Studium Ex-Partner
Wenn noch Gefühle da sind, tut es besonders weh | Foto: Thinkstock/Viktor Solomin
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22. Jan 2016

Christina Scholten

Liebe & Sex

Ex-Matrikulation: 5 goldene Regeln fürs Studium mit der/dem Ex

Das emotionale Chaos unbeschadet überstehen

Tief durchatmen – und durch!

Das Ding mit dem Schlussmachen ist das: Es ist niemals einfach. Natürlich gibt es da graduelle Unterschiede, die vom "Teller hinterherwerfen" bis zum "Lass uns Freunde bleiben" reichen. Doch egal, wie die Trennung verlaufen ist, ein bisschen blöd ist es immer, es tut weh und streicht einen bis dato wichtigen Menschen auf einmal aus dem Leben. Um dieses emotionale Vollchaos zu überstehen, hilft eigentlich nur Abstand.

Aber was, wenn man den oder die Ex jeden Tag an der Uni trifft – in Seminaren, im Hörsaal oder in der Bibliothek? Auswandern? Die Uni wechseln? Auf den ersten Blick zwar gute Lösungsansätze, die Umsetzung jedoch scheint recht müßig. Dann bleibt ja nur noch eines: einmal tief durchatmen, Augen zu und durch. Und weil wir wissen, dass das auch ganz schön müßig sein kann, haben wir ein paar Tipps gesammelt, die euch durch eure "Ex-Matrikulation" helfen können.


Goldene Regel Nr. 1: Erinnere dich!

In stundenlangen Monologen hast du dir, deinen Freunden und eigentlich jedem, mit dem du geredet hast, versichert, dass du echt total durch bist mit dem Thema Beziehung. Aber dann kommt er oder sie morgens in den Hörsaal, sieht so wahnsinnig gut aus und – peng! Alles weg. Rückfall-Alarm. Und nirgends kommt so ein Hubschrauber wie aus der Werbung, der dich da raus holt.

Für diese Situationen gibt es einen ziemlich einfachen Trick, der dich zurück auf den Boden der Tatsachen holt: Die Erinnerung an die Gründe der Trennung. "Dabei kann es helfen, wenn man sich die selbst aufschreibt – zum Beispiel innerhalb eines Vertrags mit sich selbst", erklärt die Beraterin Christina Schramm, die sich unter anderem auf das Gebiet der Trennungen spezialisiert hat.

Goldene Regel Nr. 2: Es muss nicht alles gut sein

Der beste Ausweg aus dieser räudigen Situation wäre natürlich, einfach wieder miteinander klarzukommen. Schließlich hat man sich doch mal so gut verstanden – warum dann nicht einfach kurz mit dem anderen darüber reden, wie sich das getrennte Leben auf dem Campus nun gestalten soll?

"Wer glaubt, dass ein klärendes Gespräch hilft, wird oft enttäuscht. Entweder der Partner weigert sich schlichtweg oder man bekommt nicht die Entschuldigung oder die aufbauenden Worte, die man sich erhofft hat", meint Christina Schramm. "Erst wenn der andere seine Offenheit signalisiert, kann man noch mal einen Rahmen für die Zusammenarbeit in der Uni klären und zwei, drei Verhaltensregeln aufstellen. Über das Grüßen hinaus läuft meist nicht viel."

Ansonsten hilft tatsächlich erst einmal die Ignoranz. Denn ohne klaren Strich kann es nicht weitergehen, weder bei einem selbst noch beim Gegenüber.


Schlussmachen an der Uni


Goldene Regel Nr. 3: Kehrt die Scherben zusammen

Es ist ziemlich mühselig, den zerbrochenen Haufen aufzusammeln, der früher einmal das Herz gewesen ist. Das hat einen bestimmten Grund, erklärt Christina Schramm: "Der Liebeskummer, den man verspürt hat seine Ursache einzig und allein darin, dass man etwas Schlechtes über sich selbst denkt – eine Trennung führt zu Selbstzweifeln."

