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21. Jun 2016

Heike Kruse

Archiv

Hirndoping: Der Mythos vom studentischen Ritalin-Junkie

Studie des HIS-HF gibt Aufschluss über Neurocognitive Enhancement bei Studenten

Hirndoping unter Studenten eher selten der Fall

Immer wieder tauchen Meldungen zu der ansteigenden Anzahl von hirndopenden Studenten auf. Bisher gab es jedoch keine repräsentativen Umfragewerte für deutsche Studenten, die leistungssteigernde Mittel verwenden. Experten verstehen unter Hirndoping, auch "Neurocognitive Enhancement", das Einnehmen von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln zur Leistungssteigerung. Die Müdigkeit wird dabei vertrieben, die Konzentration erhöht und die Nervosität besiegt.

In diesem Zusammenhang wird Ritalin als die Modedroge angeführt. Ritalin ist eine amphetaminähnliche Substanz, die dem Betäubungsmittelgesetz unterliegt und stimulierend wirkt. Allerdings betreiben laut der vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) beauftragten Studie nur fünf Prozent der Befragten Hirndoping zur Stressbewältigung. Weitere fünf Prozent der Studierenden nehmen Vitaminpräparate, homöopathische und pflanzliche Substanzen, Koffein o. ä. ein. Sie gehören damit zu den Soft Enhancenden.

Im Kampf gegen Stress und Lampenfieber

In der Studie "Stresskompensation und Leistungssteigerung in Form von Hirndoping" zeigt sich weiterhin, dass vor allem Studenten aus dem Bereich Veterinärmedizin (18 Prozent) und Sport/ Sportwissenschaften (14 Prozent) zu pharmazeutischen Mitteln greifen. Die Studierenden von Mathematik/ Informatik und Geowissenschaften/ Physik (jeweils 3 Prozent) machen davon am wenigsten Gebrauch. Zudem wächst mit der Dauer des Studiums die Zahl derer, die sich mit Arzneimitteln dopen. Ab dem 13. Hochschulsemester wird der Prozentsatz mehr als doppelt so hoch (8 Prozent) als der in den Anfangssemestern (3 Prozent).

Die Gründe für die Einnahme liegen gerade in den stressigen Momente des Studentenlebens: Für die Prüfungsvorbereitung (Hirndopende 55 Prozent, Soft Enhancende 58 Prozent), in Prüfungssituationen (Hirndopende 45 Prozent, Soft Enhancende 60 Prozent), aber auch bei generellem Stress (Hirndopende 53 Prozent, Soft Enhancende 35 Prozent) werden Dopingmittel eingesetzt. Der Stress im Studium und die Nervosität werden anscheinend für manche so groß, dass sie sich nur noch mit Arzneimitteln weiter helfen können. Dagegen stehen 88 Prozent der Studenten, die überhaupt keine Erfahrungen mit Hirndoping gesammelt haben. Sie bleiben geistig fit ohne Drogen. 70 Prozent kennen auch niemanden, der solche Mittel konsumiert. Jedoch haben 84 Prozent der Studenten davon schon einmal gehört.

Anhand der geringen Zahl derer, die Hirndoping betreiben, lässt sich ableiten, dass Hirndoping kein Massenphänomen in Deutschland ist. Vielmehr wird daran die Zunahme von Stress, das Studium schnell und erfolgreich zu absolvieren, deutlich.

Tipps für eine gesunde Leistungssteigerung

  • Verteilt den Lernstress gleichmäßig über den Tag, ganz nach eurem persönlichen Biorhythmus. Als Nachteule lernt ihr besser abends, als Frühaufsteher morgens.
  • Nach vier bis fünf Stunden Dauerlernen solltet ihr eine Pause einlegen und etwas ganz Anderes machen, um euch auf andere Gedanken zu bringen. Sport ist dabei immer eine gute Art, Stress abzubauen.
  • Ebenso solltet ihr auf ausreichend Schlaf achten. Sieben bis acht Stunden jede Nacht braucht der Körper. Genauso wichtig ist eine gesunde Ernährung. Die Konzentrationsfähigkeit wird dabei auf natürliche Weise gestärkt.
  • Einen Tag vor der Prüfung, dem Test, ... könnt ihr am besten alle Bücher zur Seite legen. So kann dann euer Gehirn das Gelernte aufnehmen und verarbeiten.

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