Die Pille danach nehmen
Bei einer Verhütungspanne ist schnelles Handeln wichtig | Foto: Priscilla du Preez/Unsplash

Liebe & Sex

26.07.2018

Verhütungsmethoden ohne Hormone

Verhütungsmethoden ohne Hormone

Spirale, Diaphragma & Co.

Obwohl die Pille das wohl am häufigsten verwendete Verhütungsmittel ist, gibt es gute Gründe, sie nicht zu nehmen: Lustlosigkeit, Gewichtszunahme und sogar Thrombose sind ... mehr »

Autor

10. Aug 2018

Sandra Ruppel

Liebe & Sex

Pille danach: Das Wichtigste zur Notfallverhütung!

Wie wirkt die Pille danach?

Spermien können bis zu sieben Tage im Körper einer Frau überleben. Selbst wenn also die Verhütungspanne einige Tage vor dem Eisprung stattgefunden hat, kann es trotzdem noch dazu kommen, dass du schwanger wirst.

Um das zu verhindern, gilt es, möglichst viel Abstand zwischen Spermien und Eizelle zu bringen – und das kann die Pille danach im Idealfall leisten: "Über eine Rückkopplung signalisiert die Pille danach dem Körper der Frau, dass der Eisprung noch nicht stattfinden soll", sagt Ärztin und Therapeutin Dorothee Kleinschmidt von der Beratungsstelle pro familia. "Dadurch wird der Eisprung verschoben oder fällt ganz aus. Das ist das gewünschte Ziel, so dass die Spermien nicht mehr bewegungs- und befruchtungsfähig sind, wenn der Eisprung stattfindet."

Welche Präparate gibt es? Und welche Kosten fallen dafür an?

Es gibt zwei Typen der Pille danach. Welche dieser beiden für dich am besten geeignet ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Wieviel Zeit ist vergangen, seit die Verhütungspanne passiert ist? Wie dicht befindest du dich innerhalb deines Zyklus' schon am Eisprung? Welches Körpergewicht hast du? Nimmst du gegebenenfalls andere Medikamente?

Levonorgestrel: Je schneller die Einnahme, desto besser

Diese Art von Pille enthält das Gestagen Levonorgestrel (LNG) und kann bis zu 72 Stunden, also drei Tage, nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Präparate, die LNG enthalten sind beispielsweise PiDaNa, Levonoraristo, Unofem-Hexal, Postinor oder Levonorgestrel Stada.

Die Pille danach mit LNG ist am Wirksamsten, wenn sie innerhalb der ersten 12-24 Stunden nach dem Sex eingenommen wird. In diesem Fall liegt die Wahrscheinlichkeit bei 94 Prozent, dass der Eisprung herausgezögert und eine ungewollte Schwangerschaft verhindert wird. Allerdings kann das Präparat den Eisprung nur verschieben, wenn er noch mehr als einen Tag entfernt ist. Die Wirksamkeit der Pille danach mit Levonorgestrel hängt also nicht nur stark davon ab, wie schnell man sie einnimmt, sondern auch davon, wo man sich gerade in seinem Zyklus befindet.

Die Kosten für die Pille danach mit Levonorgestrel liegen bei 16-20 Euro.

Ulipristalacetat: Wenn der Eisprung kurz bevorsteht

Ein zweiter Typus der Pille danach enthält den stark konzentrierten Wirkstoff Ulipristalacetat und wird unter dem Namen EllaOne verkauft. Diese Pille danach kann bis zu 120 Stunden, also fünf Tage, nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Das Präparat kann den Eisprung auch noch verschieben, wenn er unmittelbar bevorsteht. Trotzdem gilt auch hier: Je zügiger die Einnahme nach dem ungeschützten Sex stattfindet, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Medikament wirkt.

Die Kosten für die Pille danach mit Ulipristalacetat liegen bei 25-31 Euro.

Hinweis: Bis zu ihrem 20. Geburtstag können Frauen die Pille danach kostenfrei erhalten, sofern sie vorher ein Rezept von ihrem Gynäkologen oder ihrer Gynäkologin erhalten haben. Die Kosten trägt dann die Krankenkasse. In der Regel fällt aber trotzdem die Rezeptgebühr von fünf Euro an.

Pille danach: Wo bekommt man sie?

Seit 2015 ist die Pille danach in Deutschland auch rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Du musst nach einer Verhütungspanne also nicht mehr zwangsläufig zu deinem Frauenarzt oder deiner Frauenärztin gehen, um sie dir verschreiben zu lassen. Das hat den Vorteil, dass du auch am Wochenende oder an Feiertagen schnell reagieren und eine Apotheke mit Notdienst aufsuchen kannst, ohne von den Öffnungszeiten einer Arztpraxis abhängig zu sein.

