Das Lumpenpack
Bei Das Lumpenpack erwarten dich Klamauk, Musik und ganz viel Konfetti | Foto: ROOF Music GmbH

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Nina Weidlich

Promis & Interviews

Die Zukunft wird groß: Das Lumpenpack im Interview

Das Lumpenpack: Zu groß für Lamas

UNICUM: Auf dem Cover eures neuen Albums posiert ihr auf Einhörnern und seht dabei ziemlich majestätisch aus. Trotzdem bleibt die Frage: Warum keine Lamas?
Max: Wir haben eine ganze Menge Sachen überlegt. Die erste Idee waren Vogelstrauße, aber das ging leider nicht. Da darf man nicht drauf reiten.

Jonas: Ist der korrekte Plural Vogelstrauße? Oder sagt man Vogelsträuße? Auf jeden Fall sind die auch ziemlich wild. Bei Lamas war dann das Problem, dass unsere Beine exakt 5 cm zu lang sind: Wenn wir auf Lamas sitzen, kommen wir auf den Boden. Für Alpakas waren die Reisekosten zu hoch.

Max: Wir haben uns dann für Einhörner entschieden – die hatten wir tatsächlich auch da. Das war also im Endeffekt mehr so ein Schnappschuss.

Jonas: Gängiger Ausritt. Super casual.

Waren die denn zahm?
Max: Das war super abgefahren. Meins hat beim Fotoshooting auf einmal gescheut, da kam ich mir wie ein richtiger Cowboy vor.

Jonas: Am Anfang hieß es: Das eine ist sehr alt, das ist sehr lieb, darauf kann man mega gut reiten. Das andere ist sehr jung, super muskulös, ein Springpferd. Darauf saß ich natürlich. Die Besitzerin meinte, das Pferd hat 100.000 Euro gekostet. Ich saß also quasi auf einem 100.000 Euro-Turnier-Springeinhorn.

Das ist krass. 100.000 Euro, das ist ja mehr als…
Max: … als alles! Ich habe noch nie so etwas Teures berührt.

Jonas: Tatsächlich saß ich noch nie auf etwas Teurerem – das wird so schnell auch nicht mehr passieren. Aber irgendwie war es kein 100.000 Euro-Gefühl. Vor allen Dingen nach einer Viertelstunde nicht mehr.


Das Lumpenpack: Kurz & Knapp

  • Das Lumpenpack sind Max Kennel (26) und Jonas Meyer (28)
  • Max ist der mit der Gitarre, Jonas der mit den heißen Dancemoves und dem Konfetti
  • Die beiden haben früher Poetry Slam gemacht, 2013 erschien ihr erstes Album "Steil-geh-LP"
  • "Die Zukunft wird groß" ist ihr drittes Album
  • Der bekannteste Lumpenpack-Song ist "Steil-Geh-Tag"
  • Max hat Psychologie studiert, Jonas Förderschullehramt für Deutsch und evangelische Theologie

Früher war alles besser? Nee, nicht so ganz.

Das Album heißt "Die Zukunft wird groß". Wie habt ihr euch eure eigene Zukunft vorgestellt, als ihr mit dem Studium angefangen habt?
Jonas: Auf jeden Fall Regelstudienzeit, gar kein Problem – das ziehe ich voll durch. Ich brauche auch nur ganz kurz BAföG, dann habe ich einen gut bezahlten Job irgendwo an der Uni. Dann mache ich den Bachelor, und den Master natürlich auch mega easy. Meine Masterarbeit wird so super, dass die veröffentlicht werden kann.

Max: Wirklich? Hattest du mal akademische Ziele?

Jonas: Ja, total. Der Plan war wirklich, dass ich zusammen mit drei Freunden schnellstmöglich das Studium durchziehe, dann machen wir an derselben Schule unser Referendariat, kaufen uns eine Villa und machen eine Vier-Personen-Lehrer-WG auf. Nach der wissenschaftlichen Arbeit für meinen Bachelor war mir aber völlig klar: Never ever. Ich möchte das nicht. Jetzt bin ich hier.

