Allzeit bereit: Wer sind eigentlich diese Pfadfinder?

Sophia Bosold - 05.10.2017

Pfadfinder

So sieht die Kluft der Pfadfinder aus. Dürfen nicht fehlen: Aufnäher! | Foto: privat

Alles auf Anfang

Die Pfadfinderei ist eine große Gemeinschaft. In dieser geht es sowohl um Spaß, als auch um die Vermittlung wichtiger Werte. Pfadfindergruppen treffen sich einmal die Woche und je nach Alter werden Spiele gespielt, größere Aktionen geplant und durchgeführt und Pfadfinderwissen vermittelt. Als Pfadfinder können Kinder und Jugendliche von zu Hause rauskommen und mit Freunden etwas erleben. Dabei können sie den Alltagsstress vergessen und einfach mal abschalten.

Werte und Leitlinien der Pfadfinderei

Leben in Hoffnung, Freiheit, Wahrheit und tätiger Solidarität sind die vier Leitlinien der Pfadfinderei. Aber neben diesen, spielen auch andere Prinzipien eine wichtige Rolle. Pfadfinder respektieren und akzeptieren andere Menschen und sind höflich und hilfsbereit. Sie bilden sich ihre eigene Meinung, stehen zu dieser und setzen sich in der Öffentlichkeit für diese ein. Außerdem versuchen Pfadfinder möglichst umweltbewusst zu leben und sind eine große Gemeinschaft, die altersübergreifend zusammenschweißt. Dabei spielt der Aspekt der Verantwortung eine besonders große Rolle. Die drei Säulen der Pfadfinderei sind Verantwortung gegenüber sich selbst, gegenüber Anderen und gegenüber Gott.

Der Gründer der Pfadfinder

Lord Robert Stephenson Smyth Baden-Powell. Diesen Namen sollte jeder Pfadfinder kennen. Oder zumindest die Abkürzung "BP". Dieser hat nämlich die Pfadfinder gegründet und im Jahr 1907 das erste Pfadfinderlager auf Brownsea Island veranstaltet. Auf dieser Grundlage hat er dann die Leitlinien der Pfadfinderei in einem Buch veröffentlicht und damit eine rasante Verbreitung der Bewegung auf der ganzen Welt vorangetrieben.

Pfadfinder auf der ganzen Welt

Die World Organisation of the Scout Movement (WOSM) ist eine Weltpfadfinderorganisation, der momentan 36 Millionen Pfadfinder aus 160 verschiedenen Ländern angehören. Die Verbände, die zur WOSM gehören, tragen zum Zeichen auf ihrer Kluft eine Weltbundlilie, die den Zusammenhalt von Pfadfindern auf der ganzen Welt symbolisiert. Jeder Verband hat aber neben der Weltbundlilie auch noch eine eigene Lilie, weil diese das Symbol der Pfadfinderbewegung darstellt.

Verbände und dpsg

Insgesamt gibt es deutschlandweit mehr als 260.000 Pfadfinder. Diese verteilen sich auf verschiedene Verbände wie den Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder oder den Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder. Der größte Verband in Deutschland ist die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (dpsg). Das Symbol der dspg ist eine Lilie, die den Glauben, den Zusammenhalt und die drei Säulen der Pfadfinderei symbolisiert.

Bezirk und Diözese

In der dpsg gehört jeder Stamm einem Bezirk an, welcher eine große oder einige kleine Städte zusammenfasst. Diese Bezirke gehören wiederum einer Diözese an, die geografisch weiter gefasst ist. Demnach sind Pfadfinderaktionen auf Diözesanebene immer viel größer als welche auf Bezirksebene. Aber auch diese verlangen eine intensive Planung und großes organisatorisches Talent.

Stefan Fleige (30), Bezirksvorstand der dpsg Bochum und Wattenscheid & Wö-Leiter: "Als Bezirk steht für uns vor allem die Vernetzung der Stämme untereinander und Vertretung in Gremien der Stadt im Mittelpunkt. Hierzu zählen aber auch regelmäßig Großveranstaltungen. So waren wir am diesjährigen Pfingstwochenende mit 650 Pfadfindern des Bezirkes Bochum und Wattenscheid im Sauerland. Solche Veranstaltungen machen unsere Gemeinschaft erst richtig erlebbar."

Stamm und Stufen

Ein Stamm hat in der Pfadfinderei hingegen aller Erwartungen rein gar nichts mit einem Baumstamm zu tun. Der Stamm ist das zu Hause eines jeden Pfadfinders. In größeren Städten gibt es oft pro Stadtteil einen Stamm, sodass jeder auch in der Nähe seines Wohnortes sein Hobby ausleben kann. In einem Stamm sind immer alle Altersstufen vertreten. Die Gruppengröße kann aber je nach Ort extrem variieren.

Die Wölflinge (kurz: Wös) sind die Kleinsten und sieben bis zehn Jahre alt. Danach kommen die Jungpfadfinder (kurz: Juffis) mit 11-13 Jahren. Auf die Pfadfinder (kurz: Pfadis) von 14-16 Jahren folgen dann noch die Rover mit 16-21 Jahren. Ab 18 kann man Gruppenleiter werden. Dem Alter sind in diesem Fall keine Grenzen gesetzt. Wenn man für eine Stufe zu alt wird, gibt es einen Stufenwechsel. Wie sich dieser gestaltet, ist jedem Stamm selbst überlassen. Manchmal gibt es auch noch eine Wichtel-Stufe, in der die Kinder jünger als sieben Jahre sind.

Ist das eine Uniform?

Tragen Pfadfinder nicht immer diese Hemden? Nein. Das heißt bei den Pfadfindern nicht Hemd, sondern Kluft. Mit einer Uniform hat das Ganze auch eher wenig zu tun. Die Kluft unterscheidet sich je nach Verband zum Beispiel in der Farbe. Aber Aufnäher werden auf jede Kluft genäht. Manche Aufnäher sind Pflicht, zum Beispiel der, der über die Nationalität informiert. Ansonsten kann man aufnähen, was man möchte. Patches von verschiedenen Lagern oder Aktionen, von seinem Verband oder auch vom Stamm. Je voller die Kluft, desto bunter wird sie und lässt darauf schließen, dass man schon lange Pfadfinder ist.

Zusätzlich tragen Pfadfinder bunte Halstücher. Diese gibt es in der dpsg in fünf verschiedenen Farben. Jede Stufe hat nämlich ihre eigene Farbe. Die Wös tragen ein orangenes Halstuch und die Juffis tragen ein blaues Halstuch. Bei den Pfadis ist das Halstuch grün und bei den Rovern ist es rot. Die Leiter bekommen ein graues Halstuch. Solange man sein erstes farbiges Halstuch behält, eignen sich die bunten Stoffdreiecke sehr gut zum Tausch. Dieser symbolisiert Weltoffenheit und internationale Gemeinschaft zwischen Pfadfindern aus aller Welt.

Das Pfadfinderversprechen und der Glaube

Pfadfinder legen in jeder Stufe freiwillig ein Pfadfinderversprechen ab. Dieses bezieht sich auf die drei Säulen der Pfadfinderei. In der Pfadfinderei spielt der Glaube zwar eine große Rolle aber an wen oder was man glaubt, ist irrelevant.

Maximilian Strozyk (30), Pfadfinder & Priester: "Als Pfadfinder dürfen wir an einen Gott glauben, der uns Menschen liebt und begleitet. Wie wir ihn nennen: Jahwe, Gott oder Allah, ist die Entscheidung jedes Einzelnen."

Je älter man wird, desto überlegter und detaillierter fällt auch das Versprechen aus. Bei der Versprechensfeier tragen alle ihre Kluften, es gibt Kerzen oder Fackeln und die Versprechenden legen ihre Hand im Pfadfindergruß auf das Banner der dpsg. Das Ablegen eines Versprechens ist immer wieder ein Erlebnis, weil auch der Ort immer besonders ist und es eine schöne Zeremonie ist.

Pfadfindergruß

Der Pfadfindergruß ist ein einfaches Handzeichen. Dabei stehen Zeige-, Mittel- und Ringfinger normal von der Hand ab. Damit symbolisieren sie die drei Säulen. Der Daumen hält den kleinen Finger nach unten gedrückt, wie der Große, der den Kleinen schützen würde. Wenn man einem Kameraden die Hand reicht, spreizen beide den kleinen Finger von der Hand ab und geben sich sonst normal die Hand während die rechte Hand den Pfadfindergruß zeigt.

