Berufsfelder Geisteswissenschaften
Nur "gruselige" Jobchancen als Geisteswissenschaftler? Nö! | Foto: Unsplash/Toa Heftiba
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30. Okt 2017

Birte Schmidt

Berufseinstieg

Die Rettung für Geisteswissenschaftler

Blog Geisteswirtschaft hilft bei der Berufsorientierung

GeiWi: Die große Chance

Wenn man Gianna Reich fragt, warum sie sich ausgerechnet für ein geisteswissenschaftliches Studium entschieden hat, dann strahlt sie und sagt: "Weil ich damit unendlich viele berufliche Möglichkeiten habe." Was den meisten ihrer Kommilitonen wohl eher Angst einflößt, sieht die 31-Jährige als eine riesige Chance.

Gianna studiert Germanistik und Angewandte Kulturwissenschaften am KIT – Karlsruher Institut für Technologie. Nach ihrer Ausbildung zur Mediengestalterin hat sie sich bewusst dafür entschieden – allerdings gibt sie zu: "Ich hatte das Problem, das viele Geisteswissenschaftler haben: Ich wusste überhaupt nicht, was beruflich möglich war." Weil sie an einer technischen Uni studierte und mit zwei Informatikern zusammenwohnte, bekam sie mit, dass sich andere Fachbereiche viel besser organisierten, vernetzter waren und sich gegenseitig auf Jobangebote aufmerksam machten. "Ich habe nie verstanden, warum das bei uns nicht auch stattfand."

"Mehr als ein professionalisiertes Hobby"

Also nahm Gianna die Sache selbst in Angriff und gründete im zweiten Semester ihren Blog Geisteswirtschaft. "Hier sammele ich alles, was die Frage beantwortet, welche Karriere-Möglichkeiten wir haben: Veranstaltungshinweise, Linktipps, Buchrezensionen und Interviews mit Menschen, deren Berufe man nicht unbedingt direkt auf dem Schirm hat." In den Gesprächen habe sie gemerkt, dass die wenigsten GeiWis von Anfang an ein konkretes Berufsziel verfolgt haben: "Für viele ist es eher ein professionalisiertes Hobby. Aber irgendwann kommt nun mal der Tag, an dem sie mit ihrem Wissen Geld verdienen müssen." Und das klappe am besten durch Ausprobieren und Netzwerken.

Gianna selbst steht inzwischen kurz vorm Abschluss ihres Bachelors – nach 13 Semestern: "Ich habe das immer ein bisschen vor mir hergeschoben, weil ich eben schon genau auf die Weise beruflich tätig bin, auf die ich es immer sein wollte." Sie arbeitet halbtags bei einem Softwareunternehmen im Marketing und gibt

 

freiberuflich Workshops oder hält Vorträge zum Thema "Berufseinstieg für Geisteswissenschaftler" und betreut die Social-Media-Kanäle eines großen Verlagshauses. All das sind die Ergebnisse ihres Ausprobierens und Netzwerkens, denn natürlich setzt Gianna selbst um, was sie auf ihrem Blog empfiehlt.

Giannas Tipps für Geisteswissenschaftler auf Jobsuche:

Gianna Reich Geisteswirtschaft.de

  1. Stellenanzeigen sammeln: So bekommt ihr einen Eindruck davon, was für Stellen ausgeschrieben sind, wie die Berufsbezeichnungen heißen und welche Skills in welchem Job gefordert sind.
  2. Geschickt online suchen: In Jobanzeigen findet sich nicht immer explizit der Begriff "Geisteswissenschaften". Schaut ebenfalls nach "Marketing", "Sprachwissenschaften", "Kommunikationswissenschaften" oder "Journalismus".
  3. Mutig bewerben: Bewerbt euch auch auf Stellen, die nicht 100-prozentig an euch gerichtet sind. Was zählt, sind eure Fähigkeiten.
  4. Selbstmarketing betreiben: Nutzt Plattformen wie XING, LinkedIn oder einen eigenen Blog, um auf euch aufmerksam zu machen.
  5. Netzwerken: Sucht neue berufliche Kontakte, zum Beispiel auf Messen, Tagungen oder Konferenzen.
  6. Weiterbildungsangebote nutzen: Nutzt Angebote eurer Hochschule, um euch begleitend zum Studium weiterzubilden, etwa durch eine neue Sprache, Software-Skills oder Kenntnisse im Projektmanagement und BWL.
  7. Praxiserfahrungen sammeln: Versucht, so viel wie möglich zu arbeiten, beispielsweise als studentische Hilfskraft, Praktikant, Werkstudent, Ehrenamtler oder freier Mitarbeiter.
  8. Stärken und Schwächen reflektieren: Schreibt auf, was ihr bereits im Studium, im Job oder auch privat gelernt habt. Überlegt dabei, was Spaß macht und was eher schwerfällt. 

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