The Evil Within 2 PS4
The Evil Within 2: Survival-Horror trifft gut erzählte Story. | Foto: Bethesda Softworks
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21. Nov 2017

Christopher Lymer

Games

The Evil Within 2

Ein Traum von einem Albtraum

Zurück in die Horror-Matrix

Drei Jahre sind seit den Ereignissen von The Evil Within vergangen. Derweil versucht sich Ex-Detective und Protagonist Sebastian Castellanos von den unsagbaren Schrecken zu erholen, welchen er sich in der virtuellen Realität des STEM stellen musste. Mit wachsendem Zweifel daran, ob die Geschehnisse tatsächlich stattgefunden haben oder nur einem zunehmenden Irrsinn entspringen, sucht Sebastian fieberhaft nach Antworten – und zwar auf dem Boden eines Whiskeyglases.

Dies ändert sich schlagartig, als Sebastians ehemalige Kollegin Juli Kidman auftaucht und offenbart, dass Sebastians seit Jahren totgeglaubte Tochter Lily noch am Leben ist und sich in Gewalt der skrupellosen Organisation Mobius befindet. Schlimmer noch: Lily wird als Probandin eines Forschungsprojekts im STEM festgehalten, jener virtuellen Realität aus vernetzten Gedankenwelten, mit deren bizarren Schöpfungen Sebastian bereits vor Jahren Bekanntschaft machen musste.

Fest entschlossen die kleine Lily zu retten, schlüpfen wir erneut in die Rolle des gebrochenen Ex-Cops und lassen uns ein weiteres Mal in die traumhaft albtraumhafte Welt des STEM einspeisen.

Vorstadt-Tristesse als Bühne des Grauens

Und so begeben wir uns nach Union, der STEM-Version einer verschlafenen, amerikanischen Kleinstadt, die von Mobius als möglichst reizarme Testumgebung entwickelt wurde. Zum Zeitpunkt unserer Ankunft ist hiervon allerdings nicht viel zu spüren: Der Ort scheint buchstäblich  zu kollabieren, so dass wir am Horizont bereits schollenartige Landmassen in die Leere des Nichts treiben sehen.

Das ist jedoch bei weitem nicht der schlimmste Anblick: Schließlich ist ein Großteil von Unions Bevölkerung inzwischen zu zombieartigen Kreaturen mutiert, die von Blutdurst und Wut getrieben durch die Straßen streunen. Manche schleifen Kadaver hinter sich her, andere türmen sie zu Bergen oder laben sich laut grunzend an ihrem Fleisch, während der Rest in katatonischer Starre verfallen darauf wartet, dass sich ein achtloses Opfer nähert.

Es ist der Kontrast zwischen jenen grotesken Monstrositäten und der fast langweiligen Gewöhnlichkeit Unions mit seinem obligatorischen Diner, dem abgeschmackten Truck-Stop sowie den unscheinbaren Wohnhäusern, welche der beklemmenden Atmosphäre von The Evil Within 2 wahren Horror einspeist.

Überleben ist nichts für Weicheier!

Union macht jedoch nicht nur als stimmungsvolle Kulisse einiges her, sondern lädt uns mit seinen weitläufigen Arealen auch zum Erkunden ein. Zur Orientierung dient uns hierbei ein mobiles Funkgerät. Mit ihm können wir sowohl mit Kidman in Kontakt treten, als auch Resonanzpunkte in der näheren Umgebung erfassen, welche uns zu Nebenquest oder Ressourcen wie Waffen, Munition oder Hilfsmittel führen. Und die sind überlebenswichtig! Schließlich sind die Geschöpfe des STEM stets auf Blut aus und kennen keine Gnade.

Und auch wenn wir uns im Laufe der Story über ein wachsendes Arsenal an Schusswaffen wie Revolver, Schrotflinten und eine Stolperfallen erzeugende Armbrust freuen dürfen, ist The Evil Within 2 alles andere als eine Schießbuden-Simulation. Munition ist stets Mangelware und unsere Feinde – selbst die schwächsten unter ihnen – stecken unheimlich viel weg. Wer hier nicht zielsicher zwischen die Augen trifft, kann anfangs gut und gerne mal ein ganzes Magazin in einen anrennenden Gegner pumpen, bis dieser schließlich zu Boden geht.

Umso erfreulicher ist es, wenn wir auf unseren Streifzügen durch Union über eine Werkbank stolpern. Denn an ihr dürfen wir nicht nur Munition herstellen, sondern auch unsere Schießeisen upgraden – solange wir die notwendigen Materialien haben.

Dennoch ist es gerade zu Beginn ratsam, auf das Schleichsystem zu setzen, im Dickicht oder hinter Vorsprüngen Deckung zu suchen und den richtigen Moment abzupassen, um einen unachtsamen Gegner lautlos per Knopfdruck auszuschalten.

Erlegte Gegner gilt es dann auch schleunigst zu durchsuchen. Schließlich finden wir bei ihnen nicht nur allerlei nützliche Ressourcen, sondern auch grünes Gel. Und das benötigen wir dringend, um Sebastians Eigenschaften wie dessen Lebensenergie sowie Heilungs-, Schleich- oder Kampffertigkeiten zu verbessern.

Horror mit Herz

Neben dem eindrucksvoll schaurigen Setting und der vielseitigen Spielmechanik beschert uns The Evil Within 2 eine wendungsreiche Story, die im Vergleich zum ersten Teil deutliches Augenmerk auf eine behutsame Charakterzeichnung  legt.

Entsprechend bauen wir erst im diesem zweiten Teil eine emotionale Bindung zu unserem Protagonisten auf. Wir lernen in Sebastian einen gebrochenen Mann kennen, der sich selbst die Schuld am tragischen Tod seiner Tochter sowie dem spurlosen Verschwinden seiner Ehefrau gibt und seither vom Wunsch nach Wiedergutmachung getrieben wird. Dabei wird schnell klar, dass der brutale Überlebenskampf gegen die grauenvollen Geschöpfe des STEM auch ein Kampf gegen die Manifestationen von Sebastians ureigenen Dämonen ist.

Zwar gewinnt die Erzählung dadurch ungemein an Tiefe, macht es durch den konsequenten Bezug zu Ereignissen und Figuren des Vorgängers für Neuankömmlinge allerdings schwer, dem roten Faden zu folgen.

Fazit zu "The Evil Within 2"

Mit seinen ebenso vielfältigen wie grotesken Kulissen und Schreckgestalten gelingt es The Evil Within 2 eindrucksvoll, das mulmige Gefühl eines nicht enden wollenden Albtraums heraufzubeschwören, dessen Beschaffenheit sich ständig wandelt, um uns mit immer neuen Horrorvisionen das Mark gefrieren zu lassen.

Wer den ersten Teil bereits mochte oder sich für die eher seltene Kombi aus Survival-Horror und gut erzählter Story begeistern kann, sollte Union unbedingt einen Besuch abstatten.


UNICUM Gaming-Tipp

The Evil Within 2 GameThe Evil Within 2

Bethesda Softworks

Erhältlich für: PC, PS4, Xbox One

Ab 18 Jahren

Artikel-Bewertung:

3.16 von 5 Sternen bei 32 Bewertungen.

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