AfD Hochschulgruppe
David Christopher Eckert und die verhüllte Heine-Statue | Fotos: Campus-Alternative (CA) Düsseldorf

Engagement an der Uni

 

Politisches Engagement Uni

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Wie sich Studierende an der Uni...

Engagement an der Uni wird oft mit politischen Hochschulgruppen assoziiert. Doch mehr als diese erfreuen sich inzwischen studentische Initiativen größter Beliebtheit. So ... mehr »

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05. Sep 2016

Almut Steinecke

Zündstoff

Die AfD an der Uni: "Ich glaube an gar nichts"

Der Gründer der ersten AfD-Hochschulgruppe David Christopher Eckert

"Wir wollen auf Missstände in diesem Land hinweisen"

Ein Montag im Juli, 12 Uhr mittags. In der NRW-Landesgeschäftsstelle der Alternative für Deutschland (AfD) in Düsseldorf sitzt David Christopher Eckert in einem der großen leeren Besprechungsräume und nimmt einen Schluck Sprudel. Eckert, Jeans, rotkariertes Hemd, streng gekämmter Kurzhaarschnitt mit weit nach außen gezogenem Seitenscheitel, ist 24 Jahre alt und Student der Sozialwissenschaften an der Heinrich-Heine-Universität (HHU) Düsseldorf.

Seit April 2013 engagiert er sich in der AfD, Anfang 2015 gründete er an der HHU die erste AfD Hochschulgruppe Deutschlands, der bereits weitere folgten; zurzeit gibt es laut Eckert bundesweit acht aktive Hochschulgruppen, unter anderem in Münster und Göttingen.

Die Düsseldorfer Gruppe, die sich inzwischen "Campus Alternative (CA) Düsseldorf" nennt und zwanzig Studenten zählt – "davon drei weiblich und insgesamt ausgesprochen vielfältige Menschen", plaudert Eckert –, will zum Beispiel "auf eine Vielzahl von Missständen in diesem Land" hinweisen, zum "Diskurs" anregen. Ein sachlicher kann damit nicht gemeint sein.

Zweifelhafte Eyecatcher

So verhüllte die Hochschulgruppe kürzlich die Heinrich-Heine-Statue auf dem Campus mit einer Burka und behängte sie mit einem Schild mit dem Wort "Bildungsbombe". Was sofort das Stigmata für Muslime als potenzielle Terroristen provozierte. Was so angstmachend ist, dass jede Sachlichkeit im Keim erstickt. Eckert ist dieses Risiko ohne mit der Wimper zu zucken eingegangen, denn "nur wenn wir unsere Aktionen als Eyecatcher inszenieren, entfachen wir eine Debatte", findet er.

Die Gruppe habe auf ein "Bildungsdefizit bei Muslimen" hinweisen wollen, erzählt Eckert. Dieses Defizit sei ihrer Meinung nach wie eine "tickende Zeitbombe", da es eine "Verrohung des Geistes und damit Gewaltbereitschaft" fördere. "Die wenigsten Muslime finden in Deutschland den Weg zur Uni", weiß Eckert; er begründet dies mit Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Oder mit einer unterirdischen "Gymnasialabschlussquote von muslimischen Migranten" in Deutschland, wofür er sich auf eine Studie der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) beruft.

Dabei beleuchtet er zum Beispiel in letzterer Studie nur Ausschnitte. Zwar sprechen auch die bpb-Autoren von einer "sozialen Zeitbombe", werden Migrantenkindern nicht dieselben Bildungschancen in Deutschland eingeräumt wie Einheimischen. Jedoch bekräftigen die Autoren, dass genau deshalb "soziale Kriterien wie Herkunft oder Ethnie" beim Bildungsverlauf "keine Rolle spielen dürfen". Und dass eine verstärkte Förderung von "Migrantenkindern" wichtig sei, welche übrigens in keinem Satz der Studie als pauschal "muslimisch" bezeichnet werden. Auch in Zahlentabellen nicht; Religion wird in ihren Bildungsstatistiken nicht erfasst, so das Statistische Bundesamt auf Anfrage.


