Plogging zwei Frauen sammeln beim Joggen Müll
Beim Plogging tust du nicht nur deinem Körper, sondern auch der Umwelt etwas Gutes! | Foto: doble d/Getty Images
Autor

30. Jan 2019

Lea-Verena Meingast

Freizeit

Plogging: So lassen sich Joggen und Umweltschutz verbinden

Kampf gegen das Müllproblem

Achtlos weggeworfene Zigarettenstummel, leere Plastikflaschen in Sandkästen oder neben Parkbänken oder Verpackungsmüll, der aus überquellenden Mülleimern vom Wind über Wege und Wiesen getragen wird: Sowohl auf dem Land als auch in der Stadt findet sich jede Menge Müll am Straßenrand oder im Gebüsch. Der schwedische Umweltaktivist Erik Ahlström war davon so genervt, als er 2016 nach Stockholm zog, dass er etwas gegen die herumliegenden Abfälle in der Stadt tun wollte und einen Trend ins Leben rief: das sogenannte Plogging.

Die Natur braucht Hilfe

Das Wort Plogging setzt sich zusammen aus dem schwedischen Verb "plocka", auf Deutsch sammeln, und Jogging. Die Idee: Wer bei seinen Laufrunden Müll entdeckt, sammelt ihn auf, nimmt ihn mit und entsorgt ihn im Anschluss ordnungsgemäß. Denn auch wenn Großstädte Müllabfuhren und gut ausgebaute Müllentsorgungssysteme haben, findet sich trotzdem immer wieder Abfall an Straßenrändern und in Grünanlagen, wo er nicht hingehört.

Und solange viele Menschen ihren Müll achtlos irgendwo hinwerfen, braucht die Natur Hilfe. Immer mehr Schweden fanden die Idee von Erik Ahlström gut, beim Laufen etwas für die Umwelt zu tun, sodass Plogging-Gruppen gegründet und Plogging-Events veranstaltet wurden und die Teilnehmerzahl wuchs.


Hier erklärt Umweltaktivist Erik Ahlström die Entstehung von Plogging:


Plogging ist Intervalltraining für den ganzen Körper

Der Vorteil: Mit dem Sport lassen sich tatsächlich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Nämlich sich ordentlich auszupowern und etwas für die Umwelt zu tun. Plogging schmälert nicht das sportliche Ziel, im Gegenteil. Durch die Sport-Pausen beim Müllsammeln ist die Laufrunde ein intensives Ganzkörper-Intervalltraining. Natürlich wird der Müllsack auch mit jedem Kilometer schwerer und trainiert zusätzlich Arme, Schultern und das Herz-Kreislauf-System.

Wem das Joggen anstrengend ist, der kann natürlich auch im Walking-Tempo seine Runde absolvieren oder während eines Spaziergangs Abfall aufheben. Auch dafür hat sich das Netz schon einen Namen einfallen lassen: Plalking. Nur wer Rückenprobleme hat, sollte wohl besser darauf achten, zum Müllaufsammeln in die Knie zu gehen statt sich immer vornüber zu beugen.

Eine besondere Ausrüstung wird für den Sport nicht benötigt: Außer den Laufschuhen brauchen Plogger nur einen Müllsack und ein paar stabile Handschuhe. In sozialen Netzwerken dokumentieren immer mehr Menschen ihren Erfolg beim Plogging. Viele posten Bilder von den Aktionen und ihren prall gefüllten Beuteln auf Facebook, Twitter oder Instagram. Sowohl durch die Fotos in Netzwerken als auch dadurch, dass Plogger-Gruppen vor Ort auffallen, werden alle daran erinnert, die Umwelt zu schonen, indem sie Müll ordungsgemäß entsorgen.

Kurz nach Silvester hat diese Gruppe in Stuttgart ganze 80 Kilo Müll aufgesammelt:

Aber auch die Kleinsten machen schon mit! Diese Schüler in England haben bei ihrer Runde 52 Dosen, 34 Plastik-, 9 Glasflaschen und 3444 Zigarettenstummel aufgesammelt:

Auch außerhalb von Schweden fand der Sport Anhänger und verbreitete sich rasch. In den USA, Russland, Chile oder Thailand gibt es engagierte Gruppen. Mit Bildern, die den aufgesammelten Müll zeigen, werben Plogger für die Aktion und hoffen, noch mehr Unterstützer zu gewinnen, damit die Umwelt geschont wird und der Müll da landet, wo er hingehört: im Mülleimer. Allein auf Instagram finden sich unter dem Hashtag #Plogging bereits mehr als 42.000 Beiträge.

Städte unterstützen die Aktionen

In einigen deutschen Städten gibt es inzwischen regelmäßige Plogging-Events. Sie werden von engagierten Umweltschützern organisiert oder teils sogar von Städten und Abfallwirtschaftsbetrieben. In München stellten die Entsorgungsbetriebe Ende Oktober den Ploggern Warnwesten, Handschuhe, Beutel und Getränke zur Verfügung. In Köln nehmen die Abfallwirtschaftsbetriebe nach der Laufrunde an einem verabredeten Treffpunkt den Müll entgegen und entsorgen ihn anschließend fachgerecht.

Von vorneherein weniger Verpackungsmüll zu produzieren, das können Verbraucher und Hersteller gemeinsam erreichen, zum Beispiel mit Hilfe von Unverpackt-Läden. Aber auch kleine Schritte zählen. Sport zu treiben und die Welt ein bisschen besser zu machen, war selten so einfach wie mit Plogging.

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