Soziales Engagement im Studium: Wie du dich einsetzen kannst

Elena Weber - 12.01.2023

Soziales Engagement Studium

Foto: Thinkstock/william87

Soziales Engagement: Studium bedeutet mehr als Lernen

Nicht nur Vokabeln pauken, sondern auch die Welt verbessern, nicht nur Formeln lernen, sondern anderen Menschen helfen: Die Möglichkeiten neben dem Studium auch soziales Engagement zu zeigen, sind vielfältig. Aber: Will man das wirklich noch zusätzlich zu Klausuren, Hobbys und Netflix? Wer sich sozial engagiert kann davon sowohl persönlich als auch beruflich profitieren.

Defintion: Das ist soziales Engagement

Soziales Engagement umfasst Tätigkeiten für einen wohltätigen Zweck. Im Gegensatz zur ehrenamtlichen Tätigkeit oder der Freiwilligenarbeit kann das soziale Engagement allerdings durch Geldspenden unterstützt werden. Eine große finanzielle Gegenleistung solltest du aber nicht erwarten. Soziales Engagement lebt von deiner Selbstlosigkeit und der Bereitschaft, etwas für andere zu tun – ohne Gegenleistung.

Soziales Engagement geht an fast jeder Uni

An den meisten Hochschulen gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten sich zu engagieren. Zuerst gilt es, sich einen Überblick zu verschaffen: An vielen Unis, wie zum Beispiel in Aachen und Münster, gibt es bereits vom Asta oder der Uni selbst eine Kartei der Studierendeninitiativen, gemeinnützigen Vereine und Hochschulgruppen. Von der TU München wurde sogar eigens dafür die Plattform "TUMsocial" eingerichtet.

Gerade bei akuten und regionalen Problemen sind auch die sozialen Medien sehr hilfreich, wenn es darum geht, schnell Hilfe zu leisten und zu koordinieren. Um beispielsweise eine bereits bestehende Hilfsaktion zum Thema Flüchtlingshilfe zu finden, genügt es schon, ein paar Schlagwörter wie "Flüchtlingshilfe [Name der Stadt]" zu suchen. So entdeckst du sicher schnell eine gemeinnützige Organisation, der du dich direkt anschließen kannst.

Nachfragt bei Studierenden:

"Ich engagiere mich für Geflüchtete, weil wir alle Menschen sind und jeder mal Hilfe braucht. Außerdem hilft die Arbeit ungemein, die meisten Vorurteile und Ängste als irrational und unbegründet zu entlarven. Man setzt sich ja direkt und konstruktiv mit dem Problem auseinander. So hilft man nicht nur den Menschen, die neu zu uns kommen, sondern lernt auch sich selbst ein Stück weit besser kennen."

  • Studentin Elena Kortmann, engagiert sich in der lokalen Flüchtlingshilfe

In diesen Bereichen kannst du dich engagieren

Du kannst dich in vielen verschieden Bereichen des Lebens freiwillig engagieren – da ist es hilfreich, deinen Suchradius etwas einzuschränken, um nicht von der Masse überwältigt zu werden. Einige Bereiche, in denen freiwilliges Engagement möglich ist, sind:

  • Politik: Politisches Engagement umfasst ein weites Feld. Vom Asta oder Wahlhelfern, über die (Jugend-)Ortsverbände der großen Parteien, bis hin zur Organisation von Demonstrationen ist vieles möglich. Besonders aktuelle Themen, wie z.B. die Diskussion bezüglich des Atomkraftwerks Tihange nahe Aachen, bieten einen guten Grund, sich zu engagieren.
  • Flüchtlingshilfe
  • Wirtschaft / Entrepreneurship: Auch im Bereich der Wirtschaft sind die die Möglichkeiten zahlreich, etwa bei Enactus, Sneep oder dem Venture Club Münster.
  • Kunst und Kultur: Viele Kunst- und Kultureinrichtungen brauchen sozailes Engagement, um überhaupt überleben zu können.
  • Religion: An vielen Hochschulen findest du sowohl evangelische, katholische, als auch muslimische Studierendengemeinden.
  • International: Weltweit operierende Organisationen wie Amnesty international, UNICEF oder AIESEC verfügen in ganz Deutschland über Hochschulgruppen.
  • LBGT+: Häufig organisieren sich Initiativen in diesem Bereich als selbstständige lokale Vereine, wie zum Beispiel das Queerreferat in Aachen
  • Besuchsdienst in Altersheimen / Mehrgenerationenprojekte: Meist bieten sich hier in Kooperation mit örtlichen Alten- und Pflegeheimen Möglichkeiten für ehrenamtliches Engagement. An der Uni Münster bietet zum Beispiel der Studentische Besuchsdienst e.V. einen guten Anlaufpunkt.

