Autorenbild

09. Aug 2016

Christopher Lymer

Games

Im UNICUM Game-Test: Assassin's Creed: Syndicate

-ARCHIV-

Bildhübsche Fortsetzung der Action-Reihe mit einem Haken

Der Kampf geht weiter: London’s calling!

London 1868: Mit Entfesselung der Industriellen Revolution klafft im viktorianischen Empire ein gigantisches Loch zwischen Ober- und Unterschicht. Die wachsende Verzweiflung manifestiert sich in Unruhen und kriminellen Straßengangs. Genau hierhin zieht es unsere Protagonisten, die beiden Assassinen-Zwillinge Evie und Jacob Frye, um einem hochrangigen Templer namens Crawford Starrick das Handwerk zu legen.

Nicht nur ist letzterer in Besitz eines Edensplitters – ein Artefakt, das seinem Eigentümer übernatürliche Macht verleiht –, Crawford Starrick gilt auch als heimlicher Herrscher über die Perle des Empires, der in allen Wirtschaftszweigen die Fäden zieht.

Mit dem Ziel, London von dem Joch der Templer zu befreien, stampfen Evie und Jacob kurzerhand eine Straßengang, die Rooks, aus dem Boden, um an ihrer Spitze die Säulen von Starricks Herrschaft nach und nach einzureißen. 

 

Ein ungleiches Paar

Mit dem Zwillingspaar beschert uns Assassin’s Creed: Syndicate in der Hauptrolle erstmals eine Doppelbesetzung: Während Jacob kein Freund von höflichen Plaudereien ist und risikofreudiges Handeln jederzeit aller ausbremsenden Strategie und Taktik vorzieht, widmet sich Evie bei der Suche nach dem Edensplitter mit Vorliebe den intellektuellen Herausforderungen und zieht im Vergleich zu ihrem Bruder unauffällige Konfliktlösungen vor.

In wessen Rolle wir schlüpfen, können wir uns in der Regel aussuchen. Nur für Missionen im Rahmen der Hauptstory ist der Protagonist meist vorgeschrieben. Das ist aber kaum ein Problem, denn spieltechnisch unterscheiden sich beide Charaktere so gut wie gar nicht voneinander. Schließlich sind beide mit den gleichen Fähigkeiten ausgestattet, die wir im Verlauf des Spiels über einen Talentbaum verbessern können.

Lediglich in den letzten Verzweigungen begegnen uns hier jeweils drei Fertigkeiten, die ausschließlich Evie bzw. Jacob vorbehalten sind. Ins Gewicht fallen diese für die Spielwiese dann jedoch nicht, sodass es für uns keinen echten Unterschied macht, welchen der beiden Geschwister wir steuern – schade!

 

Queen Victorias London – ein wahrer Augenöffner!

Wie bereits bei den Vorgängern entpuppt sich auch bei Assassin's Creed: Syndicate die Kulisse als der eigentliche Star des Action-Titels. Das diesige viktorianische London mit seinen historischen Wahrzeichen und Parks, seinen Kutschen und Pubs sowie seiner geschäftigen  Industrie, deren rauchende Schlote und beladene Kräne sich über den Horizont der Weltstadt erstrecken, ist eine wahre Augenweide.

Ob bei klarem Sonnenschein auf der Spitze des Big Ben, unter regenverhangenen Wolken auf der Kuppel von St. Pauls Cathedral oder bei Laternenlicht an den Ufern der nachtschwarzen Themse – mit dynamischem Tag-Nacht-Wechsel und atmosphärischen Wettereffekten malt Assassin’s Creed: Syndicate immer neue, stimmungsvolle Panoramen, an denen wir uns einfach nicht satt sehen können.

Was gibt’s neues?

Wie zu erwarten fährt die mittlerweile neunte Auskopplung des Meuchler-Franchise nur mit überschaubaren Neuerungen auf: Während die im letzten Teil eingeführte Schleichmechanik übernommen wurde, hat man sich vom Koop-Gameplay komplett wieder verabschiedet. Immerhin das Kampfsystem erfährt in Assassin’s Creed: Syndicate eine sinnvolle Generalüberholung und orientiert sich nun stärker an den dynamischen Freeflow-Kämpfen, die wir von den Arkham-Titeln kennen.

Darüber hinaus dürfen sich Jacob und Evie über einen Enterhaken inklusive Seilrutsche freuen, mit dem sich turmhohe Fassaden in Windeseile erklimmen und weite Schluchten mühelos überwinden lassen. Sowohl dieses neue Gadget als auch die zahlreichen Kutschen, die durch die Gassen Londons poltern und sich ganz GTA-like per Knopfdruck kapern lassen, erleichtern uns unsere Reise durch die Weiten Londons ungemein und steigern spürbar den Spielfluss.

Abgesehen davon bleibt – bis auf die üblichen Justierungen – alles beim Alten: In bester Parcours-Manier klettern, springen und hangeln wir uns durchs historische Ambiente, erklimmen Aussichtspunkte und decken somit stückweise die Karte inklusive Missionspunkte auf. Uns steht frei, der Story zu folgen, berühmten Persönlichkeiten wie Charles Dickens und Karl Marx zu helfen oder die Stadtteile über das Absolvieren von Nebenmissionen nach und nach von den Templern zu befreien und uns somit in die Assassin’s Creed typische Repetitions-Hölle zu begeben.

 

Fazit zu Assassin's Creed: Syndicate

Assassin's Creed: Syndicate kann mit seinem grandiosen Setting und einer Handvoll neuer Ideen punkten. Trotzdem hält es an vielen Schwächen seiner Vorgänger wie der belanglosen Story oder dem episodischen, auf Wiederholung angelegten Missionsdesign fest. Dieses Dilemma wird auch in Zukunft bestehen bleiben, sollte sich das Franchise nicht vom Motto "größer, schneller, weiter" in Richtung "Klasse statt Masse" verabschieden. 

Fans der Serie können natürlich auch bei Assassin’s Creed: Syndicate beherzt zugreifen. Alle anderen brauchen sich zumindest nicht auf unerwartete Überraschung gefasst machen. Denn: Egal, wie groß der Sack ist, Ubisofts Katze ist immer dieselbe. Lediglich die Farbe des Fells ändert sich.


Assassin's Creed: Syndicate

Ubisoft

Erhältlich für PC, Playstation 4 und Xbox One

Ab 16 Jahren

assassinscreed.ubi.com

Online bestellen (Amazon): Assassin's Creed: Syndicate

Artikel-Bewertung:

3.09 von 5 Sternen bei 269 Bewertungen.

Passende Artikel