AfD Uni Düsseldorf

Weltoffene HHU Düsseldorf?

Letztlich erstaunt für eine "Bildungsdebatte" der gewählte Ort, gilt doch die HHU als besonders weltoffen, anderen Nationen gegenüber herzlich aufgeschlossen; die Mehrheit der ausländischen Studenten am Düsseldorfer Campus ist türkischer Herkunft, über 82 Prozent davon haben der universitären Statistik nach ihre Hochschulzugangsberechtigung in Deutschland erworben. Und erst kürzlich hat die Uni eine Umfrage unter Studierenden zum Thema Religion gemacht, in der sie auch die Toleranz in Sachen Islam abprüfte. Das Ergebnis: Kein einziger der befragten Studenten an der HHU schiebt eine diffuse Islamphobie, wie sie sonst bei vielen herrscht. Bei vielen Deutschen. Zum Beispiel bei Eckert.

Er spricht mit feiner, sanfter Stimme, sein Auftreten ist sehr höflich, zugleich erscheint er seltsam starr; als könne er bei einer falschen Bewegung ertappt werden. Seinen politischen Ansichten folgen zu wollen, fühlt sich an, als liefen die Gedanken durch ein Labyrinth und kämen immer wieder an derselben Stelle an, ohne den Weg nach draußen zu finden. Parallel bekommt man eine Ahnung, dass Eckert jenseits passiv-aggressiver Stimmungsmache bestimmt ein ganz Netter ist, dem passiv-aggressive Stimmungsmache vielleicht irgendwann mal zu anstrengend werden könnte. Beherrscht wirkt er. Wie einer, der Heidenpanik hat vor Kontrollverlust. Vor Unordnung, Unberechenbarkeit. Einer, der keine Grenzüberschreitungen mag.

Angriffe von links

Nicht nur die von Flüchtlingen; bei Fragen nach seinem Liebesleben verschränkt er die Arme vor der Brust, er will nicht sagen, ob er sich in einer Beziehung befindet: "Politik und Privatleben möchte ich gerne trennen." Die politische Liebe beflügelt ihn, das gibt er offen zu. Erst vor wenigen Tagen habe ihn seine Hochschulgruppe "zu 100 Prozent" als Vorsitzenden wiedergewählt, "sowas macht stolz und glücklich", lächelt Eckert.

Erst vor wenigen Tagen haben auch Linksautonome den Düsseldorfer Stadtteil, in dem er lebt, mit Steckbriefen gepflastert. "Geistiger Brandstifter wohnt in Ihrer Nachbarschaft" stand da zu lesen. Darunter ein Foto von Eckert. Sein Name. Seine Adresse. Sowas macht nicht glücklich.

Und dann erzählt er doch ein bisschen was Privates. Dass er Atheist sei, "ich glaube an gar nichts". Er habe eher keine Hobbys. "Politik ist unglaublich zeitintensiv und aufreibend, damit also Hobby genug." Dass er ein "lustiger Lebensgeist" sei und "Zuverlässigkeit" seine Stärke. Was wäre das Schlimmste für ihn im Leben? Eckert denkt einen Moment nach, legt einen Finger an die Lippen, blickt auf den Tisch vor sich. Dann nickt er: Das Schlimmste für ihn wäre, seinen Freundeskreis zu verlieren; seine Freunde gäben ihm "Anerkennung, Bestärkung, Rückhalt in dem, was ich tue". Und einen Wert, dessen Verlust ihm wirklich ängstigen würde: "Identität".

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Deine Meinung:

Veröffentlicht am 28. Nov 2016 um 13:49 Uhr von Speerhart
Atheismus ist nicht der Glaub an Nichts sondern die Ablehnung eines Gottes oder mehrerer Götter. Ein Atheist kann durchaus an Geister, etc. glauben und ist trotzdem ein Atheist.