WhatsApp Alternativen
Alternativen zum beliebten Messenger-Dienst WhatsApp sind Threema, Signal und Wire. | Foto: Pixabay/Pexels
Autor

12. Apr 2019

Sherin El Safty

Netzwelt

WhatsApp Alternativen

Wir zeigen dir drei datensichere Messenger!

WhatsApp regelt unseren Alltag

Auch du planst wahrscheinlich einen sehr großen Teil deines Lebens mithilfe von WhatsApp. Verabredungen, Referate, Geburtstagspartys – all dies kannst du ganz einfach über WhatsApp vereinbaren. Damit bist du besonders unter Jugendlichen nicht allein. Innerhalb der JIM-Studie (Jugend, Information,Medien) aus dem Jahr 2018 nannten 90 % der 14- bis 15-Jährigen WhatsApp als die für sie wichtigste App. WhatsApp wurde 2009 als Instant-Messaging-Dienst gegründet.

Der App wird nachgesagt, die SMS abgelöst zu haben. Im Gegensatz zur traditionellen SMS bietet WhatsApp einen ganz entscheidenden Vorteil: WhatsApp ist kostenlos. Bei einer SMS musst du für jede einzelne Nachricht bezahlen und hast nur 160 Zeichen pro Nachricht zur Verfügung. Im Laufe der Zeit wurde WhatsApp immer wieder durch weitere Features, wie zum Beispiel dem WhatsApp-Call oder dem neue WhatsApp-Status, der der Story-Funktion bei Instagram ähnelt, ergänzt.

Open-Source-Programme ermöglichen eine Überprüfung von außen

Was ist also das Problem mit WhatsApp? Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass WhatsApp in jedem Fall eine Vorreiterrolle im Bereich der Messenger-Dienste innehat. Keine andere App dieser Art konnte so viele neue Nutzer generieren. WhatsApp steht bis heute noch unangefochten an der Spitze: Mit 1,5 Milliarden Nutzern weltweit ist WhatsApp der am häufigsten genutzte Messenger-Dienst. Trotz seines Erfolgs wird WhatsApp immer wieder vorgeworfen, gegen Datenschutzrichtlinien zu verstoßen. Diese Vorwürfe haben seit dem Zusammenschluss von WhatsApp, Facebook und Instagram noch weiter zugenommen.

Seit 2016 sind Nachrichten bei WhatsApp Ende-zu-Ende verschlüsselt. Das bedeutet, dass nur der Absender und der Empfänger die versandte Nachricht lesen können. Für alle anderen, wie zum Beispiel den Anbieter des Messenger-Dienstes, sind die Nachrichten eben verschlüsselt und somit nicht lesbar. Überprüfen, ob Nachrichten bei WhatsApp nun wirklich Ende-zu-Ende verschlüsselt sind, kann allerdings selbst ein Profi nicht, sofern er nicht für WhatsApp arbeitet. Denn WhatsApp ist keine Open-Source-Software. Open-Source bedeutet, dass der Quellcode eines Programms öffentlich einsehbar ist und von jedem verändert oder neu verwendet werden kann. Da der Quellcode bei WhatsApp eben nicht öffentlich ist, ist es von außen nicht möglich, die Software auf Fehler oder Lücken zu überprüfen.

Meta-Daten sind schützenswert

Zudem sind die tatsächlichen Nachrichten nicht die einzigen Daten, die über Messenger-Dienste vermittelt werden. Zusätzlich dazu gibt es nämlich noch die sogenannten Meta-Daten, von denen bekannt ist, dass WhatsApp sie sammelt. Zu den Meta-Daten gehören zum Beispiel deine eigene Rufnummer, mit der du dich bei WhatsApp registrierst, die Rufnummern deiner Kontakte, die automatisch an WhatsApp weitergeleitet werden, sowie dein WhatsApp-Profilbild.  Auch wird erfasst, wann, mit welchem Smartphone-Modell und von wo du eine Nachricht versandt hast. Letzteres kann WhatsApp entweder durch deinen aktivierten Ortungsdienst oder über das jeweilige Wlan, in dem du eingeloggt bist, herausfinden. WhatsApp kann also ziemlich gut nachverfolgen, mit wem du wann und wie oft kommuniziert.

