Interview Thomas Müller
Sympathisch im Interview: Thomas Müller | Foto: Brecher Visual Communication
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01. Apr 2016

Ann-Christin Kieter

Promis & Interviews

Thomas Müller im Interview: "Wir sind nichts anderes als Theaterspieler"

Der Stürmer-Held über seine Rolle im Profi-Sport

Nicht alles auf die Karte Fußball setzen

UNICUM: Nicht jeder Fußballer schafft den Sprung in die Profi-Karriere. Wie wichtig ist es aus deiner Sicht, an einen möglichen Plan B zu denken?
Thomas Müller: Ich habe selber erlebt, dass viele in der Jugend zu sehr auf die Karte Fußball setzen und den normalen Bildungsweg vernachlässigen. Aber es wird eben nicht jeder Profi in der ersten oder zweiten Liga. Und wenn du dann mit Mitte 30 mit dem Fußball fertig bist und keine großen Ersparnisse hast, musst du eben noch im Berufsleben Fuß fassen – ohne Ausbildung wird das schwierig. Mir war es auch wichtig, mein Abitur fertigzumachen.

Könntest du dir denn vorstellen, es für ein Studium zu nutzen?
Grundsätzlich ist das nicht ausgeschlossen. Bislang habe ich keine so konkreten Gedanken, was nach der Karriere ist. Ein bisschen habe ich ja noch. Aber wenn mir irgendein Bereich gefällt, kann ich mir schon vorstellen, dass ich mich da weiterbilde.

Findest du es eigentlich ungerecht, dass man in anderen Sportarten selbst als Weltmeister nicht unbedingt von seinem Sport leben kann?
Es hängt eben davon ab, was die Öffentlichkeit liebt. Es ist die Zuschauermasse, die über den Verdienst entscheidet. In Deutschland ist Fußball eben schon immer die Nummer 1, die Stadien sind immer randvoll. Klar, andere Profi-Sportler leisten und investieren genauso viel wie wir. Der Markt regelt den Preis. Auch wenn das natürlich nicht immer gerecht ist. Aber ich bin nicht Fußballer geworden, weil ich mir am meisten Profit davon versprochen habe, sondern weil mir das Spiel Freude bereitet. (lacht)

Genau, die Fußballbranche ist ein riesiger Wirtschaftszweig, in dem Milliarden umgesetzt werden. Glaubst du dieser Boom wird ewig anhalten?
Das kann ich schwer einschätzen, aber aktuell gibt es keinen Anlass für einen negativen Trend. Die Nationalmannschaft ist auch ein großes Zugpferd. Wir haben nicht nur technisch gute Spieler, sondern auch sympathische Typen. Es ist ja niemand dabei, den man gar nicht sehen will. Wir sind einfach eine gute Truppe, die einen guten Teamgeist ausstrahlt.


Exklusiv Interview Thomas Müller


Furzkissen sind nicht seine Art von Humor

Als Profi-Sportler muss man von Kindesbeinen an sehr diszipliniert sein. Hast du nicht manchmal das Gefühl, dass du irgendwas verpasst hast im Leben?
Das Gefühl habe ich nicht. Aber man muss schon auf Dinge verzichten, die für einen Durchschnitts-Jugendlichen normal sind. Man kann sicherlich weniger auf Partys gehen und es ist nicht so leicht, sich in Cliquen einzufinden. Natürlich hatte ich in der Schule Kumpels – mit zwei von denen habe ich heute noch viel Kontakt –, aber so richtig viel Zeit konnte ich neben dem Training mit keinem verbringen. Und für 100-prozentige Freundschaften braucht man gemeinsame Erlebnisse.

Du giltst ja als Spaßvogel in der Mannschaft. Hast du deinen Mitspielern schon mal einen richtig fiesen Streich gespielt, als ihr unterwegs wart?
Ich bin jetzt keiner, der anderen ein Furzkissen unter den Stuhl legt oder so. Ich mach, wenn dann, blöde Sprüche. Die manchmal lustig sind. Und manchmal sehr lustig. (lacht) Und manchmal auch gar nicht.

Womit würdest du denn bei einem WG-Casting punkten? Kannst du zum Beispiel gut kochen?
Joa, kochen kann ich auch, das könnte ich anbieten als Talent. Aber ansonsten bin ich eh nicht oft zuhause, also hat man auch keinen Stress mit mir.


InfoThomas' Fußball-Fakten

  • Position: Sturm oder offensives Mittelfeld
  • Verein: FC Bayern München (durchgängig seit der D-Jugend)
  • Erster Bundesliga-Einsatz: 15.08.2008 Heimspiel gegen den HSV (80. Minute für Miroslav Klose)
  • A-Nationalmannschafts-Debüt: 03.03.2010 gegen Argentinien (Startelf)

"Wenn ich meine Karriere beende, lerne ich reiten"

Thomas Müller UNICUMRichtig, du bist zum Beispiel oft auf eurem Pferdehof. Stimmt es, dass du nicht reiten kannst, obwohl du Pferde züchtest und deine Frau Lisa so eine talentierte Reiterin ist?
Genau. Ich habe erst mit Pferden zu tun, seit ich meine Frau kennengelernt habe. Da ich schon auf dem Weg zum Profi-Fußball war, hab ich mich aus Verletzungsrisikosicht nicht getraut, mit dem Reiten anzufangen. Man kann ja doch mal runterfallen. Als erste Aktivität für die Zeit nach dem Fußball kann ich mir das aber schon gut vorstellen.

