Arbeite als Proband
Ganz so dramatisch verlaufen Probanden-Experimente dann doch nicht ... | Foto: Thinkstock/cyano66
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25. Jan 2016

Birk Grüling

Jobben

Versuchskaninchen gesucht: Jobben als Proband

Selbsttest an der Uniklinik Hamburg

Geld verdienen als Versuchsperson

"Ba, pa, ta, da", klingt es aus den Kopfhörern. Angestrengt versuche ich die Silben auseinanderzuhalten. Der Testraum ist abgedunkelt und schalldicht, nichts soll mich ablenken. Während ich zwischen "ba" und "da" schwanke, misst eine Elektroden-Haube die elektrischen Impulse in meinem Gehirn.

Saskia Steinmann von der Klinik für Psychiatrie des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf kann aus diesen Messungen später die Sprachverarbeitung in meinem Gehirn auswerten. Insgesamt drei Testblöcke lang muss dafür ich genau hinhören. Dazu einige Fragebögen ausfüllen und einen MRT-Scan über mich ergehen lassen. Dann habe ich meinen Beitrag zur Wissenschaft geleistet.

Die Hamburger Forscher suchen nach Biomarkern, also frühe Warnhinweise auf Krankheiten, für Schizophrenie. Steinmann und ihre Kollegen prüfen, ob Unterschiede in der Sprachverarbeitung im Gehirn als Biomarker taugen. "Wir beschäftigen uns speziell mit Schizophrenie-Patienten, die Stimmen hören. Ihre Hirnströme vergleichen wir mit denen von gesunden Probanden", erklärt die Neurowissenschaftlerin. Beide Gruppen durchlaufen dafür die gleichen Tests und ähneln sich auch in Alter, Geschlecht und den Lebensumständen. Probleme, geeignete Testpersonen zu finden, haben die Forscher nicht. Die Voraussetzungen sind auch nicht sonderlich hoch: gesund, Rechtshänder, keine Hörprobleme, kein Metall im Körper.

Für die Teilnahme gibt es eine Aufwandsentschädigung von knapp neun Euro pro Stunde. "Für die meisten Teilnehmer ist das Geld eher zweitrangig. Sie interessieren sich mehr für das Thema der Studie oder wollen mal Forschern über die Schulter schauen", sagt Steinmann.

20 bis 100 Euro sind normalerweise drin

Egal mit welcher Motivation, Testperson in der Forschung zu werden, ist nicht schwer. Ständig werden Probanden für Gedächtnisaufgaben, Entscheidungstests, Stressuntersuchungen oder Studien zu zyklusbedingten Schwankungen der Sexualhormone gesucht. Der Verdienst liegt meist zwischen 20 und 100 Euro, je nach Aufwand.

Ausreißer nach oben wie eine aktuelle Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt sind eher selten. DLR-Forscher suchten im Oktober 2015 Testpersonen für zwei 89 Tage dauernde Bettruhe-Phasen. Lohn dafür: 15.000 Euro. Durch die Bettruhe will man die körperlichen Auswirkungen langer Weltraum-Aufenthalte wie einem Flug zum Mars untersuchen. 

Gefahr durch Medikamenten-Tests

Höher sind die Aufwandsentschädigungen auch bei Medikamenten-Studien. Der Haken: Das Risiko ist ebenfalls deutlich größer. Ein Beispiel dafür sind Phase-I-Studien. Die Teilnahme daran wird oft vierstellig entlohnt. Allerdings werden hier auch Medikamente zum ersten Mal nach dem Tierversuch am Menschen getestet. Wie groß die Risiken sein können, zeigt ein zehn Jahre alter Fall aus London. Beim Test eines neuen Rheumamedikaments kam es bei den Probanden zu einem multiplen Organversagen. Wochenlang mussten sie auf der Intensivstation behandelt werden.

Studenten sollten um solche Angebote einen großen Bogen machen, findet Martin Carstensen, stellvertretender Vorsitzender der Ethikkommission der Ärztekammer Hamburg. "Geld sollte nicht die Hauptmotivation für eine Studienteilnahme sein. Gerade hohe Summen sind oft ein Hinweis darauf, dass man sich stark absichern will", sagt der Mediziner.

Die Studien sollten zudem immer von seriösen Wissenschaftlern an Hochschulen, Forschungseinrichtungen oder Universitätskliniken durchgeführt und von einer Ethikkommission begutachten werden. Die meisten dieser Forschungseinrichtungen führen übrigens ohnehin keine "risikoreichen" Medikamenten-Tests an gesunden Probanden durch.


Checkliste für Probanden

  • Wie risikoreich und belastend ist die Teilnahme? Muss ich z.B. Medikamente nehmen? 
  • Interessiert mich das Thema der Studie oder geht es mir nur ums Geld?
  • Sind die Forscher seriös? Wird die Studie von einer Hochschule oder einem Universitätsklinikum durchgeführt?
  • Wird die Studie von einer ärztlichen Ethikkommission begleitet?

Im Video

Vor einiger Zeit hat sich UNICUM Reporter Florian Sittel als Versuchsteilnehmer für ein psychologisches Experiment an der Ruhr-Uni Bochum gemeldet – das Ganze wurde von UNICUM Reporter Roman Milenski festgehalten:

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