf jeden einzelnen Kinobesucher zu übertragen. Die Chemie und Anziehungskraft zwischen ihr und Schauspielkollege Joel Edgerton wirkt manchmal etwas holprig, kann insgesamt jedoch überzeugen. Auch die anderen Haupt- und Nebendarsteller verstehen ihr Handwerk, passen ins Milieu des Films und verleihen "Red Sparrow" Stärke und Charakter.

Letztendlich wird den Zuschauern ein clever durchdachter und in großen Teilen gut inszenierter Agententhriller präsentiert, der zum Ende hin die ein oder andere Überraschung bereithält. Ob man dafür allerdings vorher rund zwei Stunden mit viel Folter, Gewalt, Manipulation und unklaren Handlungsmotivationen auf sich nehmen möchte, bleibt jedem selbst überlassen. Der Film wird sein Publikum finden, das er begeistert und die anderen warten lieber auf etwas leichtere Kost des Genres.

Artikel-Bewertung:

3.34 von 5 Sternen bei 91 Bewertungen.

Deine Meinung: