Minimalismus
Minimalisten wählen jeden neuen Gegenstand mit großer Sorgfalt aus | Foto: Liana Mikah/Unsplash

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22. Jan 2018

Nina Weidlich

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Minimalismus: Tipps für ein einfaches Leben

Loslassen kostet Überwindung

Spätestens beim Umzug merkt jeder von uns: Ich habe definitiv zu viel Kram! Aber auch im Alltag wird uns häufig bewusst, dass wir mehr besitzen, als wir gebrauchen können. Zum Beispiel, wenn sich mal wieder etwas in der vollgestopften Schublade verkeilt hat, wir unter den Klamottenbergen unser Lieblings-Top nicht finden oder den Drang verspüren, der hässlichen Porzellanfigur von Tante Gerda einen kleinen, aber tödlichen Stups zu versetzen.

"Aber dieses T-Shirt hab' ich doch getragen, als…" oder "Wenn ich die Porzellanfigur kille, killt Tante Gerda mich!" sind nur einige der Gedanken, die uns beim Loslassen ausbremsen. Dabei kann Verkaufen, Verschenken oder Upcyceln so befreiend sein. Das sagen zumindest die, die es schon ausprobiert haben. 

Minimalismus hat viele Facetten

Minimalisten besitzen wenig. Sie hinterfragen ihr Konsumverhalten kritisch, leben möglichst nachhaltig und legen viel Wert auf Achtsamkeit im Alltag. Dabei geht es im ersten Schritt um das Ausmisten von materiellen Gegenständen in Kleiderschränken, der Küchenschublade oder im Bücherregal. Wichtigste Regel: Wenn's geht, wird nichts weggeworfen, denn auch die Zero-Waste-Bewegung ist fest im Minimalismus verankert. Verpackungsfrei einkaufen, Müll vermeiden und selbstgemachte Kosmetik gehören für viele Minimalisten zum Alltag.

Wer sich mit Minimalismus beschäftigt, wird auch an dem Begriff "Capsule Wardrobe" nicht vorbeikommen. Dahinter verbirgt sich eine reduzierte Garderobe aus etwa 33-37 Kleidungsstücken, die je nach Jahreszeit wechselt – Schmuck, Unterwäsche und Schlafanzüge zählen nicht dazu. Das Ziel: nachhaltig einkaufen und wenige, dafür aber qualitativ hochwertige Kleidungsstücke zu besitzen, die nie aus der Mode kommen. Neben materiellem Verzicht haben auch die Einschränkung von digitalem Konsum und eine bewusste Ernährung für Minimalisten eine große Bedeutung – in vielen Fällen beeinflussen ein veganes Leben und Minimalismus sich gegenseitig.

Klare Linien, klare Formen, kaum Möbel, schwarz-weiße Kleidung – für Kritiker ist der Minimalismus längst zum Szene-Lifestyle geworden, der seine eigentliche Bestimmung vergessen hat. Eine Art Minimalismus-Hype gibt es im Internet tatsächlich: YouTuber nehmen uns mit auf Room-Tour durch ihre spärlich eingerichteten Zimmer, auf Pinterest animieren uns "30-Tage-Challenges" dazu, jeden Tag auf etwas zu verzichten. Weniger Klamotten, weniger Internet, mehr Dankbarkeit, so die Devise. 

Minimalismus-Klischees und warum sie nicht stimmen: "Minimal Mimi" im Interview

Minimal Mimi

Ein echtes Paradebeispiel und Inspiration für viele andere Minimalisten ist Joachim Klöckner. Der knapp 70-jährige Autor des Ratgebers "Der kleine Minimalist" besitzt nur etwa 50 Dinge, die alle in einen einzigen Rucksack passen. Ganz so weit geht Mimi nicht, trotzdem hat der Minimalismus ihr Leben positiv verändert: Auf ihrem YouTube-Kanal "Minimal Mimi" zeigt sie uns ihren minimalistischen Kleiderschrank, postet vegane Rezepte und gibt Tipps fürs Ausmisten.

Knapp 12.000 Abonnenten hat Mimi bereits, das Video zu ihrer reduzierten Garderobe haben sich 73.000 Leute angesehen. Wir haben mit der 28-jährigen Studentin gesprochen und mit den gängigsten Minimalismus-Klischees aufgeräumt.

1) Minimalismus ist teuer

Mimi: "Im Großen und Ganzen gebe ich weniger Geld aus als früher, weil ich einfach weniger konsumiere. Für bestimmte Dinge gebe ich aber mehr aus, weil ich auf gute Qualität achte, damit es länger hält und fair produziert ist."