Meta-Daten sind vor allem für große Firmen und Konzerne aufgrund von Werbezwecken von höchstem Interesse. Insbesondere seit WhatsApp und Instagram von Facebook gekauft wurden, ist es sehr wahrscheinlich, dass Meta-Daten hier weitergegeben werden. Zudem heißt es bei WhatsApp in den AGB: "WhatsApp verwendet die ihm zur Verfügung stehenden Informationen und arbeitet auch mit Partnern, Dienstleistern und verbundenen Unternehmen zusammen."  Wirklich kostenlos ist also auch WhatsApp nicht. Denn auch, wenn du kein Geld bezahlst, bezahlst du WhatsApp mit deinen Daten. Außerdem kündigte Mark Zuckerberg kürzlich an, dass zukünftig Werbung innerhalb von WhatsApp geschaltet werde. Einen Werbespot schauen, um eine Nachricht zu öffnen? Das wäre ganz schön nervig!

WhatsApp Alternativen, die Datensicherheit groß schreiben

Indem du die Einstellungen "zuletzt online um..." und "Nachricht gelesen um..." deaktivierst, machst du es WhatsApp wenigstens ein bisschen schwieriger, ein aussagekräftiges Aktivitätenprotokoll von dir zu erstellen. Natürlich gibt es neben WhatsApp auch viele andere Messenger- und Onlinedienste, die es mit der Sicherheit deiner Daten nicht ganz so genau nehmen. Aufgrund seiner hohen Nutzerzahl kommt WhatsApp derzeit allerdings eine Monopolstellung zu, die sich durch die Zusammenführung mit Facebook im Jahr 2014 noch verstärkte. Es ist nie gut, wenn ein Unternehmen in einer Branche zu viel Marktanteil besitzt und so die Nutzer immer abhängiger von sich machen kann. Auch das ist ein Grund, warum du über WhatsApp-Alternativen nachdenken solltest.


Threema

Logo von ThreemaBei Threema ist es möglich, sich ganz ohne Angabe der eigenen Rufnummer zu registrieren. Stattdessen kannst du dich mit deiner E-Mailadresse anmelden und bekommst dann eine Threema-ID zugewiesen. Aus diesem Grund musst du auch nicht deine komplette Kontaktliste mit dem Server von Threema synchronisieren, um dich mit deinen Kontakten zu verbinden. Stattdessen kannst du Personen unter Eingabe der jeweiligen Threema-ID finden und hinzufügen.

Das wirkt auf den ersten Blick vielleicht total kompliziert, hat jedoch den Vorteil, dass weder deine Nummer, noch die deiner Kontakte auf einem fremden Server landen. Threema gibt selbst an, nicht nachzuverfolgen, welche Threema-ID mit einer anderen wann und wie oft kommuniziert. Im Jahr 2015 bestätigte ein Schweizer IT-Forschungsinstitut, dass die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei Threema lückenlos sei. Da nach der erfolgreichen Zustellung alle bereits verschlüsselten Nachrichten vom Server Threemas gelöscht werden, sind bei Verlust oder Schaden deines Smartphones in jedem Fall all deine Daten verloren. Wenn du dem vorbeugen möchtest, solltest du ein persönliches Backup machen.Threema kostet für Android-Geräte 2,49 € und für Apple-Smartphones 2,99 €. So viel sollte uns die Sicherheit unserer Daten eigentlich auch wert sein, oder?


Wire

Logo von WireGanz ähnlich funktioniert der schweizer Messenger-Dienst Wire. Auch hier musst du dich nicht mit deiner Telefonnummer registrieren. Deine E-Mailadresse reicht völlig aus. Wire garantiert eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Nachrichten und ist ein Open-Source-Programm. Auch bei diesem Dienst ist das Hochladen deiner Kontaktliste optional. Ein Vorteil gegenüber Threema ist, dass du hier Personen auch anhand eines ausgewählten Nutzernamens suchen und hinzufügen kannst. Dies geht leichter als mit einer mehrstelligen ID. Außerdem kannst du bei Wire die Funktion "Selbstzerstörende Nachrichten" aktivieren. Du kannst also einen Zeitrahmen festsetzen, nach dem Nachrichten in deinen Chatverläufen automatisch gelöscht werden. Die Nachrichten sind dann auch bei deinem Chatpartner gelöscht.

Allerdings gibt Wire an, Metadaten zu sammeln, um die Funktionsweise der App zu gewährleisten. Im Gegensatz zu WhatsApp versichert Wire jedoch, dass die Daten nicht für kommerzielle Zwecke an Dritte weitergegeben oder verkauft werden. Für die private Nutzung ist Wire kostenlos.