Ist euer Pferdehof auch ein Grund dafür, dass du den Bayern seit der D-Jugend treu geblieben bist und wohl auch noch bleibst?
Die Freizeit hat nicht wirklich mit den Entscheidungen auf Berufsebene zu tun. Da zählen sportliche Gründe. Aber natürlich verlängere ich auch immer wieder gerne, weil ich hier zuhause bin und in meiner Freizeit nicht nur im Haus rumsitze, was man vielleicht tut, wenn man irgendwo im Ausland spielt und noch kein Netzwerk hat. Hier bin ich dann eben am Pferdestall unterwegs oder gehe mit Kollegen Golf spielen. Oder ich bin einfach bei der Familie.

Und lädst dich zum Beispiel bei deiner Oma zum Schweinebratenessen ein. Wie oft darfst du dir das als Sportler erlauben?
Na ja, jeden Tag sollte man sich das nicht reinpfeifen. Gerade als Profi sollte man schon schauen, dass das ausgewogen bleibt und man ein paar Vitamine erwischt. Aber beim Schweinebraten sind ja lauter gesunde Sachen dabei, wie Soße, Knödel, Krautsalat - also nur Gemüse eigentlich. (lacht)

Wie eitel bist du? Legst du Wert auf dein Styling vor dem Spiel, weil du weißt, dass du gefilmt und fotografiert wirst?
Manchmal schon, aber einen kurzen Moment später denke ich: Ach komm, ist eh egal. Und an dumme Fotos gewöhnt man sich im Laufe der Karriere. Man kann einfach nicht auf jeder Aufnahme gut ausschauen. Wichtiger sind mir Pflege und eine gründliche Rasur - natürlich mit Gillette. (grinst)

"Höchstwahrscheinlich wird es sich eher positiv anfühlen, die EM zu gewinnen"

Man leidet immer so ein bisschen mit, wenn euch Reporter direkt nach dem Spiel das Mikro unter die Nase halten. Gibt es eine Frage, die du in dem Moment richtig dämlich findest?
Oh, es gibt genügend nervige Fragen. Aber ich finde es ganz gut, dass das nach dem Spiel passiert. Wir sind nichts anderes als Theaterspieler. Natürlich machen wir Sport und es zählt auch immer der Leistungsgedanke, aber in erster Linie gehen die Leute ins Stadion, weil sie Fußball als super Unterhaltung sehen. Ich fand es immer gut, wenn es Interviews gab, über die man dann drei Tage diskutieren konnte.

Überlegst du dir schon mal provisorisch Antworten auf die Fragen "Wie fühlt es sich an, den EM-Pokal in der Hand zu halten?" oder "Wie stolz sind Sie auf den Titel 'Torschützenkönig'?"?
Da brauche ich mir nix vorher zu überlegen, weil das eh Standardantworten sind. Also nicht, weil sie auswendig gelernt sind, aber wie fühlt man sich denn wohl, wenn man die EM gewonnen hat? Das weiß ich jetzt noch nicht, aber höchstwahrscheinlich wird es eher positiv sein. (lacht)

Wie kann man sich als Weltmeister und Champions-League-Sieger motivieren, wenn es beispielsweise bei der EM in der ersten Runde gegen einen totalen Underdog geht?
Grundsätzlich geht es nie um Titel oder Siege, sondern um den Moment auf dem Platz. Man will das Duell gewinnen. Aber nicht, um sagen zu können: Ich habe jetzt drei Punkte. Das ist das Ziel der Mannschaft. Als Sportler geht es eher darum, dass du nach dem Spiel mit dir selbst einen Abgleich machst: War ich mit mir zufrieden oder war ich es nicht? Und sicher jagt man immer den Glücksgefühlen hinterher.

Wie gehst du denn mit deinen (seltenen) sportlichen Niederlagen um?
Dann analysiert man, was warum und weshalb nicht so gut gelaufen ist, und versucht es beim nächsten Mal besser zu machen. Das Schöne am Sport ist, dass es keine lebensbedrohlichen Entscheidungen gibt, wenn man ein Spiel verliert. Es ist halt immer noch ein Spiel. Man kriegt immer eine neue Chance.


Thomas und die Uni-Liga

Auf dem Kleinfeld hat Thomas das letzte Mal mit 18 Jahren gespielt - mit seinen Cousins. Aber in der Uni-Liga wäre das seine Aufstellung für sein Team "Stiftung Wadentest":

Thomas Müller Gilette
  • Manuel Neuer
  • Jérôme Boateng
  • David Alaba
  • Douglas Costa
  • Philipp Lahm
  • Thomas Müller

Alles über die Gillette Uni-Liga und ihre über 20 Hochschulstandorte: www.uni-liga.de

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