Auch Apotheker und Apothekerinnen sind darin geschult, eine Beratung dazu durchzuführen, welche Pille danach für dich die passende sein könnte. Zu einem guten Beratungsgespräch gehört unbedingt die Frage danach, ob du noch andere Medikamente einnimmst oder irgendwelche Krankheiten oder sonstige Beschwerden hast. Beispielsweise können bestimmte Präparate wie Johanniskraut gegen Depressionen oder Medikamente gegen Epilepsie, HIV oder schweres Asthma die Wirkung der Pille danach einschränken oder dafür sorgen, dass unerwünschte Nebenwirkungen auftreten. Auch wenn du regulär mit der Pille verhütest, solltest du das unbedingt erwähnen.

Außerdem sollte die Pharmazeutin oder der Pharmazeut dich danach fragen, wann du deine letzte Periode hattest. Das ermöglicht einerseits eine Einschätzung darüber, wie weit du noch vom Eisprung entfernt bist. Zum anderen kann so außerdem ausgeschlossen werden, dass nicht durch einen vorherigen Verhütungsunfall schon eine Schwangerschaft besteht.

Wenn du dir eine ausführliche Beratung dazu wünschst, welche Pille danach für dich die geeignete ist, ziehst du am besten deinen Gynäkologen oder deine Gynäkologin zu Rate. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn die Verhütungspanne unter der Woche passiert ist und du die Möglichkeit hast, innerhalb der nächsten 12-24 Stunden die Praxis aufzusuchen. Auch für diesen Termin solltest du dich darauf einstellen, dass du nach dem Zeitpunkt deiner letzten Monatsblutung gefragt wirst, um eine vielleicht bereits bestehende Schwangerschaft auszuschließen. Möglicherweise wirst du hier sogar gebeten, eine Urinprobe für einen Schwangerschaftstest abzugeben. Und natürlich solltest du mit deinem Arzt oder deiner Ärztin ebenfalls unbedingt darüber sprechen, ob du regelmäßig andere Medikamente einnimmst.

Welche Nebenwirkungen hat die Pille danach?

Es können Übelkeit, Erbrechen, Spannungsgefühle in der Brust, Schwindel, leichte Bauchschmerzen oder Schmierblutungen als unmittelbare Nebenwirkungen auftreten. Auch Durchfall kann ein Nebeneffekt sein. Um möglicher Übelkeit und Erbrechen entgegenzuwirken, kann es helfen, die Pille danach nicht auf leeren Magen einzunehmen. Am besten isst du direkt vor der Einnahme eine kleine Mahlzeit, wie etwas Toast oder Brot.

Falls die Übelkeit trotzdem so heftig auftritt, dass du dich innerhalb von drei Stunden erbrechen musst, nachdem du die Pille danach genommen hast, solltest du sie dir schnellstmöglich nochmal besorgen und einnehmen. Andernfalls ist die volle Wirkung der Pille nicht garantiert, denn es ist nicht sichergestellt, dass der Körper die Wirkstoffe vollständig aufgenommen hat. Das gilt auch für den Fall, dass du direkt nach Einnahme des Notfallverhütungsmittels starken Durchfall bekommst: Hier ist ebenfalls nicht sicher, dass die Wirkstoffe ausreichend im Körper angekommen sind und du solltest dir eine zweite Tablette organisieren.

Die Nebenwirkungen sollten spätestens nach 1-2 Tagen verschwinden. Ist das nicht der Fall, solltest du unbedingt nochmal deinen Arzt zu Rate ziehen.

Schmierblutungen oder eine leichte Verschiebung der Periode – sowohl nach hinten, als auch nach vorn – können mit der Pille danach zusammenhängen, beides ist als Nebeneffekt bekannt. Sollte sich deine Monatsblutung allerdings um mehr als eine Woche verschieben oder die Blutung deutlich stärker oder deutlich schwächer ausfallen, als normalerweise, solltest du einen Schwangerschaftstest machen und nochmal deinen Frauenarzt aufsuchen. Das gilt aber auch generell: Wenn du notfallmäßig mit der Pille danach nachverhüten musstest und dich in der Folgezeit nicht gut fühlst, solltest du dich nochmal durchchecken lassen.