Um aus dieser Spirale der ganzen "Ich bin es ihm oder du nicht wert gewesen"- und "Was habe ich falsch gemacht"-Fragen auszubrechen, müssen also erst einmal die Selbstzweifel geheilt werden. Das hört sich leicht an, ist aber der schwierigste Schritt im Trennungsprozess. Doch wer nicht mehr zweifelt, kann dem oder der Ex wieder vollkommen relaxt gegenübertreten.

Also kümmer dich erst einmal um dich selbst. Und fang bloß nicht damit an, dich jeden Abend mit Fast Food vollzustopfen, dich volllaufen zu lassen und dich wochenlang nicht mehr zu rasieren (gilt für Männer wie für Frauen). Bleib lieber aktiv und mach dir klar, wer du bist, was du kannst und was du willst. Denn das ist dein ganz eigener Hubschrauber, der dich aus dieser Situation herauszieht.

Goldene Regel Nr. 4: Lasst euch nicht nerven

Trennungen können aus dem vorher geliebten Menschen echte Monster machen. Das reicht von Gerüchten in die Welt setzen bis hin zum Mobbing: Diese Reaktionen auf das Schlussmachen gibt es leider recht häufig seitens der Ex-Partner. Denn viele kommen mit den Verletzungen der Trennung nicht klar und wandeln sie dann in Aggressionen um.

Wie soll man diesem emotionalen Kindergarten begegnen? "Am besten ist es, nicht zu reagieren. Jede Reaktion zeigt dem Ex-Partner, dass er noch Einfluss auf einen hat und schürt damit die Hoffnung, dass sich daraus wieder Gefühle entfachen lassen", empfiehlt die Liebeskummerexpertin.

Doch dabei gebe es Grenzen: "Sollten die Feindseligkeiten ein 'normales Maß' überschreiten und sollte man sich dadurch bedroht fühlen, dann ist es Zeit, sich mit dem Gedanken auseinanderzusetzen, ob die Person eventuell unter einer Persönlichkeitsstörung leidet. In diesem Fall rate ich dringend zu professionellem Beistand, ob durch einen Anwalt, Psychologen oder Coach. Scham ist hier fehl am Platz."

Goldene Regel Nr. 5: Kein Stress!

Der Uni-Alltag ist meistens schon stressig genug: Referate vorbereiten, Hausarbeiten schreiben und dann ist da auch noch die Versenkung der Prüfungsphasen. Das alles garniert mit einer frischen Trennung kann einem schon den Verstand rauben.

"Wer gestresst ist, ist noch anfälliger für Liebeskummer, denn die Fähigkeit zur Gefühlswahrnehmung ist stark beeinträchtigt", erklärt Christina Schramm. Wer Stress habe, neige auch stärker zum Rückfall. Deshalb sei es erst einmal wichtig, den Stress zu reduzieren. Da Klausuren absagen und Urlaub machen selten echte Optionen sind, müssen die inneren Spannungen anders abgebaut werden.

Sport ist dafür immer ein gutes Mittel, weil es außerdem hilft, sich selbst wieder in Form zu bringen, was gleichzeitig das Selbstbewusstsein fördert. Auch Entspannungsübungen, wie Christina Schramm in folgendem Video zeigt, helfen, Stress gezielt abzubauen.



Studieren mit dem/der Ex: Das Fazit

Das Beste an diesen fünf goldenen Regeln ist, dass sie noch mit dem Faktor "Zeit" multipliziert werden können. Denn das Ding mit dem Schlussmachen ist nämlich auch immer das: Da, wo jetzt eine Leerstelle ist, kann irgendwann etwas Neues kommen. Auch wenn es manchmal ein bisschen braucht.

Aber wenn es soweit ist, kann euch noch nicht mal ein ganzer Hörsaal voll mit Exfreunden oder -freundinnen schockieren. Denn es gibt noch eine letzte Regel, und die ist nicht golden, sondern platin. Sie lautet: Vor uns liegt immer noch mehr als hinter uns.
 

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