Verhütung ohne Pille
Alternative zur Pille? Es gibt sichere hormonfreie Verhütungsmethoden! | Foto: Stacy_T/Getty Images

Liebe & Sex

06.09.2017

Verhütungsmethoden

Antibabypille bis Vaginalring: Diese Verhütungsmittel solltest du kennen

Wer verhüten will, bekommt von seinem Frauenarzt meistens die Pille verschrieben – ohne ein ausführliches Beratungsgespräch. Dabei gibt es noch viele andere Verhütungsmit ... mehr »

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26. Jul 2018

Sandra Ruppel

Liebe & Sex

Verhütungsmethoden ohne Hormone

Spirale, Diaphragma & Co.

Verhütung mit der Pille: Was spricht dafür, was dagegen?

Laut einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) verhüten etwa 53 Prozent der Frauen im Alter zwischen 18 und 49 Jahren mit der Pille. Und während manche Frauen die Pille super vertragen und von positiven Effekten wie einem regelmäßigen Zyklus, einer reineren Haut oder schwächeren Regelschmerzen profitieren, kann die Pille auch krasse Nebenwirkungen haben: Zum einen kann das Hormonpräparat bewirken, dass sich immer alles gleich anfühlt. So wird es schwerer wahrzunehmen, welche Veränderungen sich im Verlauf des Zyklus im Körper ergeben.

Zum anderen können aber auch Thrombose, häufige Kopfschmerzen, Gewichtszunahme, Bluthochdruck oder sogar depressive Verstimmung als Nebeneffekte auftreten. "Das heißt nicht, dass das übliche Nebenwirkungen der Pille sind, aber sie treten gelegentlich auf", sagt die Ärztin Dorothee Kleinschmidt, die auch als Familientherapeutin und Beraterin bei pro familia tätig ist.

Die Pille hat einen Pearl-Index von 0,1-0,9 und kann damit als sehr sicheres Verhütungsmittel eingestuft werden. Deshalb wird sie, so Kleinschmidt, häufig verschrieben, um gerade bei jungen Frauen ungewollte Schwangerschaften zu verhindern. Allerdings verhütet die Pille nur mit hoher Sicherheit, wenn keine Anwendungsfehler passieren: "Die vergessene Einnahme, Durchfall und Erbrechen und einige Medikamente können die Wirkung der Pille einschränken", sagt Kleinschmidt. "So sicher, wie immer unterstellt wird, ist die Pille also auch nicht."


Was ist der Pearl-Index?

Pearl-IndexDer Pearl-Index dient als Skala, um die Sicherheit von Verhütungsmitteln einzuordnen. Es gilt: Je kleiner der Pearl-Index, desto höher der Schutz.

Gerechnet wird so: Wenn 100 Frauen ein Jahr lang das gleiche Verhütungsmittel anwenden und dann eine Frau in dieser Zeit ungewollt schwanger wird, liegt der Pearl-Index bei 1. Da die Pille mit einem Wert von 0,1-0,9 deutlich darunter liegt (aus 1000 Frauen werden innerhalb des Jahres eine bis neun schwanger), gilt sie als sehr sicher – aber eben nur, wenn sie konsequent eingenommen wird. Zum Vergleich: Kondome haben einen Pearl-Index von 2-12. Hier werden in einem Jahr aus 100 Frauen also zwei bis zwölf Frauen schwanger.


Welche Verhütungsmethoden ohne Hormone gibt es?

Wenn du die Pille gar nicht erst nehmen oder wieder absetzen möchtest, hast du verschiedene Möglichkeiten, ohne Hormone zu verhüten. Nicht alle Varianten sind für jeden gleich gut geeignet. Für manche Verhütungsmittel brauchst du ein bisschen Übung, um sie sicher anwenden zu können. Einige andere Methoden passen nicht unbedingt zu den Lebensumständen jeder Frau. Auf jeden Fall solltest du dich bei deiner Gynäkologin oder deinem Gynäkologen umfassend beraten lassen, welche Methode für dich am besten geeignet sein könnte. Auch Stellen wie pro familia informieren über die verschiedenen Verhütungsmethoden.


Verhütungsmittel ohne Hormone statt Pille


Die Kupfer-Varianten: Kupferspirale, Kupferkette und Kupferball

Der Vorteil ist, dass die Kupferspirale, die Kupferkette oder der Kupferball einmal in die Gebärmutter eingesetzt wird und dann über fünf Jahre für eine sichere Verhütung sorgt. Anwendungsfehler – wie etwa bei der Pille oder beim Kondom – können nicht passieren. Deshalb wird die Sicherheit der Kupfervarianten sogar als noch höher eingeschätzt, als die der Pille. Allerdings sollten Frauen alle sechs Monate bei ihrem Gynäkologen oder ihrer Gynäkologin kontrollieren lassen, ob Spirale, Kette oder Ball noch immer richtig liegen. Denn nur dann kann sie sicher vor ungewollten Schwangerschaften schützen.

