Bafög zurückzahlen
Die gängigste Form der BAföG-Rückzahlung ist die Ratenzahlung | Foto: bernardbodo/Thinkstock
Autor

22. Jul 2019

Ronja Gysin

Geld & Finanzen

BAföG-Rückzahlung: Das kommt nach dem Studium auf dich zu

Allgemeine Infos zum BAföG:

Nach der BAföG-Erhöhung im Jahr 2019 liegt der aktuelle BAföG-Höchstsatz laut Bundesausbildungsförderungsgesetz ab 2020 bei 861 Euro pro Monat, die maximale Förderdauer bei 60 Monaten. Trotz steigender Transparenz scheut sich der Großteil der Studierenden, während des Studiums Schulden zu machen. Laut Experten besteht dazu aber kein Grund: BAföG-Regelungen ließen kaum Streitpotenzial zu und seien die günstigste Art, ein Studium zu finanzieren.

Die BAföG-Rückzahlung: Das solltest du wissen

Wann muss ich BAföG zurückzahlen?

Hast du während des Studiums BAföG bezogen, beginnt die Rückzahlungspflicht fünf Jahre nach dem Ende der Förderungshöchstdauer. Diese entspricht normalerweise der Regelstudienzeit deines Studiengangs. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Frist nicht vom tatsächlichen Ende deines Studiums abhängt. Studierst du länger oder schließt du ein Masterstudium an, gilt dennoch das Ende der Regelstudienzeit des Bachelors. Dann – etwa viereinhalb Jahre nach Fristende – bekommst du einen Brief vom Bundesverwaltungsamt. Dieser fordert dich dazu auf, dein BAföG zurückzuzahlen. Die erste Rate musst du circa ein halbes Jahr nach Erhalt des Bescheids tilgen.


TippVorsicht: Oft stellt schon die Zustellung des Briefes das erste Problem dar. Denn viele ziehen weg, ohne ihre neue Adresse zu hinterlegen. Muss das Bundesverwaltungsamt deine Adresse ermitteln, fällt direkt eine Gebühr von 25 Euro an. Besser also, du informierst das Amt im Vorfeld.


Wie viel muss ich zurückzahlen?

Grundsätzlich gilt: Dir wird nur höchstens die Hälfte des BAföGs als Darlehen angelastet. Die andere Hälfte wird als Zuschuss gewährt. Das heißt: Du musst nur maximal 50 Prozent von dem zurückzahlen, was du erhalten hast – bis zu einer Höchstgrenze von 10.000 Euro. Was darüber hinausgeht, erlässt dir das Bundesverwaltungsamt. Seit der BAföG Erhöhung 2019 beträgt die monatliche Regelrate 130 Euro. Der Einzug erfolgt im Dreimonatrhythmus. Wer die monatliche Regelrate von 130 Euro regelmäßig tilgt, ist also nach maximal sechseinhalb Jahren schuldenfrei. Wenn man insgesamt 77 Monatsraten gezahlt hat, wird man von den Schulden komplett befreit, auch wenn die einzelnen Raten wegen einer Teilfreistellung weniger als 130 Euro (mindestens jedoch 42 Euro) betragen haben. Wer wegen zu geringer Einkünfte keine 77 monatlichen Tilgungsraten erbringen kann, ist nach einer maximalen Rückzahlungsdauer von 20 Jahren von der verbleibenden Restschuld befreit.

Wie muss ich BAföG zurückzahlen?

Du kannst das Darlehen auf verschiedene Arten zurückzahlen. Am gängigsten ist die Ratenzahlung, für die du im Normalfall 20 Jahre Zeit hast. Das Amt verlangt pro Monat Raten von 130 Euro. Diese zahlst du quartalsweise – also jeweils am Ende des dritten Monats in einer Summe. Zu nachlässig solltest du dabei nicht sein, denn Verzug ist teuer. Das Bundesverwaltungsamt berechnet in solchen Fällen sechs Prozent Zinsen – auf die Gesamtsumme. Falls du allerdings aufgrund von Arbeitslosigkeit, Kindern oder einem niedrigen Lohn knapp bei Kasse bist, besteht die Möglichkeit, die Raten zu reduzieren oder gar befristet auszusetzen.

Lässt deine Finanzsituation es zu, kannst du den vollen Betrag oder größere Einzelbeträge auf einen Schlag abbezahlen. Tilgst du die Gesamtsumme auf einmal, kannst du von einem Nachlass von bis zu 50,5 Prozent profitieren. Der Nachlass wird immer von der vollen Darlehenssumme berechnet, unabhängig davon, dass du insgesamt nur 10.000 Euro zurückzahlen musst.

Auch kleinere "Großbeträge" belohnt das Amt mit Nachlässen ab einem zusätzlichen Einzahlungsbetrag von 460 Euro. Die reguläre Rate (aktuell 390 Euro) musst du trotzdem pünktlich zahlen. Je nach Höhe der Zahlungssumme erhältst du einen festgelegten, prozentualen Rabatt. In der Tabelle siehst du, wie viel du sparen kannst, wenn du die BAföG-Raten in größeren Beträgen abbezahlst. Diese Zahlen gelten für alle, die die reguläre Rate von 130 Euro pro Monat bezahlen müssen.

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Kann ich BAföG-Rückzahlungen von der Steuer absetzen?

Der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass die Rückzahlung nicht steuermindernd ist. Nur Zinskosten eines Studienkredits könntest du geltend machen. Da es sich beim BAföG aber um ein zinsfreies Darlehen handelt, gibt es keine Möglichkeit, die Rückzahlungen von der Steuer abzusetzen. Einzige Ausnahme: Die bereits erwähnten Verzugszinsen. Kommst du in den Zahlungsrückstand, kannst du die sechs Prozent Zinsen in der Steuererklärung angeben.

[Dieser Beitrag wurde am 22.07.2019 aktualisiert. Eine erste Fassung ist am 28.02.2019 online gegangen.]

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Deine Meinung:

Veröffentlicht am 07. Mär 2018 um 14:00 Uhr von Morgenstern
Ihr habt da womöglich einen Fehler bei dem Nachlass bei Gesamtrückzahlung oder zumindest etwas, das unerwähnt bleibt - die bezieht sich NICHT auf die Kappungsgrenze von 10.000 Euro, sondern auf die VOLLE Summe. Ergo ist der Nachlass bedeutend weniger, wenn man das Bafög tatsächlich *voll* in Anspruch genommen hat. Zumindest sah mein Bescheid entsprechend aus, als ich genau deswegen angefragt hatte. Nix mit fast 3.000 Euro Nachlass, wenn man gleich bezahlen würde, sodass es sich gelohnt hätte - gerade mal ein paar schlappe 100er zur Gesamtsumme wollte man nachlassen. Damit konnte ich das in meinem Fall dann knicken...