Immerhin saßt du auf einem 100.000 Euro-Einhorn.
Jonas: Ja, living the dream.

Was waren deine Pläne fürs Studium, Max?
Max: Voll schwierig, sich da zu erinnern. Ich glaube, ich wollte ein schönes Mädchen küssen. Das war mein primäres Ziel, meine Mission fürs Studium.

Jonas: Hat nicht funktioniert.

Max: Nee, erst danach.

In "Miriam" geht's um die Teenager-Zeit. Welche Probleme aus dieser Zeit wünscht ihr euch manchmal zurück?
Jonas: Ziemlich genau alle – wenn ich sie gegen die Probleme von heute tauschen könnte.

Max: Ich war zwischen 14 und 19 permanent unglücklich verliebt – das würde ich aber heute auch nicht nochmal erleben wollen. Was ich aber gerne zurück hätte, ist der Freizeitstress. Mit 17, 18 wusste man einfach gar nicht, wann man die ganzen coolen Dinge mit seinen Freunden machen soll.

Aber habt ihr nicht das Gefühl, dass man früher viel öfter Langeweile hatte als heute?
Max: Ich glaube, heute hat man auch Langeweile. Aber man merkt nicht mehr, dass es Langeweile ist. Ich bin dann direkt böse auf mich und denke "Fuck, ich bin nicht produktiv, ich muss irgendwas tun." Unser Problem als Band ist: Wir haben nie wirklich Arbeit, aber auch nie wirklich frei.

Jonas: Wenn ich auf Netflix die dritte Folge starte, weiß ich: Okay, du hättest auch andere Dinge tun können. Dir war offiziell langweilig. Aber jetzt hast du die dritte Folge gestartet, die guckst du jetzt auch fertig. Und wenn der Cliffhanger gut ist, dann guckst du auch noch die vierte.



Das Lumpenpack ist jetzt in einem Alter

Was würde euer 17-jähriges Ich heute von euch denken?
Max: Ich glaube, es wäre voll stolz und würde sich freuen. Ich war mit 17 so langweilig und spießig, dass ich das ziemlich cool gefunden hätte, was wir heute machen.

Jonas: Mein 17-jähriges Ich wäre eher peinlich berührt und fände es awkward.

Max: Jonas war ein cooler Junge.

Jonas: Naja so mittel, aber ich bin halt Skateboard gefahren. Das wäre mir zu wenig rockig, zu wenig Indie gewesen. Zu wenig Street.

Woran merkt ihr heute, dass ihr langsam alt werdet?
Max: Ich merke das in meinem Umgang mit Essen – dass ich super gerne koche, super bewusst esse. Ich feiere Essen. Und mit Anfang 20 war mir das so egal: Hauptsache billig, Hauptsache fettig und Hauptsache viel, damit man mehr Alkohol trinken konnte. Und dann noch einen Nachtdöner. Wenn ich heute einen Nachtdöner esse, dann ist echt schon super viel passiert. Dann war es ein wilder Ritt.

Jonas: Mein Körper sagt mir heute häufiger: Alter, chill mal. Ich habe schon so Alterskrankheiten, wie ein kaputtes Knie vom Skateboard fahren. Vor fünf Jahren war es zum Beispiel noch kein Problem, im Winter laufen zu gehen. Wenn ich heute versuche, bei fünf Grad plus auch nur gerade zu gehen, fängt mein Bein an zu quietschen. 

Gibt es etwas, das euch an unserer Generation besonders nervt?
Max: Dass es voll viel um uns selbst geht, weil wir so scheiße verwöhnt sind. Es gab nie eine Generation, der es besser gegangen ist. Gerade wenn man sich die Studenten anschaut: Wir haben einfach völlig andere Probleme als die, die wir uns machen.

Jonas: Es gibt tatsächlich krass viel weniger Miteinander. Alle machen erstmal ihren eigenen Stuff, dann umgeben sie sich mit Leuten, die für sie einen positiven Effekt haben.

Das hat aber auch sehr viel mit Social Media zu tun.
Max: Ja, ich meine: Wie kann Instagram ein Job sein?