Vor- und Nachteile

Soziales Engagement ist zweifelsohne eine gute Sache. Aber wo wir die Zeitfrage schon angesprochen haben: Natürlich musst du abwägen, ob du es in deiner aktuellen Lebenssitaution leisten kannst und möchtest. Dabei solltest du mögliche Vor- und Nachteile berücksichtigen.

Die Vorteile:

  • Schon ein bis zwei Stunden die Woche können ausreichen.
  • Du verbesserst wichtige Soft Skills wie Empathie, Verantwortungsbewusstsein und Teamfähigkeit.
  • Du kannst auch deine persönlichen Neigungen miteinbeziehen, etwa wenn du als Trainer /-in in deinem Verein tätig wirst oder im Tierheim Katzen streichelst.
  • Soziales Engagement macht sich gut im Lebenslauf.
  • Hast du vor, dich für ein Stipendium zu bewerben, ist soziales Engagement eine Grundvoraussetzung.
  • Du hilfst Menschen und leistet einen Beitrag zur Gesellschaft.
  • Du knüpfst neue Kontakte.
  • Du tust etwas Sinnstiftendes.
  • Aus deiner sozialen Tätigkeit können sich ein Nebenjob, ein Praktikum oder sogar ein Einstiegsjob nach dem Studium ergeben.
  • Du tust einfach etwas Gutes. Das reicht doch eigentlich schon als Grund, oder?

Die Nachteile:

  • Vielleicht musst du neben dem Studium arbeiten. Ist dein Studiengang dann noch sehr lernintensiv, fehlt einfach die Zeit.
  • Die Zeit, die du hast, möchtest du vielleicht einfach für dich nutzen.
  • Du hast noch nicht das Richtige für dich gefunden.
  • Du hast Bedenken und weißt nicht, ob das was für dich ist (Probier es einfach aus!).

Reicht die Zeit im Studium überhaupt für ein Ehrenamt?

Zeit ist ein entscheidender Faktor. Das weiß man spätestens, wenn es bis zur Klausur nur noch 48 Stunden sind und ein unberührtes Skript auf dem Schreibtisch liegt. Jemand, der/die also bereits als studentische Hilfskraft, einen anderen zeitintensiven Nebenjob hat oder bald mit der Bachelor-Arbeit anfängt, sollte das unbedingt bedenken. Daher solltest du dir schon im Vorfeld darüber im Klaren sein, wie viel Zeit du investierenkannst und möchtest. Schließlich kann jede Organisation nur mit einer gewissen Planungssicherheit helfen und etwas bewegen.

Es gibt aber Angebote, die sich zeitlich flexibler gestalten lassen als andere. So kann sich beispielsweise die ehrenamtliche Arbeit bei der Tafel oder in der Flüchtlingshilfe mit einem unvorhersehbaren Terminkalender von Woche zu Woche besser vereinbaren lassen, als ein dauerhaftes Engagement in der Politik oder als Vorstand eines Vereins. Viele Organisationen und Vereine bieten regelmäßig Infoveranstaltungen an – eine gute Gelegenheit, um sich unverbindlich umzuhören und mit anderen ins Gespräch zu kommen.

Soziales Engagement im Studium – zwei Beispiele

Das klassische Ehrenamt: Die Tafel

Es muss nicht immer direkt die ganze Welt gerettet werden, vor der eigenen Haustür gibt es schließlich auch Menschen in Not. Hier setzen "Die Tafeln" mit deutschlandweit mehr als 900 gemeinnützigen Vereinen an und tragen mit ihrer Arbeit dazu bei, dass Bedürftige qualitativ einwandfreie Lebensmittel erhalten, die anderenfalls vernichtet worden wären. Pro Woche beanspruchen 1,5 Millionen Menschen in Deutschland Hilfe durch die Tafel, besonders Arbeitslose, Alleinerziehende, Geringverdiener, kinderreiche Familien und Rentner sind darauf angewiesen.

Wer sich hier ehrenamtlich engagiert, leistet wertvolle Arbeit für die wirtschaftlich benachteiligen Menschen unserer Gesellschaft, und wirkt gleichzeitig der immensen Nahrungsmittelverschwendung unserer Zeit entgegen. Ebenso lernt man eine neue Wertschätzung gegenüber Lebensmitteln im Allgemeinen.

