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Wortführer der 68er-Bewegung: Rudi Dutschke (hier gespielt v. Sebastian Blomberg) | Foto: Constantin
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11. Jul 2018

Hella Wittenberg

Filme

Die 68er-Bewegung wird 50: Diese sechs Filme rebellieren noch mal

Happy Birthday, 1968!

Schon gewusst? Die 68er-Bewegung wird dieses Jahr 50. Grund genug, um einen Blick zurück zu werfen, auf eine Zeit, in der sich vor allem protestierende Studierende für Freiheit und Emanzipation einsetzten und damit letztendlich einen gesellschaftlichen Wertewandel bewirkt haben. Die legendäre Zeit wird auch in Filmen immer wieder aufgegriffen und verarbeitet. Hier kommen die besten sechs Streifen, die sich mit der Thematik beschäftigen bzw. die damaligen Motive aufgreifen.

1. "Die fetten Jahre sind vorbei" (2004)

Die drei Freunde Jule (Julia Jentsch), Jan (Daniel Brühl) und Peter (Stipe Erceg) wollen rebellieren. Also so richtig. Deshalb brechen sich nachts in Häuser ein und bringen Chaos in die geordneten vier Wände der Reichen. Sie haben nicht vor zu klauen, sie möchten lieber Denkzettel verpassen. Doch bei einer ihrer Aktionen werden sie von dem Manager Justus Hardenberg (Burghart Klaußner) überrumpelt – den sie kurzerhand mitnehmen. Die spontane Entführung spaltet mehr und mehr das Trio. Dabei hat Hardenberg sogar Verständnis für ihre Art der Rebellion, denn er war selbst Anhänger der 68er-Bewegung.

Ein Film, der auf krasseste Weise die Motive der 68er neu aufbereitet und einen interessanten Dialog ermöglicht.


2. "Wer wenn nicht wir" (2011)

Zu Beginn der 1960er gibt es in Deutschland lediglich erste Anzeichen für eine politische Veränderung. Aber Bernward Vesper (August Diehl) will den Umbruch mit aller Macht. Bei dem Sohn des NS-Autors Will Vesper hat sich viel Wut angestaut. Zusammen mit seiner Freundin Gudrun Ensslin (Lena Lauzemis) zieht er schließlich von Tübingen nach West-Berlin. Von dort aus wollen sie etwas ändern. Sie werden zunehmend politisiert und als Gudrun auf Andreas Baader (Alexander Fehling) trifft, kommt es bei ihr zur Radikalisierung, während sich Bernward immer mehr in den Drogen verliert.

Das Drama präsentiert die Anfänge der Roten Armee Fraktion (RAF) und nimmt aufgrund der persönlichen Geschichten emotional besonders mit.


3. "Der Baader Meinhof Komplex" (2008)

Erst sind Andreas Baader (Moritz Bleibtreu), Ulrike Meinhof (Martina Gedeck) und Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) lediglich Aktivisten, die sich gegen die Elterngeneration sowie gegen ihre Nazi-Vergangenheit stellen wollen. Aber dann gründen sie die RAF und verüben mit immer mehr Mitgliedern terroristische Anschläge, bei denen es beständig Verletzte und sogar Tote gibt.   

Das Drama von Regie-Meister Bernd Eichinger basiert auf dem gleichnamigen Sachbuch des Journalisten Stefan Aust. Die Inszenierung schockt vor allem durch schonungslose wie extreme Bilder.


4. "Was tun, wenn’s brennt" (2001)

Das Motto der Hausbesetzer in den 80ern: Wenn es brennen sollte, muss man es brennen lassen! Tim (Til Schweiger), Nele (Nadja Uhl) und auch Terror (Matthias Matschke) gehörten genau dieser Szene an. Sie wollten das Establishment richtig aufmischen. Nur ist diese Zeit 13 Jahre her und der Großteil der Gruppe ist mittlerweile ziemlich gesetzt. Erst als ein alter Sprengsatz in einer Villa hochgeht und die Polizei ermittelt, müssen sie wieder zusammenkommen, über die Vergangenheit und das jetzige Vorgehen sprechen.

Die 68er haben lange nachgewirkt. Ihre Ideale konnte man auch bei den Hausbesetzern in den 80er-Jahren wiederfinden. Der Film mausert sich als genial geschnittener Thriller mit pointierten Szenen und Dialogen.


5. "Joschka und Herr Fischer" (2011)

Mithilfe von Interviews und einem Haufen Archivmaterial wirft die Doku einen genaueren Blick auf das bewegte Leben des früheren 68er-Aktivisten, Außen- sowie Umweltministers und immerwährenden Turnschuhfans Joschka Fischer.

Ein unterhaltsames und besonders umfangreiches Porträt, bei dem sich Joschka Fischer auch öfter mal ziemlich selbstironisch zu Wort meldet. Das Werk von Pepe Danquart gewann 2011 den Hessischen Filmpreis.


6. "Boxhagener Platz" (2010)

1968 in Berlin: Der Westen ist von Studentenaufständen und sexueller Revolution eingenommen, im Osten geht es dagegen um einiges ruhiger zu. Holger (Samuel Schneider) verbringt viel Zeit bei seiner Oma Otti (Gudrun Ritter) am Boxhagener Platz. Während er erste Schritte auf das andere Geschlecht zumacht, lebt ihm seine Großmutter einen eher wilden Alltag mit ihrem bereits sechsten Ehemann vor. Das Leben der Menschen rund um den Platz ändert sich aber unweigerlich, als ein ehemaliger Nazi dort ermordet aufgefunden wird. Was genau ist passiert? Holger avanciert zum Hobbydetektiv.

Der Protagonist und die Zeit selbst sind mitten im Umbruch: Was für eine wunderbare Ausgangslage! Eine spannende, aber immer auch witzig erzählte Coming-of-Age-Story.

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