Du kannst dir deine Steuern im Ausland sogar zurückholen.
Wir verraten dir, was du während deines Work and Travel Aufenthalts steuertechnisch beachten musst. Foto: olezzo/AdobeStock
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23. Apr 2018

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Jobben

Work and Travel: Musst du deine Einnahmen versteuern?

Mögliche Jobs, welche du beim Reisen ausführen kannst

Wenn du dich für Work and Travel entscheidest, kannst du auf (längere) Reisen gehen, ohne dass du dafür bereits im Voraus das gesamte Geld angespart haben musst. Stattdessen brauchst du erst einmal nur das „Startkapital“ – quasi das Geld für deinen Flug und die ersten Tage vor Ort – und kannst dir deine Reise anschließend direkt im Zielland durch Gelegenheitsjobs finanzieren. Dafür musst du dich nicht aufwändig bewerben und auch besondere Kenntnisse sind in den meisten Fällen nicht erforderlich. Typische Verdienstmöglichkeiten als „Work and Traveller“ sind zum Beispiel:

  • Fruitpicking
  • Farmstays
  • Ranchjobs
  • Jobs in der Gastronomie
  • Gärtnern
  • Aushilfe auf dem Bau
  • Babysitting
  • Housesitting

Aber auch ungewöhnlichere Tätigkeiten erfreuen sich wachsender Beliebtheit. So kannst du beispielsweise als Inselwärter/in, Jackaroo, Maskottchen oder Biertester/in arbeiten. Reich wirst du aber mit keinem dieser Jobs. Das ist schließlich auch nicht dein Ziel, wenn du dich für Work and Travel entscheidest. Stattdessen muss dein Verdient nur ausreichen, um deine Reise finanzieren zu können, sprich von Ort zu Ort zu kommen, genügend zum Essen zu haben und am Ende wieder nach Hause zu fliegen.

Ein Work and Travel ist spannend und bringt neue Möglichkeiten.

Wie viel verdienst du als "Work and Traveller"?

Wie hoch genau dein Einkommen ist, wenn du während deiner Reise arbeitest, hängt natürlich von vielen verschiedenen Faktoren ab. In welchem Land befindest du dich? Als was arbeitest du? Wie viele Stunden führst du den Job aus? Und welche Qualifikationen bringst du mit? Wie in jedem anderen Job auch, verdienst du tendenziell mehr, je mehr Erfahrung und Knowhow du mitbringst. Es lässt sich daher nicht pauschal sagen, wie viel Geld du beim Work and Travel einnehmen wirst. Typische Löhne in Australien sind beispielsweise:

  • 23 australische Dollar pro Stunde als Kellner/in in der Gastronomie
  • 25 australische Dollar pro Stunde als Reinigungskraft im Hotel
  • 1.200 australische Dollar pro Woche beim Pflücken von Mandarinen
  • 45 australische Dollar pro Stunde als Dachreiniger auf dem Bau

Selbst als ungelernte Aushilfskraft verdienst du in Australien also vergleichsweise viel Geld, denn das Lohnniveau ist dort deutlich höher als in Deutschland – aber eben auch die Lebenshaltungskosten. In anderen Ländern wie beispielsweise Neuseeland oder Kanada variieren dementsprechend auch deine Verdienstmöglichkeiten. Mit etwas Glück verdienst du als „Work and Traveller“ somit tatsächlich eine hübsche Summe und kannst vielleicht sogar etwas zur Seite legen, sprich nicht nur von Tag zu Tag leben.

Steuern und Rechtliches

Bleibt nur noch die Frage, ob dieser Verdienst denn nun netto oder brutto ist? Aus deiner Sicht kommt nun die schlechte Nachricht: Alle deine Einnahmen musst du versteuern, sprich die Angaben sind erst einmal nur das Bruttoeinkommen. Du musst also sowohl steuerlich als auch rechtlich einige Dinge beachten: Egal, für welches Land du dich entscheidest, informier dich daher vorab darüber, ob das Modell Work and Travel dort überhaupt möglich ist, mit welchen Visum und unter welchen Voraussetzungen. Anschließend gilt es, dich mit der Frage nach den Steuern auseinanderzusetzen. Ansonsten stellst du vielleicht falsche Berechnungen an, weil du von Nettolöhnen ausgehst, und hast am Ende zu wenig Geld zum Leben und/oder Reisen vor Ort.

Wie sieht es in Australien mit den Steuern aus?

In Australien sieht die Steuerregelung wie folgt aus: Bis vor wenigen Jahren konntest du noch 18.200 australische Dollar jährlich steuerfrei verdienen. Im Jahr 2015 wurde das hingegen geändert. Seither musst du auf deine Einnahmen 15 Prozent Steuern zahlen – unabhängig von deren Höhe. Einen Freibetrag gibt es nicht, sprich schon dein erster verdienter Dollar wird mit diesen 15 Prozent versteuert. Alle Steuern werden direkt von deinem Lohn abgezogen. Sie werden dir also nicht ausbezahlt und du musst sie auch nicht aktiv an das Finanzamt abführen.