Signal

Logo von SignalEdward Snowden sagt selbst, dass er Signal benutzt. Und das sollte ja eigentlich schon was heißen! Bei Signal als Open-Source-Programm ist die sichere Ende-zu-Ende-Verschlüsselung garantiert. Anders als bei den beiden vorherigen Apps musst du dich bei Signal mit deiner Telefonnummer registrieren. Den Betreibern, denen Datenschutz eigentlich sehr wichtig ist, ist bewusst, dass dadurch ein Stück Anonymität verloren geht. Sie finden vorteilhaft, dass man seine Kontakte so unkompliziert findet. Du synchronisierst zwar deine Kontaktliste mit Signal, dabei gelangen jedoch weder deine Rufnummer noch die deiner Kontakte als Klarnummern, sondern nur als verschlüsselte Daten, zum Server von Signal.

Auch dein Nutzerprofil sowie dein Profilbild und dein Nutzername werden lediglich verschlüsselt an den Server weitergegeben. Genauso sieht es mit dem Absender einer Nachricht aus. Bei Signal ist außerdem nicht zu sehen, wann du das letzte Mal online warst oder wann und ob du eine Nachricht gelesen hast. Noch ein Pluspunkt: Die App ist gratis!


Und was ist mit Telegram?

Logo TelegrammVielleicht wunderst du dich jetzt, dass in unserer Aufzählung eine App, die für Datensicherheit bekannt ist, gar nicht genannt wurde: Telegram. Da Telegram leider nicht Open-Source ist, ist eine umfassende Überprüfung des Datenschutzes nicht möglich. Unabhängig davon, dass deine Rufnummer und die deiner Kontakte auf dem Server von Telegram gespeichert werden, gibt es bei der App noch ein weiteres Problem. Innerhalb der Chats liegt nur eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung vor, wenn du diese auch wirklich mit der Option "Geheimen Chat starten" aktivierst. Das ist vielen Nutzern nicht bewusst. Bei der Benutzung von Telegram solltest du darauf achten.


Gute Argumente oder radikal sein

Letztendlich heißt es bei der Wahl deines Messengen-Dienstes: Abwägen! Die perfekte App gibt es nicht, da alle Anwendungen Vor- und Nachteile bieten. Die Entscheidung liegt also ganz bei dir. Trotz aller Bedenken gibt es natürlich trotzdem einen Grund, warum jeder WhatsApp auf dem Smartphone hat. Weil alle es nutzen! Vielleicht hast du es selbst schon einmal erlebt: Du hast dir einen anderen Messenger runtergeladen, aber irgendwie war da einfach niemand, mit dem du hättest schreiben können, sodass du im Endeffekt doch wieder WhatsApp benutzt hast. Die Nutzerzahlen der hier vorgestellten Apps sind im Vergleich zu WhatsApp verschwindend gering. Um deine Freunde von einer anderen App zu überzeugen, hast du leider nur zwei Optionen: Argumentieren und/oder radikal sein!

Dieser Artikel sollte dir eine gute Grundlage bieten, um deinen Freunden vor Augen zu führen, dass WhatsApp vielleicht doch nicht so kostenlos ist, wie es scheint und auch warum es so wichtig ist, auf seine Daten zu achten. Oft hört man das Gegenargument: "Ich habe nichts zu verbergen, also ist es nicht schlimm, wenn jemand meine Daten hat." Wenn man diesen Gedanken weiterführt, stellt sich die Frage: Brauchen wir dann auch keine Meinungsfreiheit mehr, wenn wir zu einem Thema keine Meinung haben? Natürlich kannst du auch die radikale Schiene wählen und WhatsApp auf deinem Smartphone einfach deinstallieren. Wenn dich jemand erreichen möchte, muss er sich eben Signal oder einen anderen sicheren Messenger-Dienst herunterladen.

Bei dieser Variante wirst du damit rechnen müssen, erstmal mit sehr wenigen Leuten chatten zu können. Auf lange Sicht gesehen, werden sich deine Freunde deinen Gewohnheiten jedoch anpassen und  erkennen, dass sie davon selbst profitieren.

Artikel-Bewertung:

3.33 von 5 Sternen bei 57 Bewertungen.

Deine Meinung: