Feminismus heute
Moderner Feminismus: Es geht um die Gleichstellung in allen Belangen | Foto: Thinkstock/SanneBerg

Liebe & Sex

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Liebe & Sex

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16. Aug 2016

Tabea Weidinger

Zündstoff

Es wird Zeit für modernen Feminismus!

Zwischen #aufschrei und Pinkstinks

Gender Pay Gap

Frauen werden zum Beispiel schlechter bezahlt als Männer. Viele Leute erwidern darauf, dass das eben an der Karrierewahl jeder einzelnen Frau liege und dass sie eben nicht richtig verhandeln würden. Doch tatsächlich verdienen Frauen im Schnitt 21,6 Prozent weniger pro Stunde als Männer. Diese Lohnlücke entsteht dadurch, dass Frauen in schlechter bezahlten Berufen und weniger in Führungspositionen arbeiten, und dazu öfter in Teilzeit gehen. Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung erhält eine Frau sogar weniger Gehalt gegenüber einem Mann, der dieselbe Arbeit verrichtet.

Sexismus im Alltag und in den Medien

Auch Sexismus ist ein großes Thema im Feminismus. Hast du dich schon einmal gefragt, wieso kleine Mädchen ständig rosa tragen, während Jungs in blau eingekleidet werden? Oder wieso Mädchen zum Geburtstag eher eine Prinzessinnen-Barbie geschenkt bekommen als ein Lego-Piratenschiff? Die Art und Weise der Erziehung verrät viel über die Wahrnehmung der Geschlechter und ihre anerzogenen Denkmuster.

Vor allem in der Werbung werden die geschlechtlichen Stereotypen besonders deutlich. Brüste, lange Beine, nackte Hintern – die Werbebranche hat "sex sells" verinnerlicht. Doch wenn Frauen objektiviert werden, um die größtmögliche Aufmerksamkeit beim Käufer zu erlangen, ist das ein Problem. Denn diese Bilder haben auch Einfluss auf das Rollenverständnis junger Mädchen. Denen wird durch Sendungen wie "Germany's next Topmodel" sowieso schon eingebläut, dass Aussehen allein zählt. Das Magazin zur Sendung erscheint übrigens bei Egmont Ehapa – und reiht sich ein neben Zeitschriften wie "Barbie", "Disney Prinzessin" oder "Monster High". Keine Frage also, welche Zielgruppe dabei angesprochen werden soll.

Der moderne Feminismus richtet sich also gegen Gender Pay Gap und Sexismus. Im Gegensatz zu den veralteten feministischen Ideologen kämpfen die heutigen Feministinnen aber auch für die Rechte von Homosexuellen und der Transgender-Community. Niemand muss vor einer Umkehrung der Geschlechterrollen Angst haben, denn das ist nicht das Ziel von Feministinnen. Im Grunde geht es um die Gleichstellung aller in allen Belangen – egal ob weiblich, männlich oder transgender.


Netzfeminismus: 5 Schlagwörter des modernen Feminismus

Heutzutage nimmt das Internet einen unglaublich großen Stellenwert in unserem Leben ein. Das machen sich auch Feministinnen zu Nutze: Es wird fleißig unter selbstinitiierten Hashtags getwittert, Kolumnen geschrieben, auf Missstände aufmerksam gemacht oder Petitionen geteilt. Wir zeigen dir, welche Feministinnen und Schlagwörter du kennen solltest.

Victimblaming

Dieser Begriff wird immer dann benutzt, wenn den Opfern einer Straftat die Schuld zugeschrieben wird. Dies ist leider oft bei Vergewaltigungsprozessen oder sexueller Belästigung der Fall. Aussagen wie "Wieso trägt sie auch so einen kurzen Rock? Selbst schuld!", hört man immer wieder. Dabei sollte eigentlich klar sein, dass Kleidung ein Ausdruck für die Persönlichkeit der Trägerin ist und keine Einladung für plumpe Anmachen und Grabscher.

Rapeculture

Rapeculture bedeutet übersetzt so viel wie "Vergewaltigungskultur" und bezeichnet Gesellschaften, in denen das Wissen um Vergewaltigungen und sexualisierter Gewalt stets in Hinterkopf gehalten, toleriert oder geduldet wird. Dadurch wird den Opfern die Verantwortung zur Vorsorge und Verhinderung von Straftaten zugewiesen. Im Klartext würde dies bedeuten, dass niemand aufreizende Kleidung tragen oder sich frei bewegen dürfte. Da wären wir wieder beim Victimblaming.

