E-Sports-Event
Volle Konzentration beim Electronic Sports World Cup - Call of Duty | Foto: ESWC/Oxent
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27. Okt 2016

Sebastian Wolking

Games

E-Sports: So wirst du Pro-Gamer!

Ein Traumberuf für Zocker?

E-Sports: Preisgelder fast wie bei Wimbledon

Mit zwei Toren liegt Mohammad al-Bacha schon hinten, nur fünf Minuten Restspielzeit sind auf der Uhr. Eine schnelle Balleroberung, Finte, Doppelpass, klick klick klick – wenige Augenblicke später ist der 17-jährige Däne FIFA-Weltmeister und um 20.000 US-Dollar reicher. Die FIFA-Aficionados im New Yorker Apollo Theater sind aus dem Häuschen, sogar auf den flackernden Bildschirmen am Times Square wird Al-Bachas Match gegen den Engländer Sean Allen live übertragen. Das war im März 2016. Der FIFA Interactive World Cup ist das Mega-Event der FIFA-Daddler und rühmt sich selbst damit, das angeblich "größte Computerspielturnier der Welt" zu sein.

Und dennoch: Im Vergleich mit dem "Dota"-Turnier "­The International" ist der Cup ein Dorfpokal. Beim letzten Weltfinale des Echtzeit-Strategiespiels, im August in der proppevollen Key Arena in Seattle, wurden Preisgelder von sage und schreibe 20 Millionen Dollar ausgelobt. Zum Vergleich: Das Tennis-Turnier von Wimbledon, eine der größten und traditionsreichsten Sportveranstaltungen der Welt, füllte den Topf dieses Jahr mit insgesamt 40 Millionen Dollar. Aber während in Wimbledon schon seit 1877 gespielt wird, fand die Premiere von ­ "The International" erst 2011 statt. Der deutsche Top-Spieler Kuro Salehi Takhasomi alias "Kuroky" hat – wenngleich in Seattle erfolglos – nach Angaben der Community-Plattform "E-Sports-Earnings" im Laufe seines Zocker-Lebens schon über eine Million Dollar eingespielt.

Joshua Begehr

Der Weg zum Erfolg: Keine Partys, kein Urlaub, nicht ablenken lassen!

Die Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen, doch die besten E-Sportler sind längst Vollprofis, Millionen träumen weltweit von einer Berufslaufbahn als Konsolenkünstler. Joshua Begehr hat sie schon – fast jedenfalls – hinter sich. Der 28-Jährige fing mit zarten vier Jahren an zu daddeln, mit 14 war er de facto Profi. "Es ist sehr wichtig, seine Ziele schon früh konsequent zu verfolgen", sagt er rückblickend.

"Im Vordergrund stand für mich der Traum vom WM-Titel in FIFA. Dafür habe ich sieben Tage die Woche an meinem Spiel gearbeitet, war selten feiern, habe keinen Urlaub gemacht und mich nicht ablenken lassen. Wenn man eine kurze Zeit nicht trainiert, hat man einen zu großen Rückstand." Verdienter Lohn der Mühen: der Sieg bei den World Cyber Games 2009, der ehemaligen WM.

Heute ist Joshua Trainer beim E-Sports-FIFA-Team von Schalke 04. Nach dem VfL Wolfsburg ist dies der zweite Bundesliga-Verein, der eine professionelle E-Sports-Mannschaft aufgebaut hat. Der Arbeitgeber zahlt den Spielern ein Gehalt, bei Spielerwechseln fließen Ablösesummen, fast so wie im echten Fußball. "Wenn man bei solch einem Megatrend vorne mitmischen möchte, muss man schnell und mit der richtigen Strategie partizipieren. Und zwar nicht erst morgen oder übermorgen, sondern schon heute", sagt Joshua.


Im Video: Joshua Begehrs Sieg bei den World Cyber Games 2009


Sechs bis acht Stunden Training am Tag

Der Konsolenfußball ist für die Knappen potenzieller Stadionfüller, Fan-Rekrutierungstool und Einnahmequelle. "Früher oder später werden alle Bundesligisten einsteigen", ist Joshua überzeugt. Immerhin werde der Elektro-Sport in den kommenden Jahren an allen anderen Sportarten – mit Ausnahme des echten Fußballs vielleicht – vorbeiziehen. "Die Stadien mancher E-Sport-Events sind schneller ausverkauft als Konzerte von Adele und Justin Bieber, nämlich in weniger als einer Minute", behauptet er.

Mit seinen Schützlingen trainiert Joshua sechs bis acht Stunden am Tag. Wenn er neue Talente scoutet, achtet er vor allem auf Tugenden wie Zuverlässigkeit, Auftreten, solide Ausbildung. Auch diesbezüglich gibt es also Parallelen zum Rasen-Fußball. Und, so betont er, man müsse sich als Spieler schon sehr früh für ein Game entscheiden. Gleichzeitig Weltklasse-Niveau im Strategiespiel League of Legends, dem Ego-Shooter Counterstrike und FIFA haben — unmöglich!


InfoDie wichtigsten E-Sports-Games:

  • Dota 2
  • League of Legends
  • Counter-Strike: Global Offensive
  • Star Craft II
  • Hearthstone: Heroes of Warcraft
  • FIFA
     

Mehr Infos zu Joshua Begehr und das E-Sports-Team von Schalke 04 unter www.facebook.com/S04EsportDE

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