2) Minimalismus kostet Zeit

"Was am Anfang natürlich Zeit kostet, ist das Ausmisten an sich. Jetzt spare ich im Alltag eher Zeit. Es ist zum Beispiel viel einfacher geworden, den Haushalt zu machen, wenn nicht so viele Gegenstände rumstehen, um die man herum putzen muss. Außerdem brauche ich morgens vor dem Kleiderschrank nicht mehr so lange, weil ich weniger Entscheidungen treffen muss: Ich habe nur Sachen, die mir gefallen und auch alle irgendwie zusammenpassen. Das ist auf jeden Fall eine Erleichterung."

3)  Minimalismus ist Ressourcen-Verschwendung

"Als ich die Dinge loswerden wollte, war es mir wichtig, nichts wegzuwerfen. Vielleicht freut sich ja noch jemand darüber, der das eine oder andere Teil braucht. Viele Sachen habe ich bei eBay Kleinanzeigen oder bei Kleiderkreisel reingestellt, Bücher habe ich teilweise auch verschenkt. Das ist natürlich ein bisschen zeitaufwändig, aber das macht man dann halt einmal und dann ist das erledigt. Beim Minimalismus geht es ja gerade darum, durch weniger Konsum Ressourcen zu schonen."

4) Minimalismus bedeutet Verzicht

"Oft wird Minimalismus mit etwas Dogmatischem in Verbindung gebracht oder man denkt, man muss besonders wenig oder nur eine bestimmte Anzahl an Dingen besitzen. Darum geht es aber gar nicht, das Ausmisten an sich ist eigentlich nur der Anfang. Ich lebe jetzt generell viel bewusster, nachhaltiger und achtsamer und das ist sehr befreiend."

Capsule Wardrobe

Los geht's: Mimis Tipps für erfolgreiches Ausmisten

Auch wer nicht gleich seinen halben Hausrat loswerden will, sollte sich ab und zu von dem Kram trennen, der sich über Jahre angehäuft hat. Auch für eine erfahrene Minimalistin wie Mimi war das am Anfang schwierig. Mit uns teilt sie deswegen ein paar grundlegende Tipps, wie wir unser Konsumverhalten Schritt für Schritt umstellen können.

Einmal drüber Schlafen

Du siehst in der Stadt eine Jacke, die du unbedingt haben musst? Jetzt sofort? Mimi rät, erst einmal eine Nacht über die Kaufentscheidung zu schlafen: "Am nächsten Tag interessieren die meisten Sachen einen gar nicht mehr. So habe ich mir den Shopping-Impuls mit der Zeit abgewöhnt. Jetzt ist Shoppen für mich eher eine Last. Ich mache das nur, wenn ich wirklich etwas Neues brauche."

Erinnerungsstücke fotografieren

"Es gibt manchmal Sachen, die einen sentimentalen Wert haben – da hat man ein schlechtes Gewissen, die weg zu geben. Ich habe die Sachen dann einfach abfotografiert. Meistens schaut man sich die Fotos gar nicht noch einmal an, aber in dem Moment hilft das. Wenn einem Gegenstände Schuldgefühle geben, sollte man sie sowieso lieber in andere Hände geben, die vielleicht mehr damit anfangen können."

Verbrauchsgüter verschenken

Wenn du reduzierter leben willst, solltest du alle in deinem Umfeld einweihen, damit sie dich an Weihnachten oder deinem Geburtstag nicht mit Gegenständen überhäufen, die du gar nicht gebrauchen kannst. "Ich habe zum Geburtstag Verbrauchsgegenstände wie Blumen oder Tee bekommen – also nichts, was dauerhaft in der Wohnung bleibt." Auch gemeinsame Erlebnisse zu verschenken ist eine gute Alternative zu unnötigem Kram, der nur in der Ecke rumsteht.  

Apps zeitweise löschen

Auch in Sachen Digital Detox ist Mimi vor kurzem aktiv geworden: "Ich bin da extrem suchtanfällig. Deshalb habe ich die entsprechenden Apps für zwei Wochen von meinem Smartphone gelöscht. Ich habe in der Zeit nichts vermisst und als ich sie wieder installiert habe, war es eigentlich auch okay. Ich habe mir das in dieser Zeit abgewöhnt."

Mit System ausmisten

"Ich habe das damals komplett ohne System gemacht – einmal in der einen, einmal in der anderen Ecke. Heute würde ich nach Kategorien ausmisten: Nicht nur den Kleiderschrank, sondern generell Kleidung aussortieren und die Klamotten gleich aus allen Ecken der Wohnung zusammensuchen.

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