Und was ist mit anderen Work-and-Travel-Ländern?

Auch in vielen anderen Ländern, welche beliebte Destinationen für das Modell „Reisen und arbeiten“ sind, musst du deine Einnahmen versteuern. Die Steuersätze sehen dabei wie folgt aus:

  • Wenn du in Neuseeland arbeiten möchtest, brauchst du eine Steuernummer – auch als Backpacker. Deine Einnahmen werden dann gemäß deines Steuersatzes versteuert, welcher wiederum von der Höhe deiner Einkünfte abhängt. Arbeitest du hingegen ohne Steuernummer, werden pauschal 10,5 Prozent und damit in der Regel deutlich mehr abgezogen.
  • Auch in Kanada werden von deinen Work-and-Travel-Verdiensten pauschal 20 Prozent abgezogen.

Ähnliche Regelungen gelten in anderen Ländern, in welchen du ein Visum für Work and Travel erhalten kannst. Prinzipiell musst du deine Einnahmen also immer versteuern. In einigen Ländern genießt du noch gewisse Freibeträge, sprich unter einem definierten Wert sind deine Einnahmen steuerfrei. Doch mit dem Abzug der Steuern – sei es pauschal oder gemäß deines individuellen Steuersatzes – ist das Thema noch nicht beendet.

Kannst du deine Steuern zurückholen?

Denn es gibt auch eine gute Nachricht und die lautet: Du kannst dir einen Teil dieser bezahlten Steuern in den meisten Fällen wieder zurückholen. Dafür musst du, wie in Deutschland auch, innerhalb einer definierten Frist deine Steuererklärung einreichen. Unabhängig vom Land, in welchem du gereist bist und gearbeitet hast, brauchst du dafür erst einmal eine Steuernummer. Diese hat stets einen anderen Namen, entspricht aber im Prinzip deiner Steuernummer und Steueridentifikationsnummer, wie du sie auch aus Deutschland kennst. In Australien handelt es sich dabei um die Tax File Number, in Neuseeland um die Inland Revenue Department Nummer und in Kanada um die Social Insurance Number. Um deine Steuern zurückzuerhalten, gehst du je nach Zielland deines Work-and-Travel-Aufenthalts wie folgt vor:

  • In Australien reichst du am Ende deines Aufenthalts eine Steuererklärung ein. Die Formulare, Handbücher oder weitere Hilfen findest du in speziellen „Taxation Offices“, welche es in beinahe jeder größeren Stadt gibt. Für diese Steuererklärung brauchst du ein Lohnbuch als Nachweis über deine Einkünfte. So können deine tatsächlichen Einnahmen genauestens berechnet und zu viel gezahlte Steuern zurückerstattet werden. Das gilt nicht nur für die Einkommensteuer, sondern auch in einigen Fällen für die Mehrwertsteuer oder bezahlte Rentensteuern. Arbeitest du übrigens ohne Steuernummer in Australien, werden dir pauschal fast 50 Prozent gemäß des Steuerhöchstsatzes abgezogen.
  • Auch in Neuseeland kann sich die Steuererklärung lohnen. Hier kannst du ebenfalls auf eigene Faust oder mit Hilfe spezieller „Taxback-Services“ zu viel bezahltes Geld zurückholen.
  • Kanada verfügt hingegen über ein steuerliches Übereinkommen mit Deutschland. Das bedeutet: Du musst nur rund 15 Prozent Steuern zahlen und für jedes Steuerjahr in Kanada oder anschließen aus Deutschland per Post deine Steuererklärung einreichen. Diese Steuererklärung ist deshalb wichtig, weil dir deine Steuern vollständig erstattet werden, wenn du weniger als etwa 8.000 Euro im Jahr verdient hast. Auch dafür kannst du, wenn gewünscht, einen „Taxback-Service“ in Anspruch nehmen.

Es mag also zwar auf den ersten Blick kompliziert klingen, doch auf den zweiten Blick lohnt sich die Steuererklärung nach deinem Work-and-Travel-Aufenthalt in beinahe jedem Land. Traust du dir die Formalien nicht auf eigene Faust zu, stehen dir spezielle Services als Hilfe zur Verfügung. Diese kosten zwar in der Regel Geld – meist einen prozentualen Anteil von deiner Steuerrückerstattung  – dennoch kommst du damit am Ende besser weg als ganz ohne Steuererklärung. Es lohnt sich also, dich einmal mit diesem Thema auseinanderzusetzen, wenn du als „Work and Traveller“ unterwegs bist.

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