Wie läuft das Einsetzen der Spirale ab?

Die Spirale, die Kette oder der Kupferperlenball liegen in einem kleinen Rohr, mit dem sie in die Gebärmutter eingeführt werden. Anders als die Spirale wird die Kupferkette in der Muskulatur der Gebärmutter verankert. Der Kupferperlenball entwickelt erst in der Gebärmutter seine Form.

Das Einsetzen wird ohne Betäubung oder mit örtlicher Betäubung durchgeführt. Ob der Eingriff als schmerzhaft empfunden wird, oder nicht, ist unterschiedlich: "Manche Frauen sagen, es sei ein kurzer starker Schmerz, manche sagen, dass sie es kaum gemerkt haben", berichtet Ärztin Dorothee Kleinschmidt. "Sofern das Einsetzen gut gelingt, ist es ein kurzer Eingriff."

Welche Nachteile gibt es bei der Verhütung mit Spirale?

Manche Frauen vertragen die verschiedenen Kupfer-Methoden nicht optimal: Die Periode und die Regelschmerzen können manchmal mit Spirale und Co. stärker ausfallen. Auch, wer wegen starker Regelblutungen Probleme mit Eisenmangel hat, für den ist die Kupfer-Variante nicht unbedingt die beste Verhütungsmethode. Weil es manchmal zu Schwierigkeiten beim Einsetzen kommen kann, eignen sich die Kupfer-Varianten außerdem nicht für ganz junge Frauen:  "Die Gebärmutter muss bereits voll entwickelt sein – bei Frauen über 20 ist das aber meist der Fall. Die Frauenärztin oder der Frauenarzt muss vor dem Einsetzen untersuchen, ob eine Einlage möglich ist", sagt Dorothee Kleinschmidt.

Ein Risiko bei Spirale, Kette und Ball ist außerdem, dass die Infektionsrate leicht erhöht ist. "Deshalb ist die Spirale nicht für Frauen mit häufig wechselnden Sexualpartnern geeignet, sondern vor allem, wenn eine feste Partnerschaft besteht", so Kleinschmidt. "Bei zusätzlichen sexuellen Kontakten sollten auf jeden Fall immer Kondome benutzt werden, da ansonsten das Infektionsrisiko deutlich steigt."

Sicherheit und Kosten:

  • Pearl-Index: 0,3-0,8
  • Kosten: Die Kosten für das Einsetzen der Kupferspirale liegen bei 160-200 Euro. Für das Einsetzen der Kupferkette oder des Kupferballs musst du mit etwa 250-400 Euro rechnen.

Verhütungsmittel ohne Hormone Kupferspirale


Barrieremethoden: Kondom, Diaphragma, Femidom

Das Kondom ist, zumindest aktuell, das einzige Verhütungsmittel, das Männer anwenden können. Sofern es richtig benutzt wird, ist es nicht nur eine zuverlässige Methode, um eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern, sondern schützt auch vor sexuell übertragbaren Infektionen. Als Frau muss man ein Stück weit darauf vertrauen, dass der Partner das Kondom zum Beispiel nicht heimlich während des Sexes abzieht. Außerdem gehört ein bisschen Übung und Erfahrung zur sicheren Anwendung: Wichtig ist nicht nur, dass das Kondom die passende Größe hat und richtig herum und vollständig aufgerollt wird, sondern vor allem auch, dass man es nach dem Sex so festhält, dass es nicht abrutschen kann.

Welche Nachteile gibt es bei der Verhütung mit Kondomen?

Manche finden, dass Kondome die Empfindung und Intensität beim Sex einschränken.

Sicherheit und Kosten:

  • Pearl-Index: 2-12
  • Kosten: Eine 12er Packung Kondome bekommst du für 8-10 Euro in allen Apotheken, Drogerien und Supermärkten. Latexfreie Kondome können mit 15-20 Euro pro Packung etwas teurer sein.

Verhütung mit Kondom


Frauenkondom

Das Frauenkondom ist die einzige Möglichkeit für Frauen, sich selbstständig vor Krankheiten zu schützen. Es gibt sowohl welche ohne Latex (z.B. Femidom oder Female) als auch welche mit Latex (z.B. Ormelle oder Velvet). Das Frauenkondom sieht einem normalen Kondom ähnlich, allerdings sitzt am jeweiligen Ende ein biegsamer Ring. Das Ende mit dem kleineren Ring wird in die Scheide eingeführt, der etwas größere Ring liegt außen auf den Venuslippen auf und bleibt sichtbar. Nach dem Sex musst du das Ende mit dem größeren Ring mehrmals drehen, damit keine Samenflüssigkeit auslaufen kann, bevor du das Frauenkondom entfernst. Wie normale Kondome kann man es jeweils nur einmal verwenden.

