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09. Aug 2016

Christopher Lymer

Games

Im UNICUM Game-Test: Mittelerde: Mordors Schatten

-ARCHIV-

Ein Spiel uns zu knechten, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden

Im Lande Mordor, wo die Schatten droh'n …

Noch bevor sich Frodo auf den beschwerlichen Weg macht, den einen Ring zum Schicksalsberg zu tragen, fällt am anderen Ende Mittelerdes der Waldläufer Talion samt Familie den grausamen Heermeistern des eben nach Mordor zurückkehrenden Sauron zum Opfer. Hilflos muss Talion mitansehen, wie seine Geliebte Ioreth und Sohn Dirhael vom obersten Diener des dunklen Herrschers niedergestreckt werden, bevor er selbst die kalte Klinge des schwarzen Stahls spüren darf.

Dem endgültigen Tod entkommt Talion allerdings, da ein mächtiger Fluch den ruhelosen Rachegeist eines Elben an seinen Körper bindet und ihm somit neues Leben einhaucht. Ab jetzt gibt es für unseren Protagonisten nur noch ein Ziel: Vergeltung üben – und zwar in den obersten Rängen der Orkarmee Mordors.

Der Assassine von Mordor

Die mächtigen Fähigkeiten, die Talion durch den unfreiwilligen Bund mit dem Rachegeist erlangt, kommen uns für dieses Vorhaben gerade Recht. Sei es der Einsatz seines magischen Bogens oder das gewaltsame Eindringen in den Verstand unserer Feinde: die Kraft des Elbengeistes bietet uns ein ganzes Arsenal an nützlichen Manövern. Wer es etwas bodenständiger mag, kann natürlich auch auf Dolch und Schwert zurückgreifen.

Ganz gleich, welcher Mittel wir uns bedienen, uns bleibt stets die Wahl, ob wir vornehmlich an unsere Gegner heranschleichen, um sie still und heimlich auszuschalten, oder ob wir uns direkt in die Feindeshorden stürzen, um diese in dynamischen Freeflow-Kämpfen à la Batman: Arkham City auseinander zu nehmen.

Je öfter es uns dabei gelingt, mit Hieb-, Konter-, Betäubungs- oder Ausweichattacken aufeinanderfolgende Treffer zu landen, ohne selbst einstecken zu müssen, desto mehr Erfahrungspunkte winken am Ende der Schlacht. Diese lassen sich in den Ausbau unserer Fähigkeite investieren.

Abseits dieser extrem unterhaltsamen Scharmützel lädt uns die karge Landschaft Mordors zum ausgiebigen Erkunden ein. Wie bei der Assassins Creed-Reihe dienen auch in der Open-World von Mittelerde: Mordors Schatten weitmaschig verteilte Aussichtspunkte dazu, die Landkarte allmählich aufzudecken und verschiedene Missionen freizuschalten. Diese und andere Orte erreicht Talion vornehmlich im Wechsel zwischen Spurt, Balanceakt und Weitsprung – auch hier zeigt sich eine frappierende Verwandtschaft mit den meuchelnden Kollegen aus dem Hause Ubisoft.

Immer was los im Land der Schatten

Aber ganz im Gegensatz zu den augenscheinlichen Inspirationsquellen, lohnt es bei Mittelerde: Mordors Schatten tatsächlich auf Erkundungstour zu gehen. Denn anstatt einer leeren Kulisse bietet uns das Action-Adventure ein lebendiges Setting, in dem sich immer etwas tut.

So kann es beispielsweise vorkommen, dass wir im Vorbeigehen Zeuge werden, wie zwei Orks eine Meinungsverschiedenheit gewaltsam aus der Welt schaffen, während ein paar Meter weiter eine Gruppe flüchtiger Sklaven von ihren Aufsehern gehetzt wird und ein wildgewordener Bergtroll in der Ferne eine unachtsame Ork-Patrouille in den Boden stampft.

Kenne deinen Feind: Das Nemesis System

Das beeindruckendste Feature von Mittelerde: Mordors Schatten stellt allerdings das innovative Nemesis System dar, welches sich der dynamischen Persönlichkeitsentwicklung der Hauptmänner des Ork-Heeres widmet. Diese spielen für uns eine zentrale Rolle, denn nur über ihre Kadaver führt unser Weg der Rache bis in die Führungsspitze von Saurons Armee.

Ausgestattet mit zufallsgenerierten Charakterzügen, persönlichen Ambitionen sowie einer festen Position im Sozialgefüge der Orkgemeinschaft, bilden sie unsere primären Ziele. Da jeder Hauptmann aber über eigene Stärken und Schwächen verfügt, empfiehlt es sich im Vorfeld eines Angriffes wertvolle Informationen einzuholen, an die wir durch Verhöre niederer Orks gelangen.

Schalten wir unser gewähltes Ziel schließlich aus, rückt schon bald ein anderer Schurke in der Hierarchie nach, was unter Umständen zu Konflikten führen kann. Sollten sich nämlich zwei Anwärter auf die freigewordene Stelle finden, kann das – zu unserem Vorteil – auch schon mal zu blutigen Konflikten innerhalb der Führungsriege Mordors führen.

Das Beste: Jede Handlung bleibt unseren Widersachern im Gedächtnis. So können sich im Verlauf des Spiels ausgeprägte Feindschaften entwickeln. Schließlich werden sich unsere Widersacher bei einer zweiten Begegnung an jede zugefügte Wunde, an jede Flucht, an jeden Triumph erinnern.

Fazit zu Mittelerde: Mordors Schatten

Mittelerde: Mordors Schatten ist das beste Beispiel dafür, dass Produktionen á la "besser gut abgekupfert als schlecht neuerfunden" hervorragend funktionieren können.

Das Mittelerde-Adventure vereint die besten Spielmechaniken seiner Inspirationsquellen und rundet das Ganze mit seinem großartig innovativen Nemesis System ab! Tolkien-Fans und Freunde bombastischer Fantasy-Action sollten keinen Moment zögern, sich in das Land der Schatten zu begeben.


Mittelerde: Mordors Schatten

Monolith Games/Warner Games

Erhältlich für PC, PS4 und xBox One

www.shadowofmordor.com

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