Urheberrecht Bilder
Jedes Foto das du machst, ist urheberrechtlich geschützt | Foto: Watari/Unsplash
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19. Sep 2018

Julian Baltruschat

Netzwelt

Urheberrecht bei Bildern

So bist du auf der sicheren Seite!

Bilder in Referaten und Vorträgen – vom Gesetz geschützt

Anfang März landete der Streit um die unerlaubte Benutzung eines Bildes in einem Referat einer Schülerin aus Waltrop vor dem Europäischen Gerichtshof. Die Schule veröffentlichte das gelungene Referat der Schülerin auf der Schulhomepage. Das Problem dabei: im Referat war unerlaubt das Bild eines Berufsfotografen zu sehen. Der Fotograf entdeckte sein Bild und verklagte daraufhin erfolgreich die Schule. Dabei beging die Schule einen kleinen aber fatalen Fehler: Sie stellte es der Öffentlichkeit zur Verfügung. Denn grundsätzlich dürfen Bilder in Vorträgen oder Referaten benutzt werden.

Der Fachanwalt für Medien- und Urheberrecht Dr. Kai Schmidt-Hern stellt dazu klar: "Das Urheberrechtsgesetz sagt, dass ich als Lehrender, Schüler oder Student ein Foto oder Bild für den Kurs, die Klasse oder die Arbeitsgemeinschaft benutzen darf. Ich darf es vervielfältigen, ich darf die vervielfältigen Stücke an die Teilnehmer der Veranstaltung verteilen und ich darf sie auch mit einem Projektor an die Wand werfen. Und ich dürfte auch über das Internet den Teilnehmern das Bild zur Verfügung stellen, wenn ich sicherstelle, dass durch einen passwortgesicherten Zugang tatsächlich nur die Teilnehmer darauf zugreifen können." Werden Bilder zum Zwecke der Lehre und Wissenschaft benutzt, muss der Fotograf oder Künstler also nicht um Erlaubnis gefragt werden.

"Wenn wir über die Nutzung von Bilder durch Studenten und Schüler sprechen, bewegen wir uns im Bereich dieser Ausnahme, Schranke wird das auch genannt, zu Gunsten von Lehre und Wissenschaft", sagt Schmidt-Hern. Genau diese "Schranke" schützt dich also vor möglichen Schadensersatzklagen des Urhebers. Konsequenzen hast du erst zu befürchten, sobald das von dir benutzte Bild der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird. Verwendest du unerlaubt auf deiner eigenen Homepage ein urheberrechtlich geschütztes Bild, musst du mit Konsequenzen rechnen. Grundsätzlich benötigst du in so einem Fall immer die Erlaubnis des Fotografen bzw. des Künstlers, um ein Bild für deine Zwecke zu verwenden. Überlege dir lieber zweimal, welche Bilder du benutzen willst und welche nicht.

Wie kann ich meine Bilder schützen?

Wenn du in deiner Freizeit oder sogar freiberuflich fotografierst, wirst du diese Bilder mit großer Wahrscheinlichkeit auch hochladen. Gibt es eine Möglichkeit, wie du deine Bilder vor der unerlaubten Nutzung schützen kannst? Und wie kannst du herausfinden, ob deine Aufnahmen unerlaubt benutzt werden?

Dazu der Experte: "Ich brauche nichts zu tun, damit die Bilder rechtlich geschützt sind. Der rechtliche Schutz besteht, sobald das Bild existiert. Das passiert automatisch. Um meine Rechte zu schützen, muss ich effektiv die Nutzung überwachen, indem ich das Internet durchforste und gucke, wo meine Bilder genutzt werden."

Lädst du zum Beispiel regelmäßig deine Bilder auf Plattformen wie Pinterest oder Instagram hoch, kann es sehr schnell passieren, dass deine Bilder ohne deine Erlaubnis kopiert und auf anderen Accounts veröffentlicht werden. Du kannst relativ einfach mit der Google Reverse Image Search nach deinen Bilder suchen. Lade dazu dein Bild auf Google hoch und nach kurzer Zeit werden dir alle Bilder angezeigt, die eine Ähnlichkeit zu deinem Bild aufweisen sowie Websites, auf denen dein Bild platziert wurde.


Bilder Urheberrecht


Ich finde meine Bilder woanders wieder – und jetzt?