Welche Nachteile gibt es bei der Verhütung mit Frauenkondomen?

 "Manche Paare berichten, dass das Femidom beim Geschlechtsverkehr knistern kann", sagt Dorothee Kleinschmidt.

Sicherheit und Kosten:

  • Pearl-Index: Aktuell liegen noch nicht genug Studien vor, um die Verhütungssicherheit genau zu bestimmen. Zurzeit wird davon ausgegangen, dass der Pearl-Index etwa bei 5-25 einzustufen ist. Je sicherer man in der Anwendung ist, so scheint es, desto sicherer ist auch die Verhütung mit dem Frauenkondom.
  • Kosten: Frauenkondome können online bestellt werden. Der Preis liegt pro Stück bei 2-4 Euro.

Verhütung Frauenkondom


Diaphragma

Es gibt verschiedene Diaphragma-Typen, die jeweils unterschiedliche Größen und Formen haben. Alle müssen zusammen mit einem Milchsäuregel eingesetzt werden, das die Spermien bewegungsunfähig machen soll. Das Diaphragma setzt man kurz vor dem Sex ein und schiebt es über den Muttermund. "Der Vorteil gegenüber dem Kondom ist, dass so auch schon Spermien gehemmt werden, die vielleicht während des Vorspiels in die Vagina gelangen", erklärt Kleinschmidt. "Damit das Gel aber richtig wirken kann, darf man es nicht mehr als zwei Stunden vor dem Sex anwenden. Sonst wird es zu sehr verdünnt."

Wichtig ist beim Diaphragma außerdem, dass es sehr gut angepasst ist. Das musst du nicht zwangsläufig beim Frauenarzt oder der Frauenärztin machen lassen. Beratungsstellen wie pro familia sind sogar darauf spezialisiert, eine fachgerechte Anpassung des Diaphragmas durchzuführen und zu bestimmen, welches die richtige Größe für dich ist.

Wie sicher ist das Diaphragma?

Die Meinung, dass man mit dem Diaphragma nicht zuverlässig verhüten kann, hält sich hartnäckig. Die Untersuchungen zur Sicherheit des Diaphragmas fallen dabei sehr unterschiedlich aus: "Es gibt verheerende Studien, bei denen das Diaphragma als Verhütungsversager dasteht", sagt Kleinschmidt. "Es gibt aber auch Untersuchungen von Organisationen, die selbst auch Anpassungen und Beratungen zum Diaphragma anbieten, bei denen es deutlich sicherer abschneidet." Bei konsequenter und geübter Anwendung und vor allem – und das ist wirklich wichtig – guter Anpassung des Diaphragmas im Vorfeld, kann man relativ sicher damit verhüten. "Trotzdem ist die Sicherheit nicht ganz so hoch wie die der Spirale oder der Pille, wenn beides jeweils konsequent angewendet wird", so Dorothee Kleinschmidt. Wenn du ein sehr hohes Bedürfnis nach Sicherheit hast, kannst du das Diaphragma auch mit anderen Methoden wie dem Kondom kombinieren.

Sicherheit und Kosten:

  • Pearl-Index: 1-20. Dass die Werte so weit auseinander gehen, liegt auch daran, dass das Diaphragma manchmal nicht optimal angepasst ist.
  • Kosten: Je nach Modell und Produkt liegen die Kosten bei 38-50 Euro. Das Verhütungsgel, das immer zusammen mit dem Diaphragma angewendet werden muss, kostet pro 60-Gramm Tube 8-10 Euro.

Diaphragma Verhütung ohne Pille


Symptothermale Methode: Temperatur messen und Symptome beobachten

Diese Verhütungsmethode setzt voraus, dass du Lust hast, dich mit deinem Körper und den Veränderungen, die du während deines Zyklus' durchläufst, genau auseinanderzusetzen: "Bei der symptothermalen Methode misst die Frau die Basistemperatur den Monat hindurch und beobachtet zusätzlich die Symptome des eigenen Körpers" so Kleinschmidt. "Wenn die Frau zum Beispiel die Schleimveränderung genau verfolgt, kann sie die fruchtbare Zeit im Zyklus gut eingrenzen."

