Biffy Clyro
UK-Tour
Opposites
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21. Jun 2016

Entertainment

UNICUM trifft: Biffy Clyro

Track-Check zum neuen Live-Album "Opposites - Live from Glasgow"

UNICUM vor Ort

Anfang Dezember ist vor der Mitsubishi-Elctric-Halle in Düsseldorf der Parkplatz vor lauter Fans nicht zu sehen. Gleich spielen hier Biffy Clyro, die nach ihrem Erfolg mit ihrem Doppelalbum "Opposites" im letzten Jahr "viele neue Freunde" gefunden haben, wie sie im Interview erzählen.

Aus dem Nebenzimmer hört man Sänger Simon Neil bei seinen Stimmübungen, während die Brüder Ben und James Johnston relaxt auf dem Sofa sitzen und im schottischsten Schottisch Fragen zum Album "Opposites - Live from Glasgow" beantworten – und damit auch zu sich selbst. Im letzten Jahr hat Ben sich öffentlich zu seinen Alkoholproblemen bekannt, die Aufnahmen standen auf der Kippe und auch Sänger Simon musste durch den Verlust seiner Mutter schwere Zeiten durchstehen. Diese schwierige Vergangenheit spiegelt sich auch auf dem Album zur Tour wieder. Ein Grund also, sich die Tracks einmal genauer anzuschauen.

"Man kann seine Vergangenheit nicht ändern"

Track: Different People. "There's no such thing as home" – Was bedeutet "Zhause" für euch?

Ben: Zuhause ist der Ort, an dem ich mit meiner Familie lebe. Ich bin dort in der Nähe groß geworden und glaube, dass das ein großer Teil meiner Persönlichkeit ist. Unser Zuhause ist aber auch auf den Straßen, wenn wir auf Tour sind. Wir verbringen fast mehr Zeit auf den Straßen als in unseren Häusern, deshalb denke ich, dass wir zwei "Zuhause" haben.

James: Zuhause ist da, wo du relaxen kannst und so an die Dinge gewöhnt bist, dass du dich damit wohl fühlst. Das haben wir auf Tour oder auch in Santa Monica, wo wir unser Album aufgenommen haben. Manchmal hast du dieses Gefühl in deinem eigenen Zuhause nicht.

Track: Sounds like balloons. "The past never really dies, I don't think we even try" – Ihr seid sehr offen mit eurem Privatleben. Ist das eure Art der Vergangenheitsbewältigung?

James: Vielleicht. Man kann seine Vergangenheit nicht ändern. Und jeder kämpft deswegen manchmal mit sich selbst. Rational weißt du, dass du es nicht mehr ändern kannst, aber irgendwo in deinem Herzen versuchst du es trotzdem noch. Weil du nicht willst, dass es so gelaufen ist, wie es war. Dieser Kampf hört niemals auf. Jeder würde seine Vergangenheit gerne umschreiben, genau wie man seine Zukunft auch gerne selbst schreiben würde, aber man kann beides nicht.

"Jeder braucht von Zeit zu Zeit eine Veränderung"

Track: Victory over the sun. "Collapse in front of all your peers" – Ist es beschämender, vor Freunden und Bekannten zusammenzubrechen, oder ist es schlimmer, seine Probleme vor der Öffentlichkeit bekannt zu geben?

Ben: Zusammenzubrechen ist in jeder Hinsicht beschämend.

James: Du möchtest überhaupt nicht vor irgendjemanden in einer Situation sein, in der du eine schwierige Zeit hast. Wenn es dir schlecht geht, möchtest du lieber alleine sein. Und zusehen, dass du da raus kommst. Fremde sind einfach nur Fremde, aber die Nahestehenden sind Leute, die dir wichtig sind. Du willst, dass sie nur Gutes über dich denken. Und stolz auf dich sind. Wenn es dir schlecht geht, ist das eine schwere Zeit und Situation, aber du kannst es auch umkehren, wieder aufsteigen und du kannst dein Leben immer zum Guten ändern, das ist immer wichtig, sich daran zu erinnern.

Track: The jokes on us. "Let’s move to California and find ourselves a whole new world" – Warum brauchtet ihr eine neue Welt?

James: Ich glaube, jeder braucht von Zeit zu Zeit eine Veränderung. Wenn du dich in einer Situation befindest, mit der du nicht zufrieden bist, kommt schnell die Idee auf, sich selbst neu zu schreiben. Jeder hat mal diesen Punkt im Leben. Wir haben uns für Kalifornien entschieden, weil es so anders ist als dort, wo wir aufgewachsen sind. Da ist es eher trostlos und düster, bezogen auf das Wetter und die Einstellung der Leute. Und die meisten sind dort ziemlich pessimistisch. In Kalifornien trifft man eher auf besonnene Amerikaner. Es ist eben das "Land of Milk and Honey" (Anmerkung der Redaktion: so wird Kalifornien im amerikanischen Volksmund genannt) und der Möglichkeiten. Aber das Gras auf der anderen Seite ist ja bekanntlich immer grüner (lacht).

"Das Leben ist zerbrechlich"

Track: Spanish Radio. "You can be lost at the same time as being found" – Braucht das Leben manchmal harte Einschnitte?

James: Ja, ich denke schon. Es ist dieser Kampf im Leben, der dich verändert. Wenn du immer nur das Gute erlebst, dann denkst du kaum über die schlimmen Sachen nach, die passieren können. Die harten Zeiten formen dich mehr als die guten Zeiten.

Ben: Für uns war alles, was an schlechten Sachen passiert ist, im Nachhinein gut. Am Ende schaut man darauf zurück und denkt: das musste so passieren. Außerdem sind schlechte Zeiten auch fördernd, weil sie immer einen Neuanfang erschaffen. Also musst du manchmal durch diese Dinge gehen. Es muss diese Schatten geben, das Dunkel und das Licht, um eine Perspektive zu bekommen und zu wissen, was wichtig ist.

Track: Living is a problem because everything dies. "One day, when it’s my turn" – Habt ihr Angst davor, zu sterben?

James: Wir laufen nicht panisch herum und haben die ganze Zeit Angst davor. Aber niemand von uns würde gerne morgen sterben. Wir haben alle glückliche Leben. Diese Zeilen meinen eher die Erkenntnis darüber, dass der Tod überall ist. Je älter du bist, desto wahrscheinlicher ist es, dass du stirbst, und wenn du alt bist, sterben die Leute um dich herum noch viel schneller. Die Textzeile meint einfach, dass das Leben zerbrechlich ist und du in jedem Moment sterben könntest. Das Leben ist nur ein Geschenk.

Biffy Clyro Opposites - Live from Glasgow

Warner Music

seit November erhältlich

Für Fans von: Stadionrock á la Foo Fighters, toller Rockmusik mit Gefühl und Inhalt, abwechslungsreichem Gitarrensound, gutaussehenden Schotten

www.biffyclyro.com

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