Hast du dein Bild auf einer Website entdeckt, ist es immer möglich, den Benutzer deines Bildes kostenpflichtig abmahnen zu lassen. Du kannst dies auf eigene Faust machen, solltest aber grundsätzlich immer einen Anwalt kontaktieren. Kommt es zu einer Urheberrechtsverletzung, muss der Verletzer, also der Nutzer deines Bildes, dir deine angefallenen Anwaltskosten zahlen und darüber hinaus noch eine gewisse Summe an Schadensersatz sowie Abmahngebühren. "Der Schadensersatz ist in der Regel kein großer Betrag", so Anwalt Schmidt-Hern. "Das, was dem Verletzer weh tut, sind die Abmahngebühren. Da kommt es tatsächlich darauf an, welches künstlerisches Level das Bild hat, ob es professionell erstellt ist oder ein einfacher Schnappschuss ist. Die Abmahngebühren liegen zwischen 400 und 1000 Euro."

Dr.Schmidt-Hern Interview

Instagram und Co. – Haben Social Media-Kanäle Sonderrechte?

Auf Social Media-Plattformen werden jeden Tag ohne Hintergedanken Unmengen an Bildern gepostet und geteilt. Was ist schon dabei, wenn du den witzigen Schnappschuss einer anderen Person auf deinem eigenen Account postest? Wenn die Person etwas auf ihrer Seite teilt, ist sie ja quasi damit einverstanden, dass du ihre Bilder benutzen darfst, oder nicht? Ein verbreiteter Irrglaube, der häufig auch in Prozessen als Ausrede von Beklagten genutzt wird. 

"Soziale Medien haben im Allgemeinen keinen Sonderstatus", sagt Dr. Schmidt-Hern. "Ich darf definitiv nicht ohne um Erlaubnis zu fragen mir irgendein Bild aus dem Internet holen und das auf meiner Präsenz bei einer Social Media-Plattform einstellen. Das ist eine Verletzung des Urheberrechts", stellt der Anwalt klar. "Sicher kann man da nur sein, wenn jemand ausdrücklich einwilligt, sozusagen eine Einladung zur Weiterverbreitung ausspricht."

Das Fragen nach der Erlaubnis – eine soziale Realität

Kaum jemand fragt überhaupt beim Urheber nach, ob das Bild weiterverwendet werden darf, sondern postet und teilt in dem Glauben, dass er keine Konsequenzen zu befürchten hat, erklärt Dr. Schmidt-Hern: "Man muss natürlich gleichzeitig auch Folgendes beachten, im Grunde ein wenig vom Rechtlichen weg: Die Wirklichkeit ist ja, dass Bilder massenhaft verbreitet werden, ohne dass dort jemand gefragt wird. Und die Wirklichkeit ist, dass das Risiko, dass mich irgendjemand belangt, weil ich auf sozialen Medien ein Foto weiterverbreitet habe, ziemlich gering ist", so der Anwalt. "Wenn es sich um keinen professionellen Fotografen handelt, hat derjenige wenig Anreiz diese Person abzumahnen. Das findet einfach kaum statt", sagt der Experte für Urheberrecht. "Das ist wie eine soziale Realität. Es wird geduldet oder auch gewollt, ohne dass es ausdrücklich gesagt wird."

Das Risiko erwischt zu werden ist dementsprechend gering – ist aber gleichzeitig auch kein Freischein, um wild Bilder zu posten und zu teilen oder sie für seine eigenen Zwecke zu verwenden. Du solltest dir stets im Klaren sein, dass du wegen Urheberrechtsverletzung abgemahnt oder gar verklagt werden könntest.


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Ich habe eine Abmahnung erhalten – wie muss ich mich verhalten?

Sollte es passieren, dass du von einer Person wegen der unerlaubten Nutzung eines Bildes abgemahnt wirst, ist es ratsam, einen Anwalt einzuschalten. Denn häufig verlangt der Abmahner die Abgabe einer sogenannten strafbewehrten Unterlassungserklärung. Diese verpflichtet dich als rechtsverletzender Nutzer, dass du das Bild nicht noch einmal benutzt und im Fall einer erneuten Verwendung eine Vertragsstrafe zahlen musst. "In der Regel sollte man gucken, dass man diese Unterlassungserklärung abgibt", rät Schmidt-Hern. "Man sollte aber nicht automatisch die Unterlassungserklärung abgeben, die von mir verlangt wird. Denn häufig schießt diese über das Ziel hinaus", weiß der Medien-Experte. "Da lohnt es sich schon, einen Anwalt einzuschalten."  