Nein heißt nein

Im Juli 2016 hat der Bundestag mit dem Ziel, sexuelle Gewalt leichter ahnden zu können, ein neues Sexualstrafrecht verabschiedet: "Nein heißt nein". Fortan sollen nicht mehr nur Vergewaltigungen durch Gewalt oder Gewaltandrohungen verfolgt werden, sondern alle Handlungen, die gegen den "erkennbaren Willen" des Opfers sind. Außerdem werden bei Sexualstraftaten aus Gruppen heraus alle Teilnehmer dieser Gruppe bestraft. Vorher wurden viele Prozesse fallengelassen, da keinem eindeutigen Täter die Schuld nachgewiesen werden konnte.

#aufschrei

2013 kam es in Deutschland zu einer Sexismus-Debatte, als die Journalistin Laura Himmelreich den FDP-Politiker Rainer Brüderle der sexuellen Belästigung bezichtigte. Damals war es vor allem Anne Wizorek, die auf Twitter das Hashtag #aufschrei etablierte. Tausende Frauen berichteten dort über erlittene sexuelle Übergriffe – so kamen mehr als 50.000 Tweets zusammen.
 

#ausnahmslos

Zwei Jahre später gab es auf Twitter erneut einen trendenden Hashtag: #ausnahmslos. Nach den Vorfällen in der Silvesternacht 2015 wurde kontrovers diskutiert. Dabei wurden die Ereignisse leider vermehrt in den sozialen Medien ausgebeutet, um gegen einzelne Bevölkerungsgruppen zu hetzen. Aktivistinnen nutzen die Plattform Twitter, um sich gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus zu wehren. In diesem Sinn ging es beispielsweise als mediale Ansätze darum, dass Opfer in der Berichterstattung nicht verhöhnt und Taten nicht verschleiert werden dürfen. Außerdem soll Sexismus als bestehendes Problem anerkannt und nicht einer einzelnen Religion nachgesagt werden.
 


Feminismus heute: Diese modernen Wegbereiterinnen solltest du kennen

Anne Wizorek

Die Autorin und Medienberaterin Anne Wizorek initiierte den Hashtag #aufschrei. Sie setzt sich für Geschlechtergerechtigkeit ein und ist dabei besonders im Netz aktiv. Sie wendet sich aktiv gegen die Verharmlosung von Vergewaltigungen und plädiert für die sexuelle Selbstbestimmung. 2014 erschien ihr Buch "Weil ein Aufschrei nicht reicht: Für einen Feminismus von heute".

Margarete Stokowski

Die Berlinerin Margarete Stokowski arbeitete als Redakteurin bei der taz und machte vor allem durch die Kolumne "Luft und Liebe" auf sich aufmerksam. Margarete ist irgendwie alles in einem: Feministin, Netzaktivistin, Medien- und Gesellschaftskritikerin. Mittlerweile zog ihre Kolumne um zu Spiegel-Online und nennt sich "Oben und unten". Dass sie tagtäglich von einer Vielzahl an Hassmails und Anfeindungs-Tweets überflutet wird, zeigt, dass es noch einige Stereotype gibt, die aufgerüttelt werden müssen.

Laurie Pennie

Laurie Penny ist eine britische Journalistin und Bloggerin, die in Deutschland vor allem durch ihr Buch "Fleischmarkt" bekannt wurde. In diesem beschäftigt sie sich mit den Medien, sexistischer Werbung, Schlankheitswahn und Pornografie. Mit klaren Worten entwaffnet sie den Sexismus im Alltag.

Pinkstinks

Die Protestorganisation Pinkstinks macht auf Produkte-, Werbe- und Medieninhalte aufmerksam, die Kindern limitierende Geschlechterrollen zuweisen, und geht dagegen vor. Im Klartext bedeutet dies: Siehst du eine sexistische Werbung, kannst du sie der Organisation melden und diese wendet sich dann an den Deutschen Werberat. Das Motto lautet dabei "Love Pink – Hate Pinkification". Denn wer braucht schon Ü-Eier "nur für Mädchen"?

HeForShe

HeForShe ist eine besonders in Amerika verbreitete Kampagne von UN Women, einer Einheit des UN Systems, welche die Gleichstellung der Geschlechter vorantreiben. Zentral ist hierbei der Gedanke, dass die Gleichstellung alle Menschen betrifft und sich nicht nur Frauen für Frauen einsetzen sollen. Daher ist ein Ziel der Kampagne vor allem, Jungen und Männer als Unterstützer für die Gleichberechtigung zu gewinnen. Emma Watson setzt sich als Gesicht für die Kampagne ein, aber auch viele männliche Prominente beteiligen sich über Social Media-Kanäle.
 

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