K.O.-Tropfen Party
Schon nach zehn Minuten können K.O.-Tropfen ihre Wirkung entfachen | Foto: Michael Discenza/Unsplash

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Nina Weidlich

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K.O.-Tropfen: So kannst du dich vor Partydrogen schützen

Blackout: Opfer von K.O.-Tropfen können sich oft nicht mehr an die Tat erinnern

"Pass auf dein Getränk auf, wenn du auf der Party bist." Wie oft haben deine besorgten Eltern das schon zu dir gesagt? Zehn Mal? 100 Mal? Tausend Mal? Und wie oft bist du zur Toilette gegangen, hast dein Glas auf dem Tisch stehen lassen und danach einen beherzten Schluck daraus getrunken? Ist ja immer gut gegangen – trotzdem solltest du dir bewusst machen: das ist nicht nur naiv, sondern kann auch verdammt gefährlich werden.

Inwieweit K.O.-Tropfen und ähnliche Substanzen, die zum Verlust des Bewusstseins führen können, tatsächlich verbreitet sind und für Straftaten eingesetzt werden, lässt sich nur schwer beziffern. Viele Vergehen führen nie zur Anzeige und schon gar nicht zu einer Verurteilung, da die Opfer sich oft nur schemenhaft oder gar nicht an die Tat erinnern können.

Das Problem: Die Einnahme von K.O.-Tropfen kann, ähnlich wie extremer Alkoholkonsum, zum Blackout führen. Wer nach dem Feiern schon einmal einen Filmriss hatte, weiß, wie unangenehm sich dieses schwarze Loch in der Erinnerung am nächsten Tag anfühlt. Schlimmer als der Gedächtnisverlust ist nur, wenn du am nächsten Tag in einem fremden Bett oder alleingelassen am Straßenrand wieder zu dir kommst – mit dem schwer greifbaren Gefühl, dass dir irgendetwas angetan wurde. Damit du gar nicht erst in diese Situation kommst, erfährst du bei uns, wie K.O.-Tropfen wirken und wie du dich am besten vor ihnen schützen kannst.

Welche Arten von K.O.-Tropfen gibt es und wie wirken sie?

Die "beliebteste" und bekannteste Partydroge ist Liquid Ecstasy. Der offizielle Begriff für die Substanz ist Gammahydroxybuttersäure (GHB), andere Bezeichnungen sind G-Juice, Liquid X oder Soap. Da sie oft dafür verwendet wird, Opfer auf Partys gefügig zu machen, kursiert sie auch unter dem Namen Vergewaltigungsdroge.

GHB steht unter dem Betäubungsmittelgesetz und ist rezeptpflichtig. Ihr Grundstoff Gamma-Butyrolacton (GBL) dagegen wird in der Industrie als Lösungs-und Reinigungsmittel, zum Beispiel für Nagellackentferner, verwendet und ist frei verkäuflich. Da GBL im Körper automatisch in die Partydroge Liquid Ecstasy umgewandelt wird, rufen die beiden Substanzen die gleichen Symptome hervor. Beide Stoffe sind farb- und geruchslos, was es unmöglich macht, sie im Getränk zu erkennen.

Der Geschmack der Flüssigkeiten wird als leicht salzig oder auch seifig beschrieben, auch das fällt den Opfern in Kombination mit einem Drink aber meist gar nicht oder erst zu spät auf. Neben GHB und GBL werden auch Schlafmittel oder bestimme Antidepressiva als K.O.-Tropfen verwendet. Häufig handelt es sich dabei um Substanzen, die normalerweise zu Therapiemaßnahmen in der Medizin genutzt werden.

Nach der Einnahme dauert es nur zwischen zehn und 30 Minuten, bis die Drogen ihre Wirkung entfalten. Häufig auftretende Symptome sind Euphorie, Hemmungslosigkeit und Schwindel. Anfangs können die Opfer sich meist noch relativ normal unterhalten und wirken nur etwas angetrunken. Von jetzt auf gleich können sie aber motorische Schwierigkeiten bekommen, erschlaffen oder sogar bewusstlos werden.

Im schlimmsten Fall endet die Einnahme von K.O.-Tropfen tödlich – denn auch Krampfanfälle, Unterkühlung, Herzstillstand und Atemstillstand sind mögliche Folgen der Drogen. Diese Gefahren treten vor allem auf, wenn die Mittel falsch dosiert werden. In Kombination mit Alkohol, in der die Drogen auf Partys meist eingesetzt werden, verstärkt sich ihre Wirkung unkontrollierbar. 

Wie kannst du dich vor K.O.-Tropfen schützen?

Um dich und deine Freunde vor der unfreiwilligen Einnahme von Partydrogen zu schützen, solltest du dir einige einfache Empfehlungen zu Herzen nehmen. Die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes hat deshalb die wichtigsten Tipps für dich zusammengestellt:

  • Lass dein Getränk nie aus den Augen – ist es doch mal unbeaufsichtigt, trinke es lieber nicht aus und bestelle dir etwas Neues
  • Nimm deine Getränke an der Bar immer selbst entgegen und lasse dir nichts ausgeben oder von anderen mitbringen
  • Fühlst du dich komisch, suche Hilfe bei deinen Freunden oder dem Personal
  • Pass auch auf deine Freunde auf und reagiere sofort, wenn sie teilnahmslos wirken oder mit fremden Personen mitgehen
  • Zu viel Alkohol kann ähnliche Wirkungen wie K.O.-Tropfen haben – höre also rechtzeitig auf zu trinken

Einige der Tipps erscheinen dir vielleicht selbstverständlich. Wenn du ehrlich bist, geraten sie in der ausgelassenen Stimmung auf Partys aber oft in Vergessenheit. Auch wenn Feiern Spaß machen soll und Alkoholkonsum oft nun einmal dazu gehört, solltest du nie so viel trinken, dass du die Kontrolle über deine Sinne verlierst und nicht mehr rational handeln kannst. Am nächsten Tag wirst du dir selbst dafür danken.