Stockfotos – Achte auf deine Lizenzen!

Stockfotos aus Plattformen wie Getty Images oder Thinkstock werden heutzutage massenhaft für redaktionelle und kommerzielle Zwecke verwendet. In den sozialen Medien werden dir solche Bilder schon in Form von Memes begegnet sein. Für die Verwendung solcher Bilder benötigst du einen Account bei einer Stockfotoplattform deiner Wahl. Über den Account erwirbst du gegen eine Gebühr die Lizenz, um Stockfotografien zu verwenden. In den meisten Fällen, kannst du hier aus unterschiedlichen Paketen wählen, die dir ein gewisses Kontingent an Bildern pro Monat zur Verfügung stellen.

Es ist immens wichtig, dass du dir die Befugnisse deiner erworbenen Lizenzen genau durchliest: "Mitunter ist es so, dass gewisse Bilder nur für redaktionelle Zwecke freigegeben sind und nicht für werbliche", sagt Schmidt-Hern. "Es kommt auch vor, wenn Personen dort abgebildet sind, dass deren Zustimmung nicht in der Lizenz, die ich von der Bildplattform bekomme, enthalten ist. In der Modefotografie spricht man von einem Modelrelease", erklärt der Experte. "Ich brauche zur Benutzung, zur Verwertung eines Bilder, auf dem eine Person erkennbar abgebildet ist, sowohl die Zustimmung des Fotografen, als auch die Zustimmung des Abgebildeten. Die ist bei der Bilderplattform nicht automatisch enthalten. Da sollte man immer noch in die Bedingungen gucken."

Beim Bearbeiten von Bildern solltest du ebenfalls vorsichtig sein, denn häufig überschreitet dies die Befugnisse, die du auf der Stockfotoplattform erworben hast. Denn nur weil du eine Lizenz für das Bild hast, bedeutet dies nicht, dass du mit diesem anstellen kannst, was du willst. Auch in diesem Fall wäre es ratsam, sich die Bedingungen genauer anzuschauen, um mögliche Urheberrechtsverletzungen zu vermeiden.

Sonderfälle beim Urheberrecht

Innerhalb des Urheberrechts gibt es gewisse Ausnahmen, die dir erlauben, ein urheberrechtliches Bild zu verwenden, ohne die Erlaubnis des Urhebers zu besitzen. Die "Schranke" im Zuge der Lehre und Wissenschaft ist eine dieser Sonderregelungen. Eine weitere Ausnahme stellt das Zitatrecht dar: Setzt du dich innerhalb eines Artikels mit einem Bild auseinander, zum Beispiel künstlerisch oder über die zeitgeschichtliche Bedeutung dieses Bildes, darfst du es im beschränktem Umfang verwenden.

Darüber hinaus existierien noch sogenannte Bereichsausnahmen, etwa für den kirchlichen Gebrauch oder den Gebrauch in Gefängnissen. In diesen Fällen stellt der Gesetzgeber gewisse Bereiche vom Urheberrecht frei.

Bilder von Personen des öffentlichen Lebens und der Zeitgeschichte stellen ebenfalls eine Ausnahme dar. Hierunter fallen Politiker, Schauspieler, Sänger, Schriftsteller und Sportler. Diese Bilder dürfen ohne die Erlaubnis des Abgebildeten verwendet werden. Dabei ist zu beachten, dass in diesem Fall die Bildrechte des Abgebildeten und nicht die Rechte des Fotografen gelten.

Urheberrecht: Kurz und knapp zusammengefasst

  • Grundsätzlich ist jedes Bild urheberrechtlich geschützt
  • Wenn du ein Bild verwenden willst, brauchst du die Genehmigung des Fotografen
  • Soziale Medien haben keinen Sonderstatus beim Urheberrecht
  • Bilder, die in Referaten oder Vorträgen genutzt werden, benötigen nicht die Zustimmung des Fotografen
  • Es gibt verschiedene Sonderfälle im Urheberrecht (Zitatrecht, Schranke zu Gunsten von Lehre und Wissenschaft)
  • Achte bei Stockfotos immer auf die Lizenzbestimmungen

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