Nick Howard
Foto:

21. Jun 2016

Entertainment

IM UNICUM Interview: Nick Howard

Zwei Jahre nach seinem Sieg bei "The Voice of Germany" startet der Brite mit neuem Album durch

"Ich werde immer ein Nerd bleiben"

UNICUM: Nick, vor deiner Karriere als Musiker hast du Informatik studiert und auch in diesem Beruf gearbeitet. Wie kam es denn dazu? Nick Howard: Ich habe mich seit meiner Kindheit für Computer interessiert und bin damit aufgewachsen. Aber die Musik war schon immer mein Ziel. Als Informatiker habe ich nur gearbeitet, um meine Rechnungen und die Miete zu bezahlen. Nach der Schule gab es für mich aber auch keine andere Wahl. Meine Eltern waren nicht reich, ich konnte mich nicht mit 16 hinstellen und verkünden: "Ich werde jetzt Musiker!" Ich bin also zur Uni gegangen, hab meinen Abschluss gemacht und mir Arbeit gesucht. Ich habe mein Studium jedoch sehr genossen – und die Fähigkeiten, die ich erlernt habe, helfen mir jetzt weiter. Als Independent-Musiker kann ich meine eigene Homepage erstellen. Ich designe jede Grafik und meine Album-Cover selbst. Mein Informatik-Studium ist immer noch sehr nützlich.

Zu Beginn deiner Karriere sollst du tagsüber in deinem alten Job gearbeitet haben, warst am Abend als Kellner angestellt und sollst nachts dann Musik gemacht haben...Oh, da habe ich für vier Jahre in New York gelebt. Ich weiß, das klingt schon sehr verrückt, aber zu diesem Zeitpunkt war ich 22 und es war einfach nur cool. Es war einfach dieses Gefühl: "Wow, ich bin in New York! Jetzt werde ich Musiker!" Es hat sich alles einfach richtig angefühlt – aber ich bin froh, dass ich nicht mehr in einem Restaurant arbeiten muss.

Würdest du denn jemals wieder zurück in deinen alten Job als Informatiker gehen? Nein, das ist wirklich nicht etwas, was ich jeden Tag bis zum Ende meines Lebens machen will. Musik wird immer ein großer Teil sein. Ich kann mir vorstellen, später, mit 40 oder 50, in anderen Bereichen des Musikbusiness zu arbeiten oder etwas komplett anderes zu machen. Und auch dabei werden meine Computer Skills sicherlich hilfreich sein. Schließlich ist die Musikproduktion mittlerweile komplett digital, ich benutze Computer jeden Tag. Ich werde immer ein Nerd bleiben.

Fragen dich deine Freunde und Familie öfter nach Hilfe mit dem PC oder nach einem Song? Meine Mutter braucht ständig Hilfe mit ihrem Computer, das ist schon lustig. Aber ansonsten hält es sich die Waage, ich würde 50/50 sagen! (lacht)

"Ich habe so lange in einem Job gearbeitet, den ich nicht wirklich wollte"

Deiner Mutter wirst du sicherlich meistens telefonisch helfen müssen – es scheint nämlich, als wärst du einfach ständig auf Tour!Ich liebe es, live zu spielen. Das ist die Art von Musiker, die ich bin. Ich war schon immer ein Live-Künstler – auf einer Bühne zu stehen ist das Wichtigste für mich. Aber das ständige Reisen kann auch ziemlich anstrengend sein. Naja, ich beschwere mich dann schon manchmal, aber auf der anderen Seite bin ich sehr glücklich damit. Ich habe so lange in einem Job gearbeitet, den ich nicht wirklich wollte, nur um einmal dieses Leben als professioneller Musiker zu führen.

Und nach einer Tour? Zieht es dich in deiner Freizeit in die Ferne oder bleibst du lieber daheim? Manchmal, wenn eine Tour zu Ende geht, bleibe ich noch einige Tage am letzten Stopp und verbringe dort einen kleinen Urlaub. Aber eigentlich zieht es mich, wann immer ich Zeit habe, zurück zu meinen Freunden und meiner Familie. Auch wenn es so wirkt: Ich bin keine rastlose Person. Ich liebe mein Zuhause und eine gewisse Bequemlichkeit. Aber für meinen Job muss ich einfach ständig unterwegs sein. Als Musiker kann man ja leider nicht jede Nacht in der gleichen Stadt spielen ... Naja, außer man ist Paul McCartney, dann geht das vielleicht doch. (lacht)

Du hast die Songs deines aktuellen Albums "Living in Stereo" in Los Angeles, New York, London und Nashville geschrieben und komponiert. Inwiefern haben diese Städte deine Musik beeinflusst? Ich war die letzten 18 Monate auf Tour, in den USA, Europa, Großbritannien und Asien. Insgesamt waren es an die 200 Konzerte. Ich habe so viele verschiedene Orte gesehen, so viele Menschen getroffen - das alles hat mich inspiriert. Deswegen sind die Songs auf "Living in Stereo" so unterschiedlich, an ihnen hört man den Einfluss der Städte und Länder, in denen ich unterwegs war.