Während der fruchtbaren Tage vor dem Eisprung verändert sich deine Körperflüssigkeit und wird durchlässig – so könnten Spermien gut zur Gebärmutter durchkommen. Während dieser Zeit solltest du deshalb mit Kondomen oder einer anderen Methode verhüten. "In der Zeit nach dem Eisprung kann auf andere Verhütungsmittel verzichtet werden, es gibt eine hohe Sicherheit, nicht schwanger zu werden", sagt Kleinschmidt. "Allerdings ist nicht ganz leicht, zu ermitteln, wann der Eisprung war."


Hormonfreie Verhütung Temperaturmethode


Eisprung ermitteln: So merkst du, dass er vorbei ist

Wenn der Eisprung stattgefunden hat, kann man am nächsten Tag feststellen, dass die Körpertemperatur um 0,2-0,5 Grad gestiegen ist. Der Tag, an dem die Temperatur höher ist, als vorher im Zyklus, ist also der Tag nach dem Eisprung. Allerdings heißt es trotzdem erstmal: abwarten. Denn zum einen ist das Ei 12-24 Stunden befruchtungsfähig.

Zum anderen kann es auch sein, dass eine Erkältung oder zu wenig Schlaf für den kurzen Anstieg der Temperatur gesorgt haben. "Paare sollten deshalb drei bis vier Tage warten und beobachten, ob die Temperatur auch weiterhin konstant oben bleibt", sagt Kleinschmidt. "Wenn das der Fall ist, ergibt sich eine sehr hohe Verhütungssicherheit, die in der Nach-Eisprungzeit mit der der Pille vergleichbar ist."

Welche Nachteile gibt es bei der symptothermalen Methode?

Man muss sehr konsequent sein und regelmäßig messen. Außerdem braucht man Übung. Für drei bis vier Zyklen sollte man für sich erstmal überprüfen, wie man mit der Methode klarkommt und beobachten, wie sich der eigene Körper verhält. Stressphasen oder Krankheit können beispielsweise dafür sorgen, dass sich der Eisprung verschiebt. Während der fruchtbaren Phase muss man außerdem entweder eine zusätzliche Verhütungsmethode einsetzen, oder ganz auf Sex verzichten.

Sicherheit und Kosten:

  • Pearl-Index: 0,4. Wer in der fruchtbaren Zeit mit Kondomen verhütet, hat in dieser Zeit auch deren Sicherheit (Pearl-Index: 2-12).
  • Kosten: Es ist sinnvoll, sich mit weiterführender Literatur über die Methode zu informieren, zum Beispiel mit Natürlich & sicher - Das Praxisbuch samt dem Workbook: Natürlich und sicher: Das Arbeitsheft mit Zyklusbeispielen von Pubertät bis Wechseljahre. Dafür fallen zusammen etwa 40 Euro an. Digitalthermometer um die Körpertemperatur zu messen gibt es ab 5 Euro.
  • Es gibt auch verschiedene Apps (beispielsweise My NFP oder Lady Cycle), die beim Messen und aufzeichnen der Temperatur helfen, eventuell fallen dafür Kosten an.
  • Statt eines Thermometers kann man zur Unterstützung der Messung auch verschiedene Gadgets wie Trackle oder den OvulaRing nutzen. Allerdings sind diese mit 100-500 Euro pro Jahr ziemlich teuer.

Artikel-Bewertung:

3.19 von 5 Sternen bei 83 Bewertungen.

Deine Meinung:

Veröffentlicht am 09. Aug 2018 um 02:08 Uhr von Gothic

Zum Einen gibt es da noch Verhütungsmittel wie Implanon, Plastik-Spirale. Die Kupferspirale verursacht tendenziell eine Verstärkung der Blutung / Regelbeschwerden. Die andere Spirale kann für drei oder 5 Jahre eingesetzt werden. Die Hormonbelastung ist niedriger als bei der Pille oder beim Implanon. Finde diese beiden Verhütungsmittel sollten schon erwähnt werden.

 

Anmerkung der Redaktion:

Erstmal vielen Dank für deinen Hinweis. Natürlich sind Hormonspirale oder Hormonstäbchen auch eine Möglichkeit, um zu verhüten. Und sicherlich ist die Hormonbelastung geringer, als bei der Pille. Trotzdem funktionieren beide Methoden so, dass Gestagene im Körper freigesetzt werden. Unser Ziel bei diesem Artikel ist es ja aber, Verhütungsmethoden vorzustellen, die komplett ohne Hormone funktionieren. Denn nicht jeder kann oder möchte seinen Körper bei der Verhütung mit Hormonen belasten
auch wenn die Dosis geringer ist, als bei der Pille.

Einen Artikel, in dem es allgemein um Verhütungsmittel geht und Stäbchen und Hormonspirale vorgestellt werden, haben wir aber auch:


Antibabypille bis Vaginalring: Diese Verhütungsmethoden solltest du kennen.