Die Pille danach hat laut der Beratungsstelle pro familia keine Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit. Auch eine Wechselwirkung mit Alkohol ist nicht bekannt. Du kannst die Pille danach also auch einnehmen, falls du vor der Verhütungspanne Alkohol getrunken hast.

Thrombose als Nebenwirkung der Pille danach?

Wer die reguläre Pille wegen einer Thrombose absetzen musste, kann die Pille danach trotzdem im Notfall zur Nachverhütung nehmen. Der Wirkstoff verlässt den Körper nach ein paar Tagen, anders als bei der normalen Pille, die kontinuierlich eingenommen wird. Hattest du schon mal eine Thrombose, lässt du dich hierzu aber zur Sicherheit am besten nochmal konkret von deinem Frauenarzt oder in der Apotheke beraten. Gemeinsam könnt ihr dann abwägen, welches Medikament mit welchem Wirkstoff am besten für dich geeignet ist.

Wie oft kann man die Pille danach nehmen?

"Nach den Richtlinien der Bundesärzte- und der Bundesapothekerkammer ist es prinzipiell möglich, die Pille danach zweimal im Monat zu nehmen", sagt Ärztin Dorothee Kleinschmidt von pro familia. "Sie bringt jedoch den Zyklus durcheinander, daher ist es nicht empfehlenswert, sie häufig zu nehmen."

Schwangerschaftsabbruch mit der Pille danach?

Die Pille danach ist ein Medikament zur Nachverhütung im Notfall. Sie ist weder zur regulären Verhütung geeignet, noch kann sie zu einem Schwangerschaftsabbruch führen: "Eine schon bestehende Schwangerschaft kann mit der Pille danach nicht abgebrochen werden", sagt Kleinschmidt.


Loading...

Loading...


Spirale: Alternative zur Pille danach als Notfallverhütung

Wenn du die Pille danach nicht einnehmen willst oder kannst, oder du das Zeitfenster von 24–72 Stunden nach dem ungeschützten Sex verpasst hast, hast du noch die Möglichkeit, dir eine Kupferspirale zur Nachverhütung einsetzen zu lassen. Die Spirale danach ist sogar die sicherste Variante, um sich im Nachhinein vor einer ungewollten Schwangerschaft zu schützen, sie wirkt laut dem Beratungsportal pro familia mit etwa 99-prozentiger Sicherheit.

Allerdings muss auch sie spätestens fünf Tage nach dem ungeschützen Geschlechtsverkehr eingesetzt werden. Außerdem muss dein Frauenarzt oder deine Frauenärztin vorher ausschließen, dass du durch einen weiter zurückliegenden Verhütungsunfall bereits schwanger bist.

Kupferspirale: Wie wirkt sie und was sind Vor- und Nachteile?

Das Kupfer verändert das Milieu in der Gebärmutter und sorgt so dafür, dass sich die Spermien nicht mehr bewegen können. Sollte deine Eizelle schon gesprungen und befruchtet sein, kann die Spirale noch verhindern, dass sich das Ei einnistet.

Der Vorteil einer Kupferspirale ist zum einen, dass sie auch nach dem Verhütungs-Schock weiterhin als reguläres Verhütungsmittel genutzt werden kann – anders als die Pille danach. Die Spirale kann, je nach Art, für fünf Jahre in der Gebärmutter liegen bleiben und in dieser Zeit mit sehr hoher Verhütungssicherheit vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen. Entfernen lassen kannst du sie jederzeit wieder. Zum anderen kommt sie ohne Hormone aus.

Es gibt allerdings auch Nachteile: Es kann bei und nach dem Einsetzen der Kupferspirale zu teilweise starken Bauchkrämpfen kommen, die Regelschmerzen ähneln. Die Periode kann sich – zumindest während der ersten Monate mit Spirale – verstärken und damit können auch die Schmerzen, die man vielleicht während der Periode eh schon hat, stärker werden. Diese Nebenwirkungen können nach einigen Monaten nachlassen.

Wichtig ist auch, dass die Infektionsrate bei der Spirale leicht erhöht ist, weshalb sie für Frauen mit oft wechselnden Sex-Partnern nicht unbedingt geeignet ist. Wer eine Spirale nutzt und Sex mit verschiedenen Partnern hat, sollte in jedem Fall zusätzlich Kondome benutzen, um das Infektionsrisiko möglichst niedrig zu halten.

Die Kosten für die Kupferspirale liegen bei etwa 130-180 Euro. Die Spirale kann nur von einem Frauenarzt oder einer Frauenärztin gelegt werden.

Artikel-Bewertung:

3 von 5 Sternen bei 310 Bewertungen.

Deine Meinung: