Tiny Houses
Meistens, aber nicht immer sind Tiny Houses auf einem fahrbaren Untergrund befestigt. | Foto: James Frid/Pexels
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18. Jul 2019

Hannah Dautzenberg

Wohnen

Tiny Houses: Für wen eignet sich der neue Wohntrend?

Tiny Houses: Minimales Wohnen abseits der Norm

26 Quadratmeter sind alles, was Toni (27) und Markus (29) zum Leben brauchen: Seit Kurzem sind die beiden Abenteurer mit Hang zum Minimalismus Besitzer eines Tiny Houses. Gemerkt, dass sie einfach nicht viel Platz oder Ressourcen zum Leben brauchen, haben Toni und Markus während eines Roadtrips durch Australien und Neuseeland. "Der Traum für das Tiny House war bei uns beiden geweckt, wir waren total inspiriert von den ganzen Vorbildern, die wir auf unserer Reise gesehen haben. Schon auf dem Rückflug haben wir die ersten Zeichnungen für unser eigenes angefertigt."

Zu Hause angekommen ging es mit der Unterstützung von Freunden und Familie direkt los. "Da haben wird quasi Nägel mit Köpfen gemacht, alle fanden die Idee super und haben direkt gesagt, dass so etwas richtig zu uns passt. Wir sind immer schon ein wenig alternativer und denken abseits der konventionellen Normen. Wir haben sofort losgelegt."

Mikrohäuser: Was versteht man unter Tiny Houses?

Aber wie genau definiert man eigentlich ein Tiny House? Im Gegensatz zu normalen Wohnhäusern sind Tiny Houses für gewöhnlich auf fahrbarem Untergrund befestigt. Eine genaue Definition gibt es noch nicht so recht, allerdings kann man sagen, dass sich die Grundfläche der meisten solcher Mikrohäuser auf 15 bis 37 Quadratmeter beläuft. Ob man den Bau vom kleinen Wohntraum den Profis überlässt oder lieber selbst Hand anlegen möchte, ist eine ganz individuelle Entscheidung. Mittlerweile gibt es einige Anbieter, die individuelle Tiny Houses anfertigen, aber sogar der Kaffeehersteller Tchibo hat in seinem letzten Sommerkatalog zwei Exemplare der alternativen Wohnform zum Kauf angeboten. Toni und Markus haben ihr Haus gemeinsam mit dem Familienunternehmen EcoChalet gebaut. "Auch wenn mein Freund handwerklich echt begabt ist, hätten wir das allein nicht geschafft", erzählt Toni. Mit ein wenig professioneller Hilfe war der Bau in nur fünf Wochen abgeschlossen.


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Was kosten Tiny Houses? 

Gekostet hat es die zwei ehemaligen Studierenden circa 70.000 €, für die meisten jungen Menschen eine Summe, die nicht einfach so auf dem Konto liegt. Aber: "Es geht auch günstiger! Wenn man beispielsweise viel recyceltes Material verwendet, kann man schon einiges sparen", sagt Toni. Wer dennoch ein ähnlich großes Projekt wie die beiden planen möchte, der bekommt bei manchen Banken sogar einen Tiny House Kredit angeboten. "Die Konditionen sind zwar echt noch ausbaufähig, aber immerhin gibt es diese Möglichkeit und auch die Banken stellen sich auf den neuen Wohntrend ein", berichtet die 27-Jährige.

Ulrike von der RUB organisiert ein Seminar zu Tiny Houses. Ulrike (25), Studentin an der Ruhr-Uni Bochum, kennt sogar Tiny House Besitzer, die nicht mehr als 1000 € gezahlt haben. "Die haben sich dann alles zusammengesammelt, Möbel und Materialien geschenkt bekommen oder eben gebraucht gekauft. Das dauert dann natürlich auch seine Zeit! Ich habe auch schon von Tiny Houses gehört, die mit überwiegend recyceltem Material und einfacher Ausstattung 10.000 € gekostet haben. Da gibt es wirklich eine ziemlich große Preisspanne."

Die Masterstudentin organisiert gemeinsam mit ihrem Kommilitonen Marvin eine Ringvorlesung zum Thema "Nachhaltiges Bauen und Wohnen am Beispiel Tiny House". "Das Interesse an Tiny Houses ist echt groß, daher wird die Vorlesung auch super angenommen. Einige der Studierenden interessieren sich sogar dafür, ein eigenes Tiny House zu bauen", sagt die 25-Jährige.