Das Abspreizen des kleinen Fingers bei einem normalen Handschlag war im Nationalsozialismus das Erkennungszeichen für Pfadfinder. So konnten sie ihre Kameraden erkennen und ihnen vertrauen, obwohl die Pfadfinderbewegung verboten und unterdrückt wurde.

Eine zweite Familie

Katharina Heil (22), Wö-Leiterin: "Pfadfinder sind für mich Familie."
Die Pfadfinder können wie eine zweite Familie sein. Wenn man sich lange kennt, viel miteinander erlebt  und diese spezielle Gemeinschaft einfach lebt, fühlt man sich zusammen immer zu Hause, egal wo man gerade ist. Auch wenn man fremde Pfadfinder trifft hat man immer das Gefühl, den Charakter dieser Person trotzdem zu kennen.

Robin Großkopf (20), Juffi-Leiter: "Ich kann von mir behaupten, dass die Pfadfinderei mit meine wichtigste Sozialisationsinstanz war und dass mich das zu der Person gemacht hat, die ich bin. Und ich bin aus dem Grund Pfadfinderleiter, weil ich den Kindern das zurückgeben möchte, was ich damals erhalten habe."

Also doch keine Kekse?

Lukas Büscher (20), Wö-Leiter: "Pfadfinder sein heißt nicht, Kekse zu verkaufen und Omas über die Straße zu helfen, sondern weltoffen und unternehmungsfreudig durch die Welt zu laufen."

Die Vorurteile, die in den Köpfen vieler Menschen über Pfadfinder herrschen, kommen vor allem daher, dass diese Menschen nicht wissen, was Pfadfinder wirklich machen. Außerdem werden diese Klischees in Filmen häufig aufgegriffen und so weiter verbreitet. Das einzige Vorurteil, an dem etwas dran sein könnte, ist das Motto "jeden Tag eine gute Tat". Auch wenn es nicht täglich praktiziert wird, haben Pfadfinder selbst dieses Statement manchmal im Kopf. Allerdings gehen Pfadfinder immer mit wachen Augen durch die Welt und helfen dort, wo es gerade nötig ist. Ob das dann mehrmals am Tag oder einmal in der Woche geschieht, ist vollkommen egal.

Lager und Fahrten

Atalay Sahinbas (20), Rover: "Die Lager dienen mehr der Zusammenkunft von Freunden und der Flucht aus dem Alltag, als dem schlafen im Wald an sich."

Pfadfinder sind gerne und viel unterwegs und immer auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer. In den Sommerferien geht es immer für ein bis drei Wochen in das Sommerlager. Wohin man fährt, spielt dabei keine große Rolle. Hauptsache naturverbunden und als Gemeinschaft unterwegs sein. Es gibt immer ein Programm mit verschiedenen Spielen und Aktionen und abends sitzt man oft zusammen am Lagerfeuer, singt Lieder und erzählt die besten Pfadfinder-Geschichten. Für ein paar Tage geht jede Stufe für sich auf Hike. Das heißt, dass man alles einpackt, was man so braucht. Vom Zelt über den Kocher bis hin zu den Lebensmitteln ist alles dabei. Man läuft morgens los, ohne zu wissen, wo man abends schläft. Zur Not kann man auf Campingplätze ausweichen, aber viel cooler ist es, bei einem Bauern auf dem Feld oder bei Privatpersonen im Garten zu zelten.

Auch Pfingsten ist bei den meisten Pfadfindern ein feststehender Termin. Das Pfingstlager wird oft vom Bezirk oder der Diözese veranstaltet, sodass mehrere Pfadfinderstämme zusammen wegfahren und so manche Geländespiele eine Nummer größer ausfallen. Viele Stämme fahren auch im Advent ins Adventlager oder einfach so zwischendurch noch ein Wochenende weg. Je öfter man zusammen wegfährt, desto besser.

Und je mehr man erlebt, desto mehr Geschichten kann man sich abends am Lagerfeuer noch Jahre später erzählen.

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