Ein Leben nach und mit "The Voice of Germany"

In Zusammenhang mit deinem Namen muss man unweigerlich auf deinen Sieg bei "The Voice of Germany" zu sprechen kommen. Du hast vor deinem TV-Auftritt schon so lange als professioneller Musiker gearbeitet - wie bist du dann in eine Casting-Show geraten? Ich hatte zwar einigen Erfolg vor "The Voice of Germany", aber es ist als Independent-Musiker schwer, diesen aufrechtzuerhalten. Es kommt immer der Punkt, an dem etwas passieren muss, damit man den nächsten Level erreichen kann. Ich war fünf Jahre als Teilzeit-Musiker unterwegs, dann drei, vier Jahre als Vollzeit-Musiker – es brauchte einfach einen Schub, damit es weitergehen konnte. Auf meinen ganzen Tourneen hatte ich mir eine Fan-Basis in Deutschland erspielt, daher hat mein Manager vorgeschlagen, es hier mit der Show zu probieren. Ich habe mir nie erträumt, dass ich je gewinnen könnte. Ich dachte, ich trete einmal im TV auf und gewinne ein paar neue Fans dazu.

Hat es dir der Sieg bei "The Voice of Germany" im Musik-Business leichter gemacht? Es war toll, dort zu gewinnen. Das hat mir viele Türen geöffnet. Aber in Deutschland ist der Casting-Show-Stempel nicht immer von Vorteil. Ich musste mich in den letzten zwei Jahren sehr anstrengen, um zu beweisen, dass ich ein richtiger Musiker bin. Und, dass ich nicht mehr weggehe.

Würdest du anderen die Teilnahme an einer Casting-Show empfehlen? Nicht, wenn du erst 15 Jahre alt bist! Ich denke, dann solltest du erst einmal zur Schule gehen. Wenn man zu einer Casting-Show gehen will, dann sollte Musik bereits ein Teil des Lebens sein. Es sollte nicht nach dem Motto ablaufen: "Ich geh mal hin und bin dann Katy Perry". So läuft das nicht. Katy Perry hat zehn Jahre lang getourt, bevor sie Erfolg hatte. Musik ist wirklich harte Arbeit. Ich war Ende 20, als ich bei "The Voice of Germany" mitgemacht habe. Ich hatte vor der Show schon 500, 600 Konzerte gespielt. Ich war einfach bereit, meine Chance zu nutzen; konnte damit umgehen, jede Woche vor einem Millionenpublikum aufzutreten. Casting-Shows an sich sind eine tolle Idee – gerade "The Voice" hat einen tollen Ruf –, aber man sollte vorher die Realität des Musikbusiness kennen.

"Die hat es einfach alles nicht interessiert"

Dein neues Album "Living on Stereo" wird nicht auf einem der großen Labels veröffentlicht. Wurde dir diese Tür nicht durch "The Voice of Germany" geöffnet? Wenn du mit der Musik anfängst, dann willst du es unbedingt zu einem Major-Label schaffen. Das habe ich auch acht Jahre lang versucht. Doch als es endlich geklappt hat, habe ich schnell schlechte Erfahrungen gemacht. Nach "The Voice of Germany" war ich wirklich offen für alle Optionen und Vorschläge. Was mich dann enttäuscht hat: Die hat es einfach alles nicht interessiert. Das ist das Problem: Du steckst all deine Energie in deine Musik, arbeitest zehn Jahre daran, aber die kümmert das alles nicht. Die sehen nur: Wie können wir nächste Woche möglichst viel Geld machen. Doch darum geht es nicht in der Musik. Ich bin wirklich froh, dass ich wieder Independent arbeiten kann. So kann ich mich einfach mit Leuten umgeben, die sich für mich und meine Musik ehrlich interessieren und nicht dazu gezwungen sind.

Wie würdest du denn dein neues Album "Living in Stereo"in drei Worten beschreiben?Gute Frage! (lacht und fängt an zu überlegen) Spaß. (überlegt) Anders. (überlegt wieder) Neu.

Und, wie würdest du selbst deine Musik definieren? "Living in Stereo" ist mein mittlerweile viertes Album. Die drei Vorgänger-Platten waren sehr Singer/Songwriter- und Folklastig. Dieses Mal wollte ich den Menschen eine andere Seite von mir zeigen. Ich habe versucht, Spaß zu haben, das Schreiben und Aufnehmen zu genießen. Das war für mich das Wichtigste. "Living in Stereo" ist daher einfach frischer.

Trotz "The Voice of Germany" gibt es sicherlich noch Leute, die dich und deine Musik nicht kennen. Welchen Song kannst du empfehlen, um mit Nick Howard zu starten? (überlegt) Ich würde "Untouchable" sagen, die erste Single-Auskopplung aus dem neuen Album. Damit kann man sich ganz gut an meine Person herantasten. Der Song spiegelt einfach sehr gut meine Einstellung wider, aus etwas Negativem stets etwas Positives zu machen.

UNICUM Musiktipp

Living in Stereo

Nick Howard

7music (Membran)

VÖ: 27.06.2014

Tour 2014: 25.09. Berlin | 26.09. Hamburg | 27.09. Köln | 28.09. Amsterdam | 30.09. Stuttgart | 01.10. München | 02.10. Wien | 03.10. Frankfurt | 04.10. Zürich

www.nickhowardmusic.com

Artikel-Bewertung:

3.02 von 5 Sternen bei 215 Bewertungen.