Expertenrat: Vier Fragen an Polizeioberrat Joachim Schneider

Polizeioberrat Joachim Schneider

UNICUM: Wie viel von einer gefährlichen Substanz muss ich trinken, damit die Wirkung eintritt?
Joachim Schneider: Das hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Bei einer Dosierung von circa 0,5-1,5 ml wirken die Tropfen wie Alkohol, ab circa 2 ml setzt die Betäubung ein. Sie müssen jedoch bedenken, dass Ihre körperliche Konstitution  mitentscheidend ist, wie viel der Tropfen bereits genügt, um Sie zu betäuben. Außerdem ist zu bedenken, dass K.O.-Tropfen anfangs ähnlich wirken wie Alkohol. Der Unterschied ist, dass bei einer höheren Dosierung Betroffene rapide in eine Art Tiefschlaf fallen bzw. das Bewusstsein verlieren.

Raten Sie (potentiellen) Opfern, sich auch bei Verdacht bei der Polizei zu melden? 
Wenn Sie den Verdacht haben Opfer von K.O.-Tropfen geworden zu sein, sollten  Sie sich auf jeden Fall bei der Polizei melden und Anzeige erstatten. Das ist notwendig, um andere vor dieser Gefahr zu schützen. Zudem können verschiedene Straftatbestände wie gefährliche Körperverletzung, Freiheitsberaubung, versuchte oder vollendete Vergewaltigung sowie Verstöße gegen das Betäubungsmittel- oder Arzneimittelgesetz erfüllt sein.

Die Strafverfolgung übernimmt die Polizei, fertig werden mit der Situation muss jedes Opfer jedoch selbst. Daher empfehlen wir Betroffenen, sich außerdem Hilfe und Beistand bei Freunden oder speziellen Hilfsorganisationen, wie dem WEISSEN RING, zu holen.

Was passiert, wenn ich zur Polizei gehe und sich herausstellt, dass mir gar keine K.O.-Tropfen verabreicht wurden?
Ihnen drohen keine Konsequenzen, wenn Sie das Gefühl haben, Opfer der Tropfen geworden zu sein, dies jedoch nicht nachweisbar ist. Wenn Sie jedoch absichtlich jemanden fälschlicherweise beschuldigen, machen Sie sich strafbar.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um den Einsatz von K.O.-Tropfen erfolgreich zur Anzeige zu bringen? Sollte ich als Opfer zuerst ins Krankenhaus, oder mich direkt an die Polizei wenden?
Wenn Sie vermuten, dass Sie Opfer von K.O.-Tropfen geworden sind, sollten Sie sich immer zuerst medizinisch versorgen lassen. Die Tropfen sind nur wenige Stunden nach der unbewussten Einnahme in Urin und Blut nachweisbar. Danach sollten Sie sich an die Polizei wenden.


Rettung naht?! Gadgets, die vor K.O.-Tropfen schützen sollen

Der Einsatz von K.O.-Tropfen und die Folgen für die Opfer werden selten in der Gesellschaft diskutiert. Betroffene schämen sich, ihre Geschichte zu erzählen – vor allem, weil sie sich nicht an Details erinnern können und befürchten, nicht ernst genommen zu werden.Trotzdem ist das Problem in der Partyszene weit verbreitet. Die Frage bleibt also: Wie kann man die Opfer effektiv vor K.O.-Tropfen und anderen Partydrogen schützen? Zahlreiche Start-Ups haben bereits versucht, Gadgets zu entwickeln, mit denen ganz einfach selbst ermitteln kannst, ob jemand Drogen unter dein Getränk gemischt hat.

Das amerikanische Unternehmen "Undercover Colors" arbeitet zum Beispiel angeblich an einem speziellen Nagellack, der die Farbe wechselt, sobald er mit gefährlichen Substanzen im  Getränk in Berührung kommt. Du könntest also einfach deinen Finger kurz ins Glas halten und wüsstest innerhalb weniger Sekunden, ob jemand dir Drogen untergejubelt hat. Dazu haben sich allerdings bereits kritische Stimmen geäußert, die den Gründern vorwerfen, ihr Produkt sei wissenschaftlich nicht fundiert und könnte gar nicht funktionieren. Fest steht: Getüftelt wird an dem Nagellack schon seit 2014 – bisher ohne sichtbaren Erfolg. In einem Kommentar auf ihrer Facebook-Seite schrieben die Gründer allerdings vor Kurzem, dass das Produkt im Herbst 2018 endlich auf den Markt kommen soll.

Andere Gadgets funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip. Drei High School-Schülerinnen aus den USA haben den "Smart Straw" entwickelt: Ein Strohhalm, der ebenfalls die Farbe wechselt, sobald er mit bestimmten Arten von K.O.-Tropfen in Berührung kommt. Auch der smarte Strohhalm ist allerdings noch nicht auf dem Markt erhältlich. Die drei Schülerinnen erhielten aber bereits einen Unternehmerpreis für ihr Produkt und planen, Entwicklung und Produktion mithilfe einer Crowdfunding Kampagne zu finanzieren. Auch Ideen zu Stiften oder Teststreifen, die vor Drogen im Getränk warnen, gibt es viele. Bisher hat es aber noch keines der Produkte tatsächlich auf den Markt geschafft.


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