Jonas: Wie kann Instagram dafür sorgen, dass du deine Miete bezahlen kannst, weil du dir zwölf Mal am Tag das Handy ins Gesicht hältst und Dinge erzählst? Aber man hält sich das Handy eben nicht zwölf Mal ins Gesicht, sondern 400 Mal. Das ist auch Arbeit, aber du kannst niemandem erklären, dass das ein Job ist. So wie wir auch manchmal Schwierigkeiten haben, zu erklären, dass wir Quatsch auf der Bühne machen und davon leben können.



Eltern kann man sich nicht aussuchen – Schwiegereltern schon

In "Eva P." singt ihr über ein fiktives Date mit der Tochter der ehemaligen AfD-Politikerin Frauke Petry. Wäre so eine Schwiegermama ein Ausschlusskriterium für euch?
Jonas: Sofort. Ich würde rückwärts aus der Haustür gehen, die Tür schließen und nie wiederkommen.

Max: Wenn sie mich ihren Eltern vorstellen wollen würde, schon. Dann wäre vorbestimmt, dass es permanent Streit gibt. Ich knalle ja schon manchmal mit meinen Eltern zusammen, weil sie einfach ein bisschen konservativer sind. Wenn ich mir vorstelle, meine Schwiegereltern wären in der AfD – da würde kein Frieden mehr herrschen.

Mit welcher Promi-Tochter würdet ihr euch denn gerne mal treffen?
Max: Vielleicht mit Barbara Schönebergers Tochter. Oder mit der von Anke Engelke – das wäre lustig.

Jonas: Oder Kai Pflaume.

Max: Warum Kai Pflaume?

Jonas: Der soll ganz nett sein!

Max: Du hast heute schon drei Mal über Kai Pflaume gesprochen. Ich weiß nicht, was bei dir los ist. Lieber irgendjemanden, dessen Eltern was sehr Spannendes machen.

Jonas: Oh ja! Nobelpreisträger oder sowas. Oder jemanden, der so richtig fies ultrareich ist. Das sind die Optionen, die man hat.  

Zukunftsplan: Hoffentlich klappt's!

Viele eurer Lieder handeln vom Studentenleben, von Partys und vom Älterwerden. Verarbeitet ihr in euren Songs denn wirklich eure persönlichen Erfahrungen?
Max: Teils, teils. Manchmal habe ich auch Angst, etwas zu verpassen. Dass ich nicht mehr da bin, wo die Dinge passieren, die relevant sind. Wir sind 200 Tage im Jahr unterwegs und an den restlichen 165 Tagen liegt man eigentlich auch sehr gerne auf der Couch und macht nichts. Und dann ist die Frage: Woher sollen die Erfahrungen überhaupt noch kommen?

Jonas: Es wird der Punkt kommen, an dem man einfach raus muss, um neue Sachen zu erfahren, die eben nicht so linear sind: Erst die Partys, dann der Job, dann kommt das Kind, das Haus, das Auto. Aber vielleicht läuft es auch genauso und vielleicht ist es dann auch okay. Wir hoffen es.

Singt ihr dann in Zukunft über Thermomix-Partys und Babykotze?
Max: Das könnte schon passieren, weil es halt auch witzig ist.

Jonas: Vor allem Babykotze…im Thermomix.

Falls es mit den reichen Schwiegereltern dann doch nichts wird: Was wünscht ihr euch für die Zukunft?
Max: Hoffentlich klappt's. Mit der Musik und mit dem, was wir jetzt gerade machen. Weil das wahnsinnig viel Spaß macht und super schön ist.

Jonas: Ja, hoffentlich sind wir noch ein paar Jahre lustig.


UNICUM Musik-Tipp:

Die Zukunft wird groß CoverDie Zukunft wird groß

ROOF Music GmbH

VÖ: 3. November 2017

Online bestellen (Amazon): Die Zukunft wird groß

 

Ihre "Die Zukunft wird groß"-Tour beginnt am 24. Januar 2018.

Alle Tourdaten findest du unter www.daslumpenpack.de/termine

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