Online lernen
Online lernen: Auch dazu gehört Selbstdisziplin | Foto: Thinkstock/Jacob Ammentorp Lund
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03. Feb 2014

Christina Scholten

Studium Digital

Online lernen: Me, myself and MOOC

Universitäre Online-Kurse im Selbstversuch

MOOC: Fühlt sich wirklich an wie Uni

Ich liebe kostenlose Bildung. Wahrscheinlich hängt das mit einem posttraumatischen Studiengebühren-Belastungssyndrom zusammen, vielleicht auch mit ein bisschen Nerdigkeit, ich geb's zu. Ich habe seit Jahren einen Ausweis von der Stadtbücherei, den ich wegen sich summierender Mahngebühren für nicht abgegebene Bücher nun einschließen musste, ich höre Podcasts und ich finde Dokumentationen auf Arte an verkaterten Sonntagen spitzenmäßig. Ist also klar, dass Online-Lernen an einer "Open University" mit freien Kursen mein Streberherz hüpfen lässt wie ein kleines Schulmädchen.

Weil Schreiben und Erzählen irgendwie mein Ding ist, habe ich mich für das Seminar "The Future of Storytelling" entschieden – und räumte für die Einschreibung in den Kurs sogar meinen Schreibtisch auf. In den ersten vier Tagen saß ich zwischen sechs und sieben Uhr abends vor dem Computer und hörte nicht nur der Kursleiterin Christina Maria Schollerer von der FH Potsdam zu, sondern auch der Kinderbuchautorin Cornelia Funke oder dem Transmedia-Guru Robert Pratten. Wahnsinn, wie die alle Englisch sprechen! Und woher haben die denn überhaupt so große Namen für ihren Kurs bekommen?, fragte ich mich und war gedanklich sofort woanders.

Da am Ende der Einheiten Fragen gestellt werden, muss man sich aber konzentrieren. Fühlt sich also wirklich an wie Uni. Der große Unterschied ist jedoch: Wenn man nicht zuhört, kann man einfach zurückspulen. Und für falsche Antworten gibt es neue Versuche.

Online lernen und das Problem mit der Selbstmotivation

Weil der Mensch nun aber selbst sein innerster Schweinehund ist, braucht er Druck, um zu arbeiten. Denn die Motivation ist auch nur eine untreue Hure der Begeisterung. Also sitze ich in Woche zwei schon nicht mehr jeden Abend, sondern nur noch am Mittwoch an meinem nicht mehr so aufgeräumten Schreibtisch. Der Kurs ist zwar immer noch interessant, aber ich neige dazu, meine Prioritäten zu verlagern. Und diese Woche habe ich zufällig die erste Staffel ALF auf DVD bekommen. Das ist für mich auch eine wichtige Grundlage der kulturellen Bildung.

Die nächsten zwei Wochen bringen ähnlich wichtige Aufgaben mit sich und plötzlich ist "The Future of Storytelling" schon bei Kapitel fünf, ohne mich. Also muss ich alles auf einen Schlag nachholen, was prinzipiell möglich, aber irgendwie anstrengend ist. Auf einmal erinnere ich mich daran, dass ich die Podcasts eigentlich auch nie zu Ende höre und meistens auch nur eins von den zehn ausgeliehenen Büchern aus der Bücherei lese. Ist der Drang nach Bildung letztendlich doch nur ein selbsttrügerischer Zwang, der mir irgendwo zwischen Schule und Uni von der Gesellschaft auferlegt wurde?

Ich suche nach Psychologie-Kursen bei der Open University, vielleicht gibt es dort Antworten dazu. Mein Herz hüpft wieder wie das kleine Schulmädchen, als ich fündig werde – und die Zukunft des Geschichtenerzählens hat ja auch noch ein bisschen Zeit.

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