"Für mich ist es auf jeden Fall auch eine Alternative! Mich interessiert es vor allem aus experimenteller Sicht. Man kann so viel ausprobieren und gestalten, um mehr nachhaltige Wohnkonzepte zu entwickeln. Wahrscheinlich wäre es für mich erstmal eine Wohnoption auf Zeit, aber vielleicht gefällt es mir dann auch so gut, dass ich dann doch darin bleiben will!"

Stellflächen für Mikrohäuser

Wer die Vorlesung besucht, erfährt beispielsweise, wo man sein Tiny House überhaupt abstellen kann. "In Deutschland ist das nämlich gar nicht mal so einfach", berichtet Toni, die lange nach einem geeigneten Stellplatz gesucht hat. Ein solches Tiny House muss auf Bauland stehen und benötigt eine amtliche Genehmigung, es kann also keineswegs einfach irgendwo abgestellt werden. Hier sollte sich jeder individuell informieren, welche Vorgaben in der eigenen Stadt und für das gebaute Tiny House berücksichtigt werden müssen.

"Man sollte sich auf jeden Fall erst ein Grundstück suchen und dann mit dem Bau des Tiny Houses beginnen, nicht andersherum!", berichtet Toni von ihren Erfahrungen. "Ich denke aber, dass das Bauen der Tiny Houses wesentlich leichter wird", so Ulrike. Und tatsächlich reagieren die Städte und Länder immer mehr auf den Wohnungstrend. In Warendorf soll bald sogar die erste Tiny House Siedlung in NRW mit bis zu 25 Stellplätzen für die Mini-Häuser entstehen, unter anderem auch, um der allgemeinen Wohnungsnot entgegenzutreten.

Bei Tiny Houses geht es um Effizienz 

Aber egal wo man sich am Ende mit seinem Mini-Haus niederlässt, ein ausgeklügeltes Konzept für die Inneneinrichtung ist unerlässlich. Viele denken bei dem Begriff Tiny House wahrscheinlich an enge Räume, wenig Komfort und ein autarkes Leben. Allerdings geht es einfach darum, den geringen Platz optimal zu nutzen. "Wenn man nicht will, dann muss man auf gar nichts verzichten, was man nicht auch in einer gewöhnlichen Wohnung haben könnte", bestätigt Ulrike.

Auch Toni kann da nur zustimmen, in ihrem Haus fehlt es weder an Strom, noch fließendem Wasser. Ihr Freund und sie haben sich sogar für eine aufwendige Solaranlage entschieden, die den beiden den Strom zum Leben liefert. Wasser gibt es über eine Pflanzenkläranlage und im Bad setzt man sich auf die Trenntoilette.

Wenn es mal kälter wird, schmeißen die beiden einfach ihren Holzofen an, der auch seinen Weg in die 26 Quadratmeter des Pärchens gefunden hat. "Man muss eigentlich auf nichts verzichten. Die meisten Tiny Houses sind auf Strom und Wasseranschlüsse ausgelegt. Wie wir es haben, ist das alles schon sehr aufwendig, man kann das auch viel einfacher gestalten. Wir sind einfach etwas alternativer eingestellt und richten uns gerne nach der Energie, die uns die Sonne dann beispielsweise zur Verfügung stellt."

Strom und Wasser für das Mini-Haus

Wer sein Tiny House in Städten abstellen will, sollte sich um einen Strom- und Wasseranschluss in seinem Mirkohaus bemühen. Denn "die meisten Städte begrüßen es wirklich, wenn man sein Tiny House ans Strom- und Wassernetz anschließt", erklärt Ulrike.  Autarkie ist also nicht die Voraussetzung für Tiny House Besitzer, sondern eine Option. "Allerdings sollte man nicht vor dem Begriff Minimalismus zurückschrecken, wenn man in einem Tiny House leben möchte." Für Toni ist aber auch das keine Einschränkung, sondern vielmehr eine Lebenseinstellung. "Ich denke, wir sollten ohnehin überlegen, was und wie viel wir wirklich zum Leben brauchen und wie wir den vorhandenen Raum effektiver nutzen können."

Wer in ein Tiny House zieht, der führt ein bewusstes, minimalistisches und nachhaltiges Leben und sollte dafür auch offen sein. Man muss kein alternativer Abenteurer sein, sollte aber auch kein Problem damit haben, die ein oder andere Einschränkung mit einer kreativen Idee zu lösen und ein wenig abseits der konventionellen Weise seinen Alltag zu leben. Auch wenn die Tiny Houses immer mehr zum Trend werden, ist das Leben auf kleinstem Raum wohl nicht die optimale Lösung für jeden. Aber es animiert dazu, über den eigenen Platz- und Ressourcenverbrauch nachzudenken.

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