Interview mit Ralf Dümmel
Ralf Dümmel ist einer der zwei neuen Investoren in "Die Höhle der Löwen" | Foto: VOX

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UNICUM: Wie wichtig ist bei den Pitches der erste Eindruck, wenn die Kandidaten vor Sie treten?
Ralf Dümmel: Der erste Eindruck ist immer wichtig, aber nicht zu 100 Prozent ausschlaggebend für eine positive oder negative Entscheidung. Die ersten Sekunden zahlen auf das Bauchgefühl ein, am Ende entscheiden die Menschen, das Produkt und die Zahlen. Sie dürfen nicht vergessen, dass der erste Eindruck aufgrund von Nervosität seitens der Gründer verfälscht sein kann. Durch die lockere Atmosphäre in der Höhle der Löwen und im Laufe des Gespräches wandelt sich dies meist.

Welches sind die häufigsten Fehler, die Gründer aus Ihrer Sicht machen?
Fehler ist relativ, aufgrund von Unerfahrenheit schätzen Gründer viele Situationen nicht immer richtig ein. Sie sind so überzeugt von ihrem Produkt, dass sie schwerer Tipps und Erfahrungen annehmen. Sie haben den typischen "Tunnel-Blick".

Gibt es für Sie als Investor moralische Grenzen? In welche Ideen würden Sie nie investieren?
Ja klar! Da es mir nicht allein nur um das Geldverdienen geht, würde ich nie in etwas investieren, das am Ende zwar ­ finanziell erfolgreich ist, dabei aber Menschen, Umwelt etc. zu Schaden kommen.

"Bei 1,3 Milliarden Chinesen kann man auch mal auf den Falschen treffen"

Sie lassen Ihre Waren in Asien produzieren. Doch gerade "Made in China" steht oft in der Kritik – zum einen wegen der Qualität, zum anderen wegen der Situation der Mitarbeiter.
Erst einmal sei gesagt, dass wir nicht nur in Asien produzieren, sondern auch in Deutschland und in Europa! Es stimmt aber trotzdem, dass ein großer Teil aus Asien kommt. Im Übrigen werden auch viele weitere große Marken dort produziert. Asien hat leider immer noch das beste Preis-Leistungs- Verhältnis – obwohl dort nicht nur billig, sondern auch in sehr guter Qualität produziert wird. Die Gefahr ist nur, dass man bei ca. 1,3 Milliarden Chinesen auf den "Falschen" trifft und nicht die passende Fabrik wählt. Deshalb hat DS Produkte 25 Mitarbeiter in Asien, die sich nur um das Thema Qualitätswesen kümmern und somit auch soziale Aspekte wie Arbeitsbedingungen, Arbeitszeiten usw. überprüfen und zertifizieren lassen.

Sprechen Sie selber Chinesisch? Empfehlen Sie jungen Leuten, diese Sprache zu lernen?
Es war immer ein Traum von mir, die Sprache zu sprechen. Weiter als "Hallo" und "Wie geht es dir?" bin ich leider noch nicht gekommen. Wenn ich nur mehr Zeit hätte, würde ich es heute noch lernen. Für alle, die in diesem Geschäft Fuß fassen wollen, ist es ein unglaublicher Mehrwert, die chinesische Sprache zu beherrschen. Wenn ich da alleine an die persönlichen Verhandlungen denke … Aber anders als noch vor 20 Jahren kommt man heute in der chinesischen Geschäftswelt mit Englisch zurecht.

Was sollte man ansonsten mitbringen, um im Handel erfolgreich zu sein?
Wille, Wille, Wille und "Können kommt von wollen". Außerdem sollte man ehrgeizig, risikobereit, fleißig und ein Stück weit von sich überzeugt sein. Dieses sind für mich die unbedingten Tugenden neben einigen weiteren.

"Eine Heißluft Fritteuse ist perfekt für Leute, die wie ich nicht kochen können"

Ihr Kontakt zu DS Produkte ist durch Zufall entstanden, weil eine Freundin von Ihnen Babysitterin beim damaligen Geschäftsführer Dieter Schwarz war. Was würden Sie sagen: Wie viel ist im Berufsleben planbar, wie viel hängt von glücklichen Zufällen ab?
Das ist schwer zu beantworten. Ich habe vor ca. 30 Jahren einen der wichtigsten Menschen in meinem Leben getroffen, der an mich geglaubt und mir vertraut hat. Aber ich bin selbstbewusst genug, um zu wissen, hätte ich diesen tollen Menschen nicht getroffen, müsste ich jetzt nicht unter der Brücke schlafen (lacht). Glück und Zufall muss man auch erkennen und am Schopfe packen, um am Ende erfolgreich zu sein.

Was fasziniert Sie an der Handelsbranche und speziell auch am Non-Food-Bereich?
Auch nach 28 Jahren oder gerade nach 28 Jahren fasziniert mich, dass es jeden Tag neue Ideen, Innovationen oder auch Herausforderungen gibt. Trotz meiner langen Erfahrung fiebere ich bei einer Produkteinführung jedes Mal den ersten Verkaufsergebnissen und der Frage "Top oder Flop" entgegen. Zum Glück liegen wir in unserer Einschätzung oft richtig, aber egal, wie lange man schon im Geschäft ist, wird man von den positiven oder negativen Ergebnissen auch mal überrascht.

Wie sieht es bei Ihnen zu Hause aus? Wie viele innovative Produkte besitzen Sie selbst?
Bei mir zu Hause sieht es gut aus, ich fühle mich wohl. Ich benutze wirklich viele DS Produkte, wie die Gourmetmaxx Heißluft Fritteuse und den Nutrition Mixer. Zwei perfekte Produkte für Menschen, die wie ich nicht kochen können. Für den täglichen Gebrauch bin ich aber zu selten zu Hause. Die in diesem Jahr sehr erfolgreiche "Wasserballon- Fabrik" kommt für mich persönlich leider viele, viele Jahre zu spät.


Ralf Dümmel

Zur Person Ralf Dümmel

  • Ralf Dümmel (49) ist der geschäftsführende Gesellschafter des Hamburger Handelsimperiums "DS Produkte".
  • Die Firma vertreibt Produkte im Konsumgüterbereich (z. B. bezahlbare Thermomix-Varianten).
  • Ralf Dümmels erster Job-Wunsch: wie sein Vater im Möbelhaus zu arbeiten. Dafür holte er extra seinen Realschulabschluss nach.
  • Seinen Spitznamen sieht er kritisch: "Mir ist wichtig, dass nicht ich der 'König der Produkte' bin, sondern das Team und alle Mitarbeiter, die täglich hart für den Erfolg arbeiten."
  • Du kannst ihm auf Twitter unter @RalfDuemmel folgen.

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