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Ist es bald normal, mit einem Bot zu chatten wie mit einem Freund? | Grafik: Thinkstock/neyro2008

Netzwelt

31.01.2017

WhatsApp

11 Updates, die wir uns von WhatsApp WIRKLICH wünschen!

WhatsApp hat ein Update angekündigt, das einige neue Funktionen mit sich bringt: Du fragst dich, wo sich deine Freunde gerade herumtreiben? Das soll sich mit einem neuen ... mehr »

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09. Feb 2017

David Streit

Netzwelt

Hilfe, die Chatbots kommen!

Was sie können – und was nicht

Die Absicht bestimmt die Wahrnehmung

Eine Sache gleich vorweg: Bots wollen selbst bestimmt niemandem schaden. Es sind auch keine kleinen Wesen, die Menschen bewusst austricksen. Ein Bot ist eigentlich nur ein automatisierter Prozess, der bestimmte Befehle ausführt. Also zum Beispiel alle paar Minuten die Temperatur abfragt oder auch bestimmte Informationen mit der Welt teilt. Man kann ihn sich wie einen persönlichen Butler vorstellen, der genau weiß, wie er einem helfen soll.

Leider können diese Automatismen aber auch missbraucht werden. Sogenannte Social Bots spülen zum Beispiel Themen, Personen oder Standpunkte in den sozialen Medien nach oben. Durch ein permanentes Grundrauschen bewirken sie etwa, dass Hashtags in die Trending Topics gelangen. In dem Fall lautet ihr Kommando: Nimm bestimmte Textbausteine und poste diese über einen Zeitraum verteilt.

Wenn die Macht zu stark­ ist

Erst vor wenigen Wochen haben Wissenschaftler ein riesiges Bot-Netzwerk zum Thema "Star Wars" aufgedeckt. Seit mehr als drei Jahren haben sich mindestens 350.000 Fake-Profile auf Twitter über Darth Vader, Han Solo und Co. unterhalten – und so zur Popularität des Franchises beigetragen. Mit weniger als zehn Followern pro Account ist die Relevanz jedes einzelnen zwar gering, doch zusammen dürften sie die Statistiken des sozialen Netzwerks gehörig durcheinander gebracht haben.

Einen Verantwortlichen konnte man leider nicht präsentieren, was diese Methode auch für Nachahmer interessant macht. In Deutschland möchte die Politik am liebsten einen Moralkodex aufsetzen, dass die Parteien zur Bundestagswahl auf vergleichbare Methoden verzichten. Twitter und Facebook selbst versuchen diesem Vorgehen mit der Zwei-Faktor-Authentifizierung entgegenzuwirken. Dafür müssen Nutzer ihre Identität zum Beispiel über E-Mail und Smartphone bestätigen, was es noch schwieriger macht Fake-Profile im großen Stil anzulegen.

Der Unterschied zur künstlichen Intelligenz

Du musst dir einen Bot wie das Rezept für ein leckeres Essen vorstellen. Es braucht mindestens einen Koch, der weiß, was er zubereiten möchte. Die Zutaten stellen sich nicht von allein zusammen. Genauso verhält es sich mit Bots, die keine eigenständigen Gedanken entwickeln oder selbstständig Inhalte produzieren können. Dafür braucht es immer einen Menschen im Hintergrund. Gleichwohl gibt es Forschungen, die genau diese Fähigkeiten untersuchen.

Microsoft hat im vergangenen Jahr einen Bot namens Tay auf Twitter veröffentlicht. Er sollte durch die Gespräche mit anderen Nutzern dazulernen und seinen Charakter bilden. Was daraufhin geschah, war so jedoch nie beabsichtigt: Die Leute haben Tay durch gezielte Beeinflussung zu einem rassistischen Sexisten gemacht. Und Microsoft stoppte das Experiment nach nur einem Tag. Nach diesem Beispiel haben viele Entwickler erkannt, dass sie besser damit fahren, ihren Bot bewusst auf wenige, vordefinierte Funktionen zu beschränken. Und die selbstlernenden Fähigkeiten noch etwas besser vor Missbrauch zu schützen.

Chatterbots

Chatbots: Das sind die Best Practices

Aber natürlich richten Bots nicht nur Schaden an. Vielmehr können sie viele Dinge, welche die Kommunikation verbessern, beispielsweise mit einem Programmcode unzählige Nutzer gleichzeitig zu unterhalten. Außerdem zwingt das Dialogformat Website-Betreiber ihre Inhalte einfacher aufzubereiten, was nicht zuletzt auch das Datenvolumen schont.

Seit Facebook im April 2016 offiziell Bots im Messenger erlaubt hat, haben auch immer mehr Firmen das Potential für sich erkannt:

  • eBays Shopbot ermöglicht es, die Plattform mit einem selbst aufgenommenen Foto zu durchstöbern. Nach dem Motto: Du fotografierst einen beliebigen Gegenstand und der eBay-Bot zeigt dir ähnliche Produkte aus dem Sortiment.
  • Mildred von Lufthansa hat sich dagegen darauf spezialisiert, dir für jede Flugroute die günstigste Verbindung herauszusuchen.
  • Richtig gut machen es auch das Content-Netzwerk funk und die Tagesschau, die mit Novi den ersten deutschsprachigen News-Bot im Facebook Messenger anbieten. Eine Redaktion bereitet die neuesten Infos auf und Novi meldet sich morgens und abends mit Updates bei dir. Wenn du zwischendurch wissen möchtest, was Trump wieder von sich gegeben hat, brauchst du nur zu fragen: "Was gibt’s Neues bei Trump?" Das Angebot ist deshalb so gut, weil echte Menschen das Nachrichtengeschehen für das Kurznachrichtenformat optimieren. Der Bot übernimmt die Dialogführung und präsentiert die News.

Chatbots stehen ganz am Anfang

Noch stecken Bots in den Kinderschuhen. Aber glaubt man Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, so werden wir uns schon bald mit Marken unterhalten wie mit Freunden. Und da wird auf der anderen Seite der Leitung eben kein Callcenter-Mitarbeiter mehr sitzen, sondern ein Algorithmus das Gespräch führen. Alles, was es dafür braucht, sind vorbereitete Antworten auf jede erdenkliche Frage.

Momentan verstehen Bots nur wenige, ausgewählte Formulierungen. Aber mit der Zeit werden sowohl das Verständnis, als auch die Vielfalt der Formulierungen wachsen. Dann können Bots nämlich auf einen immer größeren Datenbestand zugreifen – aber weiterhin keine eigenen Entscheidungen treffen. Leider gibt es in den sozialen Netzwerken kein Label, das Bots als solche kennzeichnet. Dafür kann man als Nutzer aber darauf achten, wie schnell die Reaktionszeit von Facebook-Seiten ist. Beim Hinweis "reagiert innerhalb weniger Sekunden" steckt mit großer Wahrscheinlichkeit ein Bot hinter dem Nachrichtenprofil.

Viel Spaß verspricht auch das Herausfordern vom automatisierten Gegenüber. Denn viele Macher verbauen Antworten auf den Sinn des Lebens oder bringen ihren Bots bei Witze zu erzählen. Sprich doch einfach mal mit ein paar Bots!

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Veröffentlicht am 14. Apr 2017 um 10:17 Uhr von Lisa Schneider
Gelungener Artkel