Nachfragt bei Studierenden:

"Es wird so viel weggeschmissen. Das wurde mir erst durch meine Arbeit bei der Tafel wirklich klar. Und selbst die Ware, die bei der Tafel ankommt, ist nur ein Bruchteil dessen, was schlussendlich im Supermarkt nicht mehr verkauft wurde. Wahnsinn. So hat sich auch mein Blick auf Lebensmittel verändert. Man kann zum Beispiel viele Dinge noch bis zu Wochen nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums bedenkenlos essen - und auch sonst bekommt man ein besseres Auge für Frische und Haltbarkeit."

  • Studentin Rebecca Küsters arbeitet seit der Schulzeit ehrenamtlich bei der Tafel

Eigeninitiative: Enactus

Bei Enactus engagieren sich ca. 1.700 Studierende in 36 Ländern, die unternehmerisch die Welt im Kleinen verbessern wollen und zwar durch die praktische Umsetzung von universitärem Wissen zum Wohle der Allgemeinheit. Allein in Deutschland ist Enactus schon an 38 Hochschulen vertreten, unter anderem in Aachen mit mehr als 60 Mitgliedern. In den einzelnen Städte-Teams werden Projekte entwickelt, die zum Ziel haben, sich zukunftsorientiert mit gesellschaftlichen, ökologischen oder wirtschaftlichen Herausforderungen auseinanderzusetzen und Lösungen zu erarbeiten.

So vielfältig wie die Probleme weltweit sind, so unterschiedlich sind auch die Projekte bei Enactus. Bei Enactus in Aachen gibt es zum Beispiel das Projekt Samaki. Dieses hat sich zur Aufgabe gemacht, es Menschen in Afrika zu ermöglichen, sich eine Existenz als Fischzüchter aufzubauen. Die Studierenden haben dafür ein solarbetriebenes Tanksystem entwickelt, das auch in trockenen Regionen aufgestellt werden kann. Um das Projekt endgültig in die Tat umzusetzen, ist ein Teil des Teams im April 2016 nach Uganda geflogen, wo sie gleich mehrere Anlagen mit einem lokalen Partner aufgebaut haben.

Nachfragt bei Studierenden:

"Für mich persönlich stellt Enactus einen sehr guten Zusatz zu meinem Studium dar. Ich habe hier zum einen die Möglichkeit, das in den Vorlesungen Gelernte anzuwenden und Verantwortung zu übernehmen. Zugleich wird wie in einem kleinen Unternehmen agiert. Zum anderen macht es auch viel Spaß neue Leute kennenzulernen und gemeinsam für eine gute Sache zu arbeiten.

  • Gang Lu engagiert sich als Teamleiter "Samaki" bei Enactus Aachen

Häufige Fragen

Was fällt alles unter soziales Engagement?

Soziales Engagement beschreibt das Ausüben von Handlungen zu einem wohltätigen Zweck. Das kann sehr vielfältig sein und vom Engagement in der Tierrettung über die Arbeit im Sportverein bis zur Hilfe in einer Flüchtlingsunterkunft reichen.

Was sind soziale Tätigkeiten Beispiele?

Soziale Tätigkeiten können schon im Kleinen stattfinden, etwa wenn du regelmäßig den Hund deiner 85-jährigen Nachbarin ausführst oder ihr beim Einkaufen hilfst. Auch die ehrenamtliche Arbeit in Vereinen, etwa im Vorstand oder als Trainer /-in gehören dazu. Darüber hinaus ist es auch möglich, finanzielle Unterstützung zu leisten.

Wie wichtig ist soziales Engagement im Lebenslauf?

Im Lebenslauf macht sich soziales Engagement natürlich gut, da es zeigt, dass du über wichtige Soft Skills verfügst. Dich aber nur aus Eigennutz sozial zu engagieren, ist nicht der richtige Weg, schließlich solltest du schon der Überzeugung sein, dass es etwas bringt, was du tust und auch voll dahinter stehen.

Soziales Engagement im Studium: ein Überblick

  • Soziales Engagement bedeutet, einen Teil deiner freien Zeit dafür zu nutzen, ohne Gegenleistung etwas für andere zu tun.
  • Soziales Engagement ist in allen Lebensbereichen möglich.
  • Oft reichen schon wenige Stunden im Monat aus.
  • Du kannst soziales Engagement mit deinen Interessen verknüpfen und beispielsweise in deinem Sportverein tätig werden.
  • Es bietet dir die Chance, neue Menschen kennenzulernen und etwas Sinnstiftendes zu tun.
  • Es wirkt sich positiv auf deine Persönlichkeit aus, weil du mal eine neue Perspektive kennenlernst und